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Wie gross ist die Corona-Ansteckungsgefahr durch Kinder tatsächlich?
Aus Echo der Zeit vom 17.04.2020.
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Schulöffnungen am 11. Mai «Die Rolle der Kinder beim Coronavirus ist nicht restlos geklärt»

Die Kinder seien wirklich nicht die Treiber dieser Epidemie, sagte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit gestern vor den Medien zur geplanten Wiedereröffnung von Schulen und sorgte damit für Verwirrung. Es gebe Anzeichen, dass Kinder eine untergeordnete Rolle spielten, doch es bleibe eine Risikoabwägung, sagt Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: SRF News: Ob Kinder Treiber der Epidemie sind, war bislang zumindest umstritten. Hat sich daran etwas geändert?

Thomas Häusler: Grundlegend hat sich daran nichts geändert. Man weiss einfach vieles noch nicht über das neue Virus. Die Schulen hat man relativ rasch geschlossen, ohne zu wissen, ob das tatsächlich etwas bringt. Die Schweizer Behörden wie auch jene anderer Länder stützten sich dabei wohl vor allem auf Erfahrungen mit der saisonalen Grippe. Von dort ist bekannt, dass Schulschliessungen manchmal wirken können.

Mittlerweile gibt es aber Anzeichen, dass die Kinder bei der Übertragung des Coronavirus eine untergeordnete Rolle spielen. Dann bringt es nichts, die Schulen zu schliessen und sie zu öffnen schadet nichts. Aber ganz sicher ist das nach Einschätzung der Epidemiologen nicht.

Mittlerweile gibt es aber Anzeichen, dass die Kinder bei der Übertragung des Coronavirus eine untergeordnete Rolle spielen.

Trotz offensichtlich dünner wissenschaftlicher Basis wagen es die Behörden am 11. Mai. Ist das also eine reine Risikoabwägung angesichts der tiefen Fallzahlen?

Ja. Solche Risikoabwägungen braucht es bei all denn Lockerungen, die nun kommen. Es sei für Gesellschaft sehr wichtig, dass die Schulen funktionierten, betonte auch der Epidemiologe in der Corona-Taskforce des Bundes, Christian Althaus. Denn die Kinder müssen ja gut lernen können, und ihre Eltern müssen wieder arbeiten können. Für die Kinder selbst ist das Risiko wohl wirklich klein. Wenn sie angesteckt werden, verläuft die Krankheit allermeisten mild.

Wann würde sich zeigen, dass das Risiko unterschätzt hat?

Laut dem Epidemiologen Althaus würde das nicht sofort sichtbar. Denn aktuell gibt es relativ wenige Ansteckungen. Bis sich Kinder angesteckt haben und diese dann wieder Erwachsene und bis dann Risikopatienten in Spital kommen, würde es dauern. Laut Althaus ist vorstellbar, dass innerhalb eines Monats etwas erkennbar wäre. Gleichzeitig werden mit den Schulen am 11. Mai auch viele Geschäfte wieder geöffnet. Es wird also nicht ganz klar sein, aufgrund welcher Ursache die Epidemie allenfalls wieder schlimmer wird.

Kann an Schulen ein Zwei-Meter-Abstand überhaupt eingehalten werden?

Die Schulen werden wohl ziemlich pragmatisch vorgehen müssen. Sie können Veranstaltungen vermeiden und allenfalls einzelne Klassen in den Pausen trennen. Schützen müssen sich wohl auch vor allem jene Lehrpersonen, die zu einer Risikogruppe zählen, etwa mit Masken. Weiterhin schützen müssen sich sicher auch die Grosseltern. Das betont Epidemiologe Althaus ganz deutlich. Wieder normal wird die Welt der Kinder am 11. Mai also noch lange nicht sein.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von caroline petrucco  (caropet)
    Ich frage mich, wie sollen Risiko- Kinder, Eltern, Lehrer geschützt werden? Für Kinder, die zuhause bleiben müssten weil sie selbst oder ihre Eltern gefährdet sind, wäre es sozial sehr belastend. Risikolehrer zuhause lassen = weniger Lehrer. Wie soll das gehen, da wir ja jetzt schon Lehrermangel haben und die Klassen wegen Abstandsempfehlungen ja keinesfalls noch vergrössert werden sollten? Das mit Risikogruppen zuhause lassen ist nicht so einfach!!!
  • Kommentar von Karin Reichenbach  (SinnReich)
    Kinder, wenn sie Fieber und Husten haben, werden von Kinderärzten nicht getestet, weil sie (laut BAG) nicht zu der Risikogruppe gehören.

    Mich nähme schon wunder, auf welche Studien sich da Herr Koch bezieht. Ich meine konkret.

    Aufgrund dieser konstruierten Argumente, öffnen wir die Schulen.

    Masken und Desinfektionsmittel fehlen auch.
    Aber da hat ja Herr Berset auch seine eigene Studien, die er herbei zieht, ohne Transparenz.
    Tja!
    Good luck!
    1. Antwort von Daniel Mäder  (redam)
      Ganz ihrer Meinung! Mann müsste schon einmal mindestens 1000 Kinder Testen und dann weiter entscheiden... auch wenn keine Symptome vorhanden sind um das ganze abwägen zu können! Dass Sie nicht zur Risikogruppe gehören weis man ja schon aber Überträger ist noch ein großes Fragezeichen.
  • Kommentar von Markus Bossert  (EEE)
    Die Schliessung der Grundschulen ist wohl einer der grösste Fehlentscheide, welche die Regierung vollzogen hat in der Corona-Krise.
    Die Kinder übertragen das Virus extrem schlecht und sie lernen extrem schlecht zuhause.
    Zudem spannt das Zusammenleben zuhause zunehmend an. Die häusliche Gewalt nimmt zu, und bei den Kindern entstehen Bildungslücken.
    Dass die häusliche Gewalt "offiziell" nicht zunimmt, liegt lediglich dran, dass sie von den Lehrern nicht mehr erkannt/gemeldet werden kann.
    1. Antwort von David Kobelt  (David Kobelt)
      Ui! Ein Fachmann für alles. Solche Leute brauchen wir jetzt dringend!
    2. Antwort von Markus Bossert  (EEE)
      @Kobelt: Falsch! Ich bin kein Fachmann für alles. Und aufgrund meines Kommentars auf eine derart überhebliche Einschätzung zu kommen, ist unseriös im höchsten Grad.
      Ich stelle lediglich fest, dass zurzeit ein quasi Exklusivrecht für Covid19-Risiko-Kandidaten existiert, und alle anderen sozialen Risiken völlig ausgeblendet werden. Alles wird getan für die Covid19-Risikogruppen, koste es was es wolle. Alle anderen haben einzustecken. Oder finden Sie das verantworungsvoll?
    3. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Markus Bossert: Ich gebe Ihnen völlig Recht. Momentan sind nur die Covid19-Risikogruppen und Patienten im Gespräch. Alle anderen sollen sich gefälligst still halten.