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Transportfirma beutet Chauffeure aus
Aus Kassensturz vom 01.12.2020.
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Schlechte Arbeitsbedingungen Transportfirma beutet Chauffeure aus

Chauffeure der Transportfirma Saviva arbeiten oft die ganze Nacht durch, ohne Pausen – und verstossen so gegen das Gesetz.

Nacht für Nacht war S. W. mit seinem Lastwagen für die Transportfirma Saviva, einer Tochterfirma der Migros, unterwegs. Er transportierte vom Hauptsitz in Regensdorf (ZH) Lebensmittel in Restaurants, Altersheime und Spitäler. Von Landquart (GR) bis Genf (GE). Der Chauffeur klagt an: Einige Touren, die sie hätten fahren müssen, seien nicht machbar gewesen. Ausser man habe bewusst gegen die Chauffeurverordnung ARV verstossen. Nur so hätten sie den vorgegebenen Zeitplan einhalten können, sagt er.

Wir haben keine Kenntnisse von solchen widerrechtlichen Vorgängen.
Autor: Transportfirma Saviva

In der Pause weiterarbeiten

Konkret: Regelmässig hätten sie den Fahrtenschreiber ausgetrickst. Nach 4,5 Stunden Lenkzeit müssen LKW-Chauffeure jeweils eine Pause von 45 Minuten einlegen. «Pause heisst ruhen. In der Pausenzeit dürfen wir nicht einmal das Lenkrad reinigen», erzählt der Chaffeur. Doch während der Pausen habe er regelmässig seinen LKW be- oder ausgeladen und somit weitergearbeitet. «Dann sass ich wieder in den Lastwagen. Der Zähler war wieder auf null und ich durfte wieder viereinhalb Stunden fahren». Saviva schreibt «Kassensturz»: «Wir haben keine Kenntnisse von solchen widerrechtlichen Vorgängen».

Wenn wirklich so gearbeitet wird, wie da beauftragt, dann verstösst dies gegen das Gesetz.
Autor: Roman KüenzlerGewerkschaft Unia

Dienstpläne ohne Pausen

«Kassensturz» werden interne Unterlagen zugespielt. Es sind Dienst- und Fahrpläne für Chauffeure von Saviva. Minutiös wird darin vorgegeben wann und wo der Chauffeur welches Material auf- und abladen muss. Einige Touren sind lang, insbesondere die Touren in der Nacht. Auffallend: Bei keiner einzigen Tour sind Pausen eingetragen. «Wenn wirklich so gearbeitet wird, wie da beauftragt, dann verstösst dies gegen das Gesetz», sagt Roman Küenzler von der Gewerkschaft Unia.

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Gewerkschafter Roman Küenzler von der Unia hat sich die Arbeitspläne angeschaut
Aus Kassensturz vom 01.12.2020.
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Gewerkschafter Roman Künzler ist sehr erstaunt, dass die Migros nicht aktiver überprüft ob alle Regeln eingehalten werden.

«Kassensturz» zeigt S.W. die Dienstpläne. Er bestätigt nach diesen Plänen gearbeitet zu haben. Nicht selten sei er mehrere Stunden länger unterwegs gewesen als geplant. Dies belegen seine Zeitrapporte, welche er «Kassensturz» offenlegt.

Die Migros-Tochter Saviva betont, dass sich für die Chauffeure jeder Tag anders gestalte. Deshalb seien die Pausen in den Dienstplänen nicht fest aufgeführt. «Unsere Chauffeure haben die klare Anweisung die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Sie werden regelmässig zum Thema Chauffeurverordnung ARV geschult ‹…›. Die Vorgaben und Gesetze sind dabei klar: Pausenzeiten müssen eingehalten werden», schreibt Saviva.

Keine Nachtzulagen

S. W. erzählt, dass dies nicht alles sei. Saviva habe im Frühling den Chauffeuren sämtliche Nachtzulagen gestrichen und Spesenentschädigungen gestrichen. Für S. W. bedeutete dies konkret: 1000 Franken weniger Lohn pro Monat. Man habe bei einigen Chauffeuren Anfang 2020 eine Änderungskündigung umgesetzt, schreibt Saviva «Kassensturz»: «Diese Anpassungen wurden alle gesetzeskonform umgesetzt. Alle Fristen wurden eingehalten und es gab keine Lohnkürzungen.»

Inzwischen arbeitet S. W. nicht mehr für Saviva.

Kassensturz, 1.12.2020, 21.05 Uhr

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Meister  (Dani_m)
    alles muss billiger! Früher musste ein Lastwagen fünf Franken pro Kilometer einfahren. da gab es noch keine lsva. und jetzt gibt’s nur noch eine Sparmöglichkeit, und d.h. leider der Chauffeur. Danke unser Herr Leuenberger ist diese Situation jetzt noch mehr eskaliert. inzwischen wird ja die LSV auch nicht mehr für die Straßen benutzt, sondern auch für andere Zwecke wo nichts mit der Straße zu tun hat.ich bin/war selber Chauffeur ich weiß von was ich spreche. und natürlich die Firma weiß nichts
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  • Kommentar von Philipp Moreno  (HOC)
    Da sieht man wie genossenschaftlich, freundlich und sozial die Migros ist. Arbeit auslagern, Veranwortung auslagern, Löhne drücken und Arbeitsbedingugen verschlechtern(die Migros selber ist nicht gerade für gute Arbeitsbedingugen bekannt, Quelle: unzählige Google-Links).
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Wenn die Anschuldigung stimmt, dann finde ich es eine gravierende Ausbeutung dieser Arbeitskräfte. Es bräuchte wohl mehr Kontrollen.Der Arbeitsgeber trägt Mitverantwortung für die Angestellten;es schaut wirtschaftlich mehr heraus, wenn ein Arbeitgeber motivierend mit den Angestellten umgeht.Dann tragen wir Kunden ebenso Mitverantwortung:Jede/r erwartet, dass eine Ware in kürzester Zeit im Haus ist.Das schafft Druck auf Firmen und die Arbeitgeber und -nehmer. Kunden: Erwartungen zurückschrauben!
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