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Legende: Video Schweizer Grundwasser durch Landwirtschaft zunehmend unter Druck abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.08.2019.
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Zu viele Gifte im Wasser Grundwasser durch Landwirtschaft zunehmend unter Druck

  • Rund 15 Prozent der Messstellen weisen eine Nitratbelastung über dem Grenzwert auf.
  • Das zeigt der neuste Bericht des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) zur Qualität des Schweizer Grundwassers.
  • Die zunehmende Verunreinigung stammt mehrheitlich aus dem Ackerbau im Mittelland.

Das Trinkwasser ist zwar nicht in Gefahr, aber «zunehmend unter Druck», heisst es im vom Bafu veröffentlichten Naqua-Bericht über den Zustand des Grundwassers. Dass die Schweiz nur rund 7 Prozent des theoretisch nutzbaren Grundwassers für die Trinkwasserversorgung nutze, dürfe nicht zu Sorglosigkeit führen, so das Fazit. Im Jura und in den alpinen Regionen sind Belastungen tiefer und die Qualität relativ naturnah.

Der Naqua-Bericht

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Die Nationale Grundwasserbeobachtung Naqua , Link öffnet in einem neuen Fensterist das gemeinsame Monitoringprogramm von Bund und Kantonen, das die Grundwasser-Quantität und -Qualität landesweit an rund 600 Messstellen erfasst.

Der Bericht basiert auf Daten aus den Jahren 2007 bis 2016. Die Proben stammen von mehr als 600 Messstellen der Nationalen Grundwasserüberwachung (Naqua). Das Grundwasser liefert 80 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Trinkwassers.

Abbauprodukte fast überall im Mittelland

Neben der Nitratbelastung wegen Überdüngung sind auch Pestizide (Pflanzenschutzmittel und Biozide) und deren Abbauprodukte, sogenannte Metaboliten, ein Problem. An jeder zweiten Messstelle (53 Prozent) fanden sich derartige Wirkstoffe. In Ackerbaugebieten lassen sie sich an 95 Prozent der Messstellen nachweisen, also fast an jeder. Die Ausgangssubstanz des Pflanzenschutzmittels findet sich dabei nur sehr selten, und nicht jedes Abbauprodukt ist Trinkwasser-relevant.

Flüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (FHKW) wurden an jeder vierten Messstelle nachgewiesen, bei 3 Prozent der Messstellen wurde der Grenzwert von einem Milligramm pro Liter überschritten. FHKW sind oft an Altlasten gebunden oder sie stammen aus Lösungsmitteln.

Belastetes Wasser einfach «wegmischen»

Neu wurde im Jahr 2017 erstmals auch das Fungizid Chlorthalonil beziehungsweise dessen Abbauprodukt eindeutig identifiziert, wie Ronald Kozel, interimistischer Leiter der Abteilung Hydrologie des Bafu, vor den Medien ausführte. In der EU ist das Mittel seit Ende 2018 nicht mehr zugelassen. In der Schweiz wird es vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) derzeit neu beurteilt. Ein Widerruf der Zulassung wird für den Herbst erwartet.

Aufwind für Umwelt-Initiativen?

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Der Bafu-Bericht kommt zu einem brisanten Zeitpunkt: Bald wird das Schweizer Stimmvolk über die Trinkwasser- und über die Pestizid-Initiative abstimmen. Beide Volksbegehren wurden von links-grünen Kreisen lanciert und wollen den Gebrauch von chemischen Stoffen in der Landwirtschaft massiv einschränken oder sogar verbieten. Angesichts der derzeit jedes Jahr eingesetzten 2000 Tonnen Pflanzenschutzmittel durch die Landwirtschaft wäre ein solches Verbot ein massiver Eingriff. Der Schweizerische Bauernverband bekämpft die Vorlagen denn auch mit allen Mitteln. Vors Volk kommen sie wohl im nächsten Jahr.

Das Mittel gegen Pilzbefall stelle die Versorger insofern vor grosse Probleme, als es noch keine zuverlässige Aufbereitungsmethode gebe, so Kozel. Mit Chlorthalonil verunreinigtes Grundwasser kann bisher nur durch Vermischen mit unbelastetem Wasser entschärft werden. Oder man verzichtet ganz auf eine solche Grundwasserfassung.

Sehr niedrige Konzentrationen von Arzneimitteln wie Antibiotika oder Röntgenkonstrastmitteln wurden an 13 Prozent der Messstellen gefunden.

Bauernverband wehrt sich

Bei den Landwirten zeitigt der Bericht geharnischte Reaktionen. Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband kritisiert die Kadenz des Berichts. Die Einschätzungen der Naqua würden auf Zahlen aus dem Jahr 2016 und früher beruhen.

Legende: Video Bauernverband wehrt sich abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.08.2019.

Seit Anfang 2017 sei aber der Nationale Aktionsplan Pflanzenschutzmittel in Kraft, so Rufer. Dieser Aktionsplan umfasse 51 Punkte, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft zu reduzieren.

Dazu sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler: «Es gibt sicher einen Grund, wieso die Bauern im Fokus stehen.» So sei etwa das Problem mit dem Nitrat, das aus Gülle und Dünger stammt, seit Jahren ein Problem im Grundwasser. Ausserdem zeigten die erhobenen Messdaten deutlich, dass jene Gebiete grossflächig von überhöhten Pflanzenschutzmittel-Werten betroffen seien, wo auch intensiv Landwirtschaft betrieben werde.

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60 Kommentare

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  • Kommentar von Edi Steinlin  (Chäsli)
    Meiner Meinung nach geht es vor allem darum, dass Bauernpräsident Markus Ritter im Parlament lobbyiert hat, keinen Gegenvorschlag zu den seiner Meinung nach, zu strickten Wasserinitiativen zu machen. Daraus kann man schliessen, dass der Bauernverband nichts an den bestehenden Vorschriften ändern und genau so weiter machen will. Markus Ritter und sein Verband lässt uns keine andere Möglichkeit als zwei mal Ja zu stimmen.
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Die Landwirte mögen die Gifte austragen, Verursacher sind aber die Konsumenten die immer noch billigere Lebensmittel wollen, dabei weder auf Umwelt, Herkunft umd Qualität achten. Dieses elende Geiz ist geil Verhalten zwingt ja die Landwirte förmlich zu immer noch exzessiverer Produktion. Wenn sie nicht das ganze Jahr 1a Qualität zu tiefstem Preis liefern greifen die Konsumenten ja lieber zu Billigimporten. Die Grossverteiler spielen bei diesem dreckigen Spiel ebenfalls eine gewichtige Rolle.
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  • Kommentar von Peter Fröhlich  (Peter Froehlich)
    Die Schweiz ist das einzige Land in Europa mit einem Grenzwert von 25mg/l Nitrat. Alle EU Staaten liegen bei einem Grenzwert von 50mg/l Nitrat und der wird in diesen Ländern regelmässig überschritten.
    In der Schweiz düngen Landwirte pro m2 nicht mehr als 1,5 mal die tägliche Harnausscheidung eines Menschen. Dies verteilt auf 3 Applikationen. Da wird der Boden nicht mal nass. In unseren Nachbarländern wird das doopelte gedüngt.
    Bei uns gibt es Anzeichen, dass das Wasser sogar zu sauber ist!
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    1. Antwort von Ludwig Zeier  (Louis)
      @Peter Fröhlich
      Die 25 mg Nitrat pro Liter sind viel zu hoch. Gemäss einer Studie aus Dänemark bewirkt schon 16 mg die Darmkrebsgefahr um 20 Prozent. Hatten Sie schon mal Krebs ? Ich wünsche es ihnen nicht.
      Wie das Nitrat ist auch die Ammoniakbelastung (Nervengift) doppelt so hoch wie gesetzlich erlaubt. Aber die Bauern können hier machen was sie wollen. Gebüsst werden sie nicht. Oder noch nicht.

      https://www.srf.ch/sendungen/puls/zu-viel-duenger-im-trinkwasser
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