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Die Ungeimpften haben das Referendum verloren
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.12.2021.
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Schweizer Corona-Massnahmen «Das Verständnis für die Ungeimpften wird immer kleiner»

Für ungeimpfte Personen bedeutet die 2G-Regel, die seit heute Montag praktisch flächendeckend gilt, quasi einen Ausschluss vom öffentlichen Leben. Wie kommt das in der Bevölkerung an? Michael Hermann analysiert die Lage und spricht auch über die möglichen politischen Auswirkungen.

Michael Hermann

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Der Politikgeograf Michael Hermann ist Leiter der Forschungsstelle Sotomo. Er beschäftigt sich seit Ausbruch der Pandemie mit der Stimmung der Bevölkerung in dieser Zeit.

SRF News: Noch vor ein paar Monaten dachte man, dass die Zeit von harten Corona-Massnahmen vorbei sei. Trägt die Bevölkerung diese nun noch mit?

Michael Hermann: Ja, eine grosse Mehrheit trägt sie mit. Das hat zum einen eine ganz aktuelle Umfrage des Link-Instituts im «Sonntagsblick» am Sonntag gezeigt. Auch das Abstimmungsresultat des 28. Novembers ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Massnahmen mitgetragen werden. Die Bevölkerung will, dass die Regierung Massnahmen trifft, die dazu führen, dass die Intensivstationen nicht überlastet werden.

Könnte die Stimmung kippen?

Die Stimmung ist nicht besonders gut. Doch man ist mittlerweile daran gewöhnt, mit diesen Massnahmen zu leben. Man hat gelernt, wie man mit Homeoffice umgeht, solange die Kinder noch in der Schule sind. Die Schliessungen der Schulen in der ersten Welle haben die grössten psychischen Belastungen ausgelöst. Der Unterschied ist die Stimmung bei den Nicht-Geimpften. Für sie wird es zunehmend schwierig, weil sie speziell unter Druck sind. Das Verständnis für sie wird bei der anderen – der grössten – Gruppe, den Geimpften, immer kleiner.

Es ist häufig so, dass die direkte Demokratie dazu führt, dass Konflikte frühzeitig diskutiert werden, frühzeitig ausbrechen.
Autor:

Wird es von den Ungeimpften Widerstand geben?

Bei uns hat schon die anstehende Abstimmung die Spannungen an die Oberfläche gebracht. Es ist häufig so, dass die direkte Demokratie dazu führt, dass Konflikte frühzeitig diskutiert werden, frühzeitig ausbrechen. Wenn nicht nur eine, sondern zwei Abstimmungen in die gleiche Richtung ausgehen und die zweite Abstimmung sogar noch klarer herauskommt, dann führt das zu einer Beruhigung der Situation. Die Opposition ist nicht verschwunden, aber sie ist weniger laut, weil sie nicht mehr für sich in Anspruch nehmen kann, eine nicht erkannte Mehrheit zu vertreten. Sie selbst hat ja dieses Referendum ergriffen und damit dazu beigetragen, dass klar ist, dass eine Mehrheit etwas anderes will. In Deutschland und Österreich ist dies anders.

Demonstration mit Plakat: Grundrechte gelten immer alle
Legende: Einige Gegner und Gegnerinnen der Einführung von 2G demonstrierten am Samstag in Bern. Keystone

Kann man grundsätzlich sagen: Ein Grossteil der Bevölkerung steht in Sachen Coronapolitik hinter dem Bundesrat?

Das kann man absolut so festhalten. Das wissen nun auch die, die nicht geimpft sind. Hatten sie vor der Abstimmung eher noch den Eindruck, der Bundesrat beschliesse etwas über die Köpfe der Menschen hinweg, wissen sie jetzt, dass die Mehrheit der Bevölkerung auch findet, man müsse eine griffige Coronapolitik machen.

Die SVP war die einzige Partei, die sich vor der Abstimmung gegen das Covid-Gesetz stellte. Seither hat sich die Pandemie-Situation wieder zugespitzt und der Bundesrat hat die Massnahmen verschärft. Wie haben sich denn die politischen Fronten seitdem entwickelt?

Grundsätzlich sind sie noch ähnlich. Die SVP hat sich zwar gegen die Massnahmen geäussert. Aber allein die Tatsache, dass das Gesetz so klar angenommen wurde, hat ihr ein bisschen die Energie weggenommen. Vermehrt rufen auch ihre Exponenten und Exponentinnen zum Impfen auf. Albert Rösti ist dafür ein gutes Beispiel. Pierre Alain Schnegg, der Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, hat sein Unverständnis mit den Ungeimpften ebenfalls geäussert. Auch viele Leute, die der SVP nahestehen, wollen nicht, dass die IPS überlastet sind.

Das Gespräch führte Susanne Stöckl.

SRF 4 News, 20.12.2021. 07:40 Uhr;

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203 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir bedanken uns für die zahlreichen Inputs und Kommentare. Wir beenden die Debatte an diesem Punkt und wünschen eine gute Nacht.
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Ja, die Impfbefürworter haben sich weit aus dem Fenster gelehnt und müssen nun die 2G-Regel praktisch flächendeckend, also die Massnahmen, mittragen. Homeoffice für alle diejenigen, die die Infrastruktur aufrechterhalten, dass man Homeoffice machen kann, können jedoch kein Homeoffice machen, weil sonst kein Homeoffice möglich ist, für alle diejenigen, die nicht für die Infrastruktur und Grundversorgung in der Schweiz verantwortlich sind.
  • Kommentar von Lukas Troxler  (lukastroxler)
    Der aktuelle Bericht von Avenirsuisse erwähnt, dass Impfen sicherlich EINE entscheidende Massnahme ist.
    Die Impfskespis ist aber eine Tatsache und gerade bei einer "neuen" Technologie ist dies zu respektieren.
    Schuldzuweisungen/Sündenbockfinden ist die falsche Haltung. Viel mehr war damit zu rechnen, dass gerade im unseren Land, wo ja die Naturheilpraxis wichtig ist, damit zu rechnen war.
    Übel ist, dass nach wie vor das Gesundheitswesen nicht viel mehr gestärkt wird! (Armee, ZS, etc.)