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Warum tut sich die Schweiz mit digitalen Lösungen so schwer?
Aus SRF News vom 24.03.2021.
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Scherbenhaufen Impfplattform Die Schweiz hat ein Digitalisierungs-Problem

Man muss es sich endlich eingestehen: Die Schweiz tut sich mit der Digitalisierung ausserordentlich schwer. Das Debakel um die Plattform meineimpfungen.ch ist nur das jüngste Beispiel in einer langen Liste des Scheiterns.

Das Volk schickt die elektronische ID bachab. Das elektronische Patienten-Dossier ist eine unendliche Geschichte. Die Corona-Tracing-App kommt erst nach der ersten Welle. Das ganze Land witzelt über das Faxgerät des BAG, Impf-Anmeldungssysteme brechen sofort zusammen. Der 5G-Ausbau wird mit teilweise Fakten-freier Argumentation behindert. E-Voting erleidet mehrmals Schiffbrüche.

Beim Bund scheitern interne IT-Projekte so spektakulär, dass Millionen verloren gehen. Ruag, VBS oder EDA werden von Hackern angegriffen und erleiden zum Teil schwerwiegende Verluste.

Digitalisierung ist ein historischer Umbruch

Neidisch in andere Länder zu schielen, kann zwar auch trügerisch sein. Die südkoreanische Tracing-App beispielsweise war wirkungsvoller und stand schneller bereit. Doch die Bevölkerung nahm massive Eingriffe in die Privatsphäre in Kauf, die hierzulande absolut chancenlos gewesen wären.

Trotzdem: Was in Ländern wie Estland ganz gut geht, ist offenbar in der Schweiz besonders anspruchsvoll. Ja, die Digitalisierung ist ein historischer Umbruch. Sie fordert und überfordert alle, nicht nur die Schweiz. Aber man macht sich hier das Leben extra schwer.

Die Krux mit Föderalismus und direkter Demokratie

Föderalismus und Abseitsstehen in Europa führen dazu, dass der erste Reflex jedes Mal ist, es im Kanton oder gar der Gemeinde selber zu machen, es ja auch besser zu können, nur um dann später einzusehen, dass es so nicht geht.

Die direkte Demokratie führt dazu, dass Diskussionen um komplexe technische Sachverhalte regelmässig in Symbolik abgleiten und Abstimmungsresultate Politik und Verwaltung auf dem falschen Fuss erwischen.

Die Angst vor eben solchen Ausrutschern führt dazu, dass schon gewonnen geglaubte Abstimmungskämpfe halbherzig geführt, technische Komplexitäten nicht genügend erklärt und ausgewiesene Experten oft viel zu spät in die Diskussion einbezogen werden. Und obwohl die Schweiz bei jeder Gelegenheit ihre Hochschulen und ihre Hightech-Affinität betont, findet sich dann in einzelnen Projekten manchmal erschreckend wenig Fachkompetenz.

Es muss schneller gehen

Das ist aber nicht eine Frage des Könnens, sondern des Willens. Digitalisierungs-Vorgängen muss eine deutlich höhere Priorität beigemessen werden. Sie müssen besser erklärt und international abgestützt werden. Es müssen mehr Ressourcen gesprochen werden. Es müssen mehr gute Leute rekrutiert werden.

Und es muss schneller gehen. Digitale Projekte, die unseren Alltag direkt betreffen, dürfen nicht länger behandelt werden, als wären sie optional und dürften nichts kosten. Die Zukunft ist digital – wer noch länger schläft, setzt den Wohlstand aufs Spiel.

Guido Berger

Guido Berger

Leiter Digitalredaktion, SRF

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Guido Berger (@guidoberger) leitet SRF Digital und erklärt seit 2006 Technologie und Games.

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Corona beschäftigt uns alle. Unten finden Sie eine Liste mit Hotlines und Ratgebern rund um Corona.

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BAG Infoline Corona-Impfung, Link öffnet in einem neuen Fenster: 058 377 88 92 (täglich 6 bis 23 Uhr)

Dureschnufe, Link öffnet in einem neuen Fenster: Plattform für psychische Gesundheit rund um das neue Coronavirus

Angst und Panikhilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 801 109 (10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr)

Eltern-Notruf Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 35 45 55 (24x7)

Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline für Kinder- und Jugendliche: 147 (24x7)

Schweizer Sorgen-Telefon, Link öffnet in einem neuen Fenster: 143 (24x7)

Suchthilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster: Hotline für Jugendliche im Lockdown 0800 104 104 (Di. bis Do. 9 bis 12 Uhr)

Branchenhilfe.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster: Ratgeberportal für Corona betroffene Wirtschaftszweige

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Wie weiter mit dem Impfpass?
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Tagesschau, 24.03.2021, 12.45 Uhr

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91 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Feuz  (F. Feuz)
    Was wollen wir auf unsere Fahne schreiben?
    a) wir können Datenschutz!
    oder
    b) wir können Pandemie!
    Auch hier gilt: Nach der Pandemie ist vor der Pandemie. Wir müssen aus Fehlern lernen. Vieles war nicht falsch, was Bundesrat und BAG gemacht haben. Das darf nicht verloren gehen. Wir brauchen einen Notfallplan für die nächste Pandemie, denn noch können wir Pandemie nicht. Unsere direkten Volksvertreter - aber auch die Medien - sind kaum fähig an Lösungen zu arbeiten. Die können destruktiv!
  • Kommentar von Jörg Kaufmann  (jka)
    Viele Schweizer Banken und Versicherungen haben ihre eigene, selbst entwickelte und unterhaltene Plattform, die zur Zeit höchsten Ansprüchen genügt. Gefordert, da Milliarden an Werten diskret verwaltet werden, Kundschaft international, sehr anspruchsvoll.
    Also, ein Beispiel für Made in CH - Kosten zwar astronomisch, funktioniert aber gut.

    Also bitte, was umfasst die Schweiz mit dem Problem? Nur Behörden? Das wäre ein bisschen zu eng gesehen.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Estland bringt ihre Lösung schon im April: https://www.srf.ch/news/schweiz/scherbenhaufen-impfplattform-die-schweiz-hat-ein-digitalisierungs-problem#main-comments