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Soldaten helfen bei der Grenzsicherung
Aus Rendez-vous vom 23.04.2020.
abspielen. Laufzeit 05:21 Minuten.
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Soldaten bewachen Übergänge Es herrscht Ruhe an der grünen Grenze

Die Grenze wird wegen der Pandemie vollständig kontrolliert. Die Grenzwächter sind auf die Unterstützung der Armee angewiesen. Ein Augenschein an den Übergängen zwischen Basel und Frankreich.

Frühmorgens, kurz nach 6 Uhr am Grenzübergang bei Allschwil (BL). Eine Blechschlange bewegt sich langsam von der französischen Seite her in Richtung Schweizer Grenze. Grenzwächter Christian Freiermuth und zwei Kollegen kontrollieren jedes ankommende Auto. Sie verlangen Ausweis und Grenzgängerbestätigung.

Grenzübergang, Autos, Motorräder, Grenzwächter.
Legende: Viel zu tun im Grenzgängerverkehr am frühen Morgen in Allschwil. SRF/Iwan Santoro

Kaum länger als zehn Sekunden müssen die Fahrzeuge anhalten, es ist fast eher ein Vorbeirollen. Zu Beginn habe die Kontrolle nicht so gut funktioniert. Doch inzwischen laufe es wie am Schnürchen, sagt Freiermuth.

Während die systematischen Kontrollen am Grenzübergang von den Kollegen weitergeführt wird, gehen Grenzwächter Freiermuth und sein Kollege Raphael Nebel auf Patrouillenfahrt.

Kleinere Grenzübergänge abgeriegelt

In einem unauffälligen silbergrauen VW-Transporter fahren sie zu einem unscheinbaren Grenzübergang. Dieser wurde mit schweren Betonpflöcken abgeriegelt. Trotzdem nähert sich von der anderen Seite ein BMW mit französischem Nummernschild.

Mit Betonelementen und Gittern geschlossene Strasse.
Legende: Viele kleine Grenzübergänge sind vorübergehend geschlossen. Doch nicht alle von ihnen können mit Betonelementen gesichert werden. SRF/Iwan Santoro

Der Fahrer steigt aus und erklärt den Beamten, er müsse an einem andern Ort arbeiten als normalerweise, deshalb habe ihn das Navi über einen momentan geschlossenen Grenzübergang geleitet. Jetzt muss er umkehren und einen geöffneten Grenzübergang benutzen.

Soldaten bewachen die Nebenstrassen

Nicht alle Grenzübergänge können mit aufwendigen Betonelementen gesperrt werden. Genau dort kommt die Armee zum Einsatz. So bewachen etwa die beiden WK-Soldaten Betschart und Bürgin eine kleine Nebenstrasse.

Armee unterstützt Grenzwachtkorps

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Die Schweiz hat die Grenzen zum Ausland praktisch abgedichtet, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Keine einfache Aufgabe für die Grenzwächter. Denn es geht um fast 2000 Kilometer Aussengrenze. Deshalb unterstützten Soldaten das Grenzwachtkorps.

Im Dreiländereck bei Basel ist der Grenzverlauf nicht immer ganz klar. Die Region ist dicht besiedelt. Neben den offiziellen Grenzübergängen führen zahllose Schleichwege über Felder und durch Wälder in die Schweiz. Vor allem hier kommen die Soldaten zum Einsatz.

Es ist kurz vor 7 Uhr. Bislang habe bloss ein Velofahrer versucht, die Grenze zu überqueren, sagt Wachtmeister Bürgin. «Wir haben ihn zum geöffneten Grenzübergang geschickt.» Trotz des wenigen Verkehrs müsse man immer wachsam bleiben, dann gehe auch die Zeit schnell vorbei. «Mal geschieht sechs Stunden lang nichts – und plötzlich passiert etwas.»

«Ein mulmiges Gefühl»

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Trotz der meist ruhigen Lage haben die Soldaten zuweilen ein etwas mulmiges Gefühl: Weil die offiziell noch geöffneten Grenzübergänge jetzt rigoros kontrolliert würden, könnten Schmuggler – etwa von Drogen – dazu verleitet sein, jetzt die Feld- oder Waldwege für ihre Tätigkeit zu nutzen, sagt Soldat Betschart. «Da ist durchaus Vorsicht geboten.»

Komme hinzu, dass allein die Präsenz des Militärs an der Grenze eine Wirkung habe. Einbrüche in dieser Region gebe es seither kaum mehr, sagt Bürgin stolz. Wirklich heikle Szenen haben die beiden Soldaten noch keine erlebt.

Kein Spaziergänger kommt hier durch

Ähnlich tönt es am nächsten Kontrollposten der Armee. Es ist nach 8 Uhr. Linus Brauchli und Yannick Gunziger sind seit zwei Uhr in der Früh auf den Beinen. Auch sie bewachen die Grenze auf einem einfachen Feldweg.

Spaziergänger mit und ohne Hunde kommen hier vorbei. Grotesk erscheint ihnen diese Überwachung nicht. Im Gegenteil, sagt Soldat Gunziger. «Gerade die Spaziergänger mit Hunden würden an den Absperrungen vorbeilaufen, wenn wir nicht hier wären.»

Zwei Soldaten im Tarnanzug vor einem Absperrband.
Legende: Die Soldaten Gunziger und Brauchli bewachen die grüne Grenze. SRF/Iwan Santoro

Grenzwächter Freiermuth ist des Lobes voll über die Militärunterstützung. «Sie sind zuverlässig, sehr engagiert und wachsam.» Brauchli und Gunziger sind fast sechs respektive sieben Wochen am Stück im Dienst. Ohne Urlaub, ohne Ausgang. «Die Lage verlangt das – wir machen das beste draus», sagt Brauchli.

Wann bloss herrscht wieder Normalität?

Es ist nach 9 Uhr – die Grenzpatrouille ist zurück am Grenzübergang Allschwil. Ein Velofahrer, der ebenfalls kontrolliert wird, schimpft: «Jeden Tag dasselbe – dabei kennen mich die Leute doch inzwischen.» Der im Elsass wohnende Basler, der in Basel arbeitet, findet die Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie zwar gut. Doch sei jetzt ja das Schlimmste vorbei, da könnte man die Praxis doch etwas lockern.

Doch noch ist unklar, wann das Grenzregime wieder gelockert wird. Sicher aber ist, dass die Grenzwächter Nebel und Freiermuth nicht unfroh sind, wenn die systematischen Personenkontrollen bald ein Ende haben.

Rendez-vous vom 23.4.2020, 12.30 Uhr

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40 Kommentare

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  • Kommentar von ursula rey  (momolo13)
    Die Grenzen zu schliessen hat höchstens den Zöllnern und der Armee etwas gebracht, für die bedeutete es eine Abwechslung. Ihr Job wurde wieder etwas mehr beachtet und die Armee an sich bekam wieder eine gewisse Berechtigung, zumindest für deren Befürworter. Dem Virus wurde damit in keiner Weise entgegengewirkt, das Virus hält sich nämlich an keine Grenzen, sondern wirkt dort, wo es wirken kann. Hände waschen, Abstand halten, Masken auf, so machen wir es dem Virus unbequem. Grenzen hin oder her.
  • Kommentar von Nina Mathis  (Nina M.)
    Was beim jetzigen Stand des Corona Virus an den Grenze abläuft, ist nicht mehr tragbar. Es gibt keine Aussicht auf Öffnung der Grenzen für Familie, Freund, Tiere, usw. Es ist ein Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte eines Menschen. Wenn man einen täglichen Grengängerverkehr von 328'580 Übertritten zulassen kann und die Bürger dieser Gefahr aussetzt, kann der Grenzverkehr auch für andere Tätigkeiten geöffnet werden. Es ist Zeit Lösungen mit den Nachbarstaaten zu suchen .
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Die Wirtschaft d.h. gewerblicher Warenverkehr und Grenzgänger werden nicht behindert. Alles OK?
  • Kommentar von Fabian Sarbach  (F. Sarbach)
    Was ist der Sinn der Grenzschliessung? D hat weniger Fälle als wir und sogar strengere Massnahmen. Warum sollte sich ein Deutscher in der CH oder umgekehrt eher anstecken als zuhause? Warum soll es gefährlicher sein nach München zu fahren als nach Zürich? Kann mir das jmd erklären???
    1. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      Auch das die Einfuhr jeglicher waren verboten ist, man sich aber alles schicken lassen darf, ist nicht logisch. Freizügigkeit ist Grundrecht, und wenn alle schützenden Maßnahmen eingehalten werden, sollten die Grenzen zügig wieder öffnen!