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Wieder Regen am Wochenende: Warum sind Wetterprognosen schwierig?
Aus News Plus vom 04.06.2024. Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott
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Schon wieder Regen Die Krux mit den Wetterprognosen

Zuerst sah es nach einem sonnigen Wochenende aus, nun haben sich die Prognosen eingetrübt. Der Sommer lässt weiter auf sich warten. Warum können sich Wetterprognosen so schnell ändern? Antworten dazu hat SRF-Meteorologe Jürg Ackermann.

Jürg Ackermann

Jürg Ackermann

Meteorologe SRF

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Jürg Ackermann arbeitet seit Frühling 2019 bei SRF Meteo. Zuvor schloss er an der Universität Innsbruck das Masterstudium in Atmosphärenwissenschaften ab. Zu seinen Tätigkeitsbereichen gehören das Erstellen von Prognosen und die Moderation von Wettergesprächen im Radio.

Wie sieht die Arbeit eines Meteorologen aus?

Die Arbeit beginnt schon vor dem eigentlichen Schichtbeginn – auf dem Weg zur Arbeit. Da schaue ich mir das aktuelle Wetter an und ob das in etwa übereinstimmt mit dem, was ich am Tag zuvor vorausgesagt habe. Im Büro verschaffe ich mir erst einmal einen groben Überblick: Ich betrachte zunächst die Grosswetterlage, die sogenannte Synoptik: Wo befinden sich die Hochdruckgebiete, die Tiefdruckgebiete? Wo sind die Fronten in der Nähe in Europa? Wie bewegen sich diese in naher Zukunft weiter? Erst danach schaue ich, wie sich diese Grosswetterlage auf das Wetter in der Schweiz auswirkt oder auswirken könnte. Zunächst einfach mal im Kopf: Was könnte es bedeuten, dass da ein Tiefdruckgebiet im Westen ist, ein Hoch, das abzieht? Was könnte es für unser Wetter bedeuten? Die Grosswetterlage sehen wir in globalen Modellen. Die haben eine sehr grobe Auflösung.

Wie entsteht der Wetterbericht für die Schweiz?

Für die Lokalprognose in der Schweiz sehe ich dann auf den Lokalmodellen, die eine Auflösung von einem Kilometer etwa haben, wie sich diese Grosswetterlage auf das Wetter in der Schweiz auswirkt. Ob es sich so auswirkt, wie ich es mir gedacht habe, wenn nicht, wieso? Was könnten da die Unsicherheiten sein, die die Modelle nicht drin haben? Das sind sehr viele Fragen, die ich mir am Anfang der Schicht stelle – auch was ich mit dem Team diskutieren muss.

Wie einigt sich das SRF-Meteo-Team?

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Ein Wetterbericht ist immer Teamwork bei SRF Meteo. Das Ganze ist immer mit Unsicherheiten verbunden. Jeder und jede im Team zieht leicht andere Schlüsse aus den Berechnungen am Computer. Der Wetterbericht, der dann über das Radio, den Fernseher und über Online herausgeht, ist immer eine Art Mittelwert davon, worauf sich das Team am Ende geeinigt hat. Im Grossen und Ganzen ist sich das Team meist einig. Wenn nicht, dann wird an Details gefeilt: «Wie einigen wir uns auf gewisse Worte? Sagen wir, es ist zeitweise sonnig oder sagen wir, wenn es mehr Wolken hat, es ist wechselnd bewölkt», sagt Ackermann. «Es gibt einen krassen Unterschied, wie das Publikum diese Aussagen versteht, obwohl es wahrscheinlich nur eine halbe Stunde bis eine Stunde mehr Sonnenschein wäre bei ‹zeitweise sonnig› als bei ‹wechselnd bewölkt›. Aber der Eindruck ist dann ein anderer. Vor allem bei unsicheren Wetterlagen gibt es viele Diskussionen innerhalb des Teams.»

Warum gibt es Interpretationsspielraum?

Die Modelle berechnen das Wetter jeweils an einem bestimmten Punkt auf der Erde und dann wieder einige Kilometer weiter weg beim nächsten Punkt. In den globalen Modellen, die das Wetter weltweit berechnen, liegen diese Punkte weiter auseinander als bei lokalen Modellen – zum Beispiel 50 Kilometer. Mit anderen Worten: Ein globales Modell kann vielleicht zeigen, wie das Wetter in Luzern und Locarno ist. Was aber dazwischen im Alpenraum passiert, wird nicht abgebildet. «Wir haben aus den globalen Modellen einen Ausschnitt, der dann noch feiner gerechnet wird», so Ackermann. «Mittels Supercomputern werden diese Punkte dann gerechnet. Und schlussendlich bei den lokalen Modellen sind wir dann bei einer Auflösung von 1 bis 2 Kilometern und da können wir auch schon lokale Windphänomene in einem Alpental besser auflösen, als in einem globalen Modell überhaupt möglich ist.»

Werden die Modelle besser?

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Grundsätzlich sind die Prognosen zuverlässiger geworden. Das sagt auch Olivia Romppainen, Professorin für Meteorologie an der Uni Bern. «Das Europäische Wetterzentrum zeigt Statistiken der Vorhersagequalität auf ihrer Webseite. Und dort sieht man, dass die Qualität einer 7-Tage-Prognose mit dem jetzigen Vorhersagesystem gleich hoch ist wie die Qualität einer 5-Tages-Prognose im Jahr 2000», so Romppainen. «Also haben wir zwei Tage gewonnen.» Was ermöglichte die Verbesserungen? «Einerseits ist es möglich, dank leistungsfähigeren Computern die Atmosphäre in einer besseren Auflösung in den Modellen abzubilden. Andererseits ermöglichen die schnelleren Computer auch, mehr Prozesse abzubilden. Und dann haben sich zudem in den letzten Jahren die statistischen Methoden substanziell verbessert. Also die Vorhersagen aus den Wettermodellen werden, quasi nachdem die Modellrechnungen beendet sind, noch statistisch korrigiert. Und diese statistischen Methoden haben sich in den letzten Jahren auch massiv verbessert.»

Wie werden die Modelle gespiesen?

Die nationalen Wetterdienste, die die Bodenmessnetze bedienen, liefern die Daten. «In der Schweiz haben wir über 300 Bodenmessstationen», so Ackermann. «Aber nur wenige, die schlussendlich in die globalen Modelle fliessen. Jedes Land hat mehr oder weniger viele Messstationen. «Das sind die Bodenmessungen. Aber schlussendlich findet das Wetter ja nicht am Boden statt, sondern in der Luft, in der Atmosphäre. Und da fehlen sehr viele Messungen. Vor allem in der Corona-Zeit hatten wir auch gelesen, dass die Wettermodelle schlechter wurden, weil auch die Messdaten aus der Atmosphäre fehlten. Bei den Flugzeugen hat es Messsonden, die schlussendlich die vertikale Auflösung für die Wettermodelle generieren. Zum anderen haben wir auch noch viele Satellitenmessungen, die in die Wettermodelle einfliessen.

Wann kommt der Sommer?

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«Je nachdem, was die Definition für Sommer ist», so Ackermann. «Wir hatten bereits sommerliche Phasen im Frühling, Anfang April, da wurde es bereits zum Teil über 28 Grad warm. Wenn wir die Grenze von 25 Grad nehmen für den Sommer, dann wird es diese Woche Sommer. Es gibt Temperaturen ab 25 Grad, Regengüsse und Gewitter gehören auch zum Sommer dazu. Also würde ich sagen, diese Woche wird es Sommer.»

News plus, 04.06.2024, 16:00 Uhr ; 

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