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Schweiz und Frankreich helfen sich gegenseitig
Aus Echo der Zeit vom 29.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
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Schweiz und Frankreich Solidarität und Interessenpolitik zu Corona-Zeiten

In der Krise schauen die Staaten für sich selber – und sind gleichzeitig stark aufeinander angewiesen. Dabei spielen Solidarität und handfeste Interessen gleichzeitig eine Rolle.

Die Abhängigkeit der Nachbarländer Schweiz und Frankreich in der Corona-Krise zeigt sich etwa beim Streit um blockiertes Schutzmaterial: Frankreich habe das Problem mit den blockierten Schutzmasken gelöst, schreibt die französische Botschaft in der Schweiz heute. Die Masken seien unterwegs in die Schweiz. Der französische Botschafter Frédéric Journès sagt, die Solidarität zwischen den Nachbarn komme zum Tragen, weil man begriffen habe, dass man dieselben Interessen habe.

Der französische Botschafter weist auch auf 30'000 französische Grenzgänger hin, die im Schweizer Gesundheitsbereich tätig seien. Auf sie sind vor allem die Grenzkantone dringend angewiesen. Umgekehrt, so Journès, würden derzeit 20 schwer erkrankte Covid-19-Patienten und Patientinnen aus Frankreich in verschiedenen Schweizer Spitälern gepflegt, seit bereits einer Woche etwa in Basel-Stadt.

Es zeigt sich, dass wir gemeinsam aus dieser Krise herausfinden müssen.
Autor: Lukas EngelbergerBasler Gesundheitsdirektor

Die Staaten handeln also auch aus Eigeninteresse: Sie geben und sie nehmen. Für Basel-Stadt hätte die Solidarität im Vordergrund gestanden, als es die Patienten aufgenommen habe, sagt der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger, der auch Vizepräsident der Gesundheitsdirektorenkonferenz ist. Es habe keine Verhandlungen über Gegengeschäfte gegeben. Basel-Stadt sei einfach angefragt worden und habe geholfen. «Es zeigt sich, dass wir gemeinsam aus dieser Krise herausfinden müssen», so Engelberger.

Die gegenseitige Abhängigkeit unter Nachbarn zeige sich in der Krise umso deutlicher, sagt auch die Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission, die grünliberale Nationalrätin Tiana Angelina Moser: «Interessen spielen immer eine Rolle, aber die Situation ist sicherlich angespannt.» Alle Akteure seien daran interessiert, dass es nicht zu einer Eskalation kommt, sondern dass man eher deeskalierend wirkt.

Eigeninteresse und Solidarität

Doch ob die nachbarschaftliche Hilfe auch dann noch funktioniert, wenn sich die Situation zuspitzt, weiss derzeit niemand. Botschafter Journès ist optimistisch: Die Staaten würden immer mehr einsehen, dass Solidarität gefragt sei und Alleingänge nichts brächten.

Auch Politik-Professor Laurent Goetschel von der Schweizerischen Friedensstiftung Swisspeace vermutet: «Man wird realisieren, dass man beidseitig aufeinander angewiesen ist, in einer Krisensituation noch mehr als sonst. Man wird versuchen, einander in gegenseitigem Interesse, nicht nur primär aus Solidarität, zu helfen.» Die Krise schweisse die Schweiz und ihre Nachbarländer ein Stück weit zusammen.

Echo der Zeit, 29.03.2020, 18 Uhr

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Coronavirus in Österreich. Nur noch mit Mundschutz zum Einkauf. Ich finde diese Massnahme gut. Bei uns sind Masken nirgends erhältlich, ein Versäumnis unserer Politik. Wer sich sicherer fühlt bei Einkauf mit Maske sollte das tun können, nur leider fehlen diese. Es ist jetzt schon klar, dass viele Menschen an der Krankheit sterben werden, aber es ist das Mindeste, alles zu tun, damit nicht noch mehr sterben. Herr Koch bestreitet die Wirkung der Masken, ob dem wirklich so ist? Jeder Schutz ist gut
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  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Also nochmals. Solidarität wird uns teilweise gezeigt, doch vor allem handelt jedes Land für sich. Frankreich freut sich über die Aufnahme von Patienten in der Schweiz, blockiert aber gleichzeitig Schutzmaterial, oder verbietet die Ausfuhr gänzlich.
    Und Spanien hat sich in China ganze Lieferketten für die Herstellung von Material gekauft. Heute kam ein Flieger von dort an; das Material wird an UK, F, D verteilt. Wären da nicht noch 23 andere EU Länder? Es schaut vor allem jeder für sich!
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Stimmt einfach nur bedingt. Spanien, wie Italien haben Priorität. Was für Lieferketten? Es werden einige Transporte ausgeführt. Dann leben wir in einer Welt des 'freien' Marktes, welche jetzt drunter und drüber ist. Auch dieses Material wird rar.
      Ihre Bemerkung wegen Blockierung stimmt auch nicht. Zusätzlich möchte ich Sie erinnern, dass 30000 französische Pflegende bei uns in der Schweiz arbeiten. Sie könnten alle nach Frankreich zurückberufen werden!
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  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Und als Dank dafür wird Schutzmaterial an den Grenzen blockiert, oder es kommt zu Ausfuhrverboten. Das wird von den Regierungen dann natürlich nicht so offen kommuniziert.
    Die europäische Solidarität versagt momentan grossmehrheitlich.
    Neustes Beispiel. Spanien sichert sich in China ganze Lieferketten für Masken. Flugzeug kommt in Spanien an und es wird verkündet, diese Masken auf D, F und ESP zu verteilen. Da wären doch noch 24 andere EU Länder. Aber eben, jeder für sich!
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