Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Schweiz verfehlt Klimaziel Bei der CO2-Reduktion wäre deutlich mehr Tempo angesagt

Video
Aus dem Archiv: Klimastrategie des Bundes ist machbar
Aus Tagesschau vom 28.01.2021.
abspielen

Die Schweiz verfehlt ihr Klimaziel für 2020 – und zwar obschon wegen Corona auf den Strassen im letzten Jahr zeitweise deutlich weniger lief. Die Zahlen aus dem Treibhausgas-Inventar des Bundes für 2019 zeigen, dass die Bemühungen zur Reduktion des CO2-Ausstosses praktisch in allen Bereichen stagnieren – dabei wäre deutlich mehr Tempo angesagt zur Erreichung der Pariser Klimaziele.

46.2 Millionen Tonnen CO2 und andere Treibhausgase hat die Schweiz im Jahr 2019 in die Atmosphäre entweichen lassen. Das sind gerade einmal 0.3 Millionen Tonnen weniger als 2018, sprich: Die Schweiz stagniert im Kampf gegen den Klimawandel. Ende 2019 lagen die Emissionen um 14 Prozent tiefer als im Jahr 1990. Nur ein Jahr später, Ende 2020, müssten sie um 20 Prozent tiefer gelegen haben.

Die genauen Zahlen für 2020 wird das Bundesamt für Umwelt zwar erst in einem Jahr publizieren. Doch bereits jetzt ist klar: Dieses Ziel erreicht die Schweiz nicht. Zwar sind die Emissionen aus dem Verkehr im Corona-Jahr 2020 temporär wohl zurückgegangen. Um die Lücke von sechs Prozentpunkten zu füllen, reicht das nicht.

Die Schweiz hinkt hinterher

Es geht schlicht zu langsam vorwärts im Schweizer Klimaschutz. Und die Schweiz hinkt ihren Nachbarn hinterher. Deutschland hat die eigenen Klimaziele für 2020 wider Erwarten erreicht – dank der coronabedingten Einschränkungen des Verkehrs. Die EU als Ganze übertrifft die ihrigen gar. Die Schuld daran, dass der Schweiz Ähnliches nicht gelingt, liegt in grossen Teilen beim Verkehr – die Treibhausgas-Werte des Verkehrs liegen 2019 gar noch um ein Prozent höher als 1990.

Aber nicht nur: Die Industrie stösst zwar 14 Prozent weniger Treibhausgase aus als vor 30 Jahren, die Heizungen in den Gebäuden gar 34 Prozent weniger. Trotzdem verfehlen auch diese beiden Bereiche die Ziele bei weitem, die der Bund für sie für 2020 gesetzt hat.

Es muss ein Ruck durch Politik und Wirtschaft

Insgesamt präsentiert sich ein ernüchterndes Bild, vor allem auch, weil in den kommenden Jahren eigentlich deutlich mehr Tempo gefragt ist – hat sich die Schweiz doch das Ziel gesetzt, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent zu reduzieren im Vergleich zu 1990 und bis 2050 gar bei Netto-Null anzukommen. Damit diese künftigen Ziele nicht ebenso verfehlt werden wie das aktuelle, muss wohl ein Ruck durch Politik und Wirtschaft.

Der Bundesrat, die Mehrheit der Parteien und die Mehrheit der Wirtschaftsverbände sehen im revidierten CO2-Gesetz, das im Juni zur Abstimmung kommt, einen ersten Schritt dazu. Die Referendumsführer aus Erdöl- und Automobil-Verbänden sowie der SVP glauben, dass es auch ohne geht.

Klaus Ammann

Klaus Ammann

Wirtschaftsredaktor, SRF

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Historiker und Russist ist seit 2004 als Redaktor bei Radio SRF tätig. Seit 2011 arbeitet Klaus Ammann für die Wirtschaftsredaktion. Sein Schwerpunkt liegt dabei auf Energie- und Klimathemen.

SRF4 News, 12.04.2021, 16:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

59 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Es wäre vor allem mehr Tempo angesagt beim Ausbau von PhotoVoltaik.
  • Kommentar von Martin Daniel Brülhart  (Kiwi1963)
    Typische wirtschaftliche Heuchelei. Bei den Coronafolgen werden die Jungen als zukünftige Opfer dargestellt die das bezahlen, bei den Folgen des Klimawandels werden die gleichen Jungen vergessen. Bezahlen werden sie es aber noch viel mehr
  • Kommentar von christoph steiger  (christoph steiger)
    Die Pariser Klimaziele sind national bezogene Ziele, keine Pro-Kopf-Ziele. Bei dem Wachstum dass die Schweiz aufweist (und das auf einem breiten Konsens von Links bis Rechts beruht) kann sich niemand ernsthaft wundern, dass Schadstoffausstoss und Belastung der Ressourcen zu, sowie die Biodiversität abnimmt. Offenbar ist die Vorstellung weit verbreitet, alles werde besser, je mehr Menschen wir sind.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Wenn die Ziele auch national sind, berücksichtigen sie doch immerhin die voraussichtliche demographische Entwicklung.