Mit elf Jahren spielt Konrad Zschiedrich bereits eine Hauptrolle am Stadttheater Solothurn. In «Home» ist er Julien, der mit seinen Eltern und den beiden Schwestern in einem kleinen Haus wohnt. Als neben dem Zuhause eine Autobahn eröffnet wird, leidet die Familie unter dem Verkehrslärm – vor allem Julien.
Das Stück ist die Theateradaption des gleichnamigen Films. Am Theater Orchester Biel Solothurn (TOBS) hatte es im Januar Uraufführung. Für Konrad Zschiedrich ist es die erste grosse Rolle. Während 100 Minuten steht er ohne Pausen auf der Bühne.
Handball muss warten
Neben der Bühne ist Konrad Zschiedrich ein ganz normaler Elfjähriger. Er wohnt mit seiner Familie in Langendorf SO und geht dort in die sechste Klasse. In der Freizeit spielt er Handball und Theater im U15-Club des TOBS. Wobei der Sport wegen des Theaters in letzter Zeit zu kurz kam. «Am Anfang gab es drei Proben pro Woche, jeweils zwei oder drei Stunden. Am Ende waren es zweieinhalb Wochen, die intensiv waren und in denen es jeden Tag eine Probe gab.»
Zum Theater kam der Jungschauspieler über seine Kindergärtnerin in Deutschland. Vor dem Umzug in die Schweiz schenkte sie ihm eine Clownnase. «Ich dachte zuerst, ich werde Clown im Zirkus. Dann fand mein Klavierlehrer, dass ich Schauspieltalent hätte, und empfahl mir, beim Jungen Theater zu schnuppern.»
Und dann kam die Anfrage für «Home»: «Ich fand es megacool, dass ich die Nachricht bekommen hatte. Ich hatte nicht damit gerechnet und hab mich einfach mega gefreut und gedacht: Ja, komm, mach das jetzt!»
Noch kein Malheur
100 Minuten Bühnenpräsenz mit vielen Einsätzen: Wie merkt sich Konrad Zschiedrich den vielen Text? «Ich streiche ihn erst mal an, schaue ihn an, übe ihn ein bisschen zu Hause mit meiner Mutter oder mit meinen Geschwistern. Und dann klappt das häufig.»
Ein Missgeschick sei ihm noch nie passiert, erzählt er. «Aber ich habe bei der Premiere immer ein bisschen Angst.» Da sei er jeweils ein wenig nervös. Aber das gehöre wahrscheinlich immer dazu.
«Ich bin nicht ich»
Mit Text auswendig lernen ist es aber nicht getan. Der Schauspieleinsatz des Elfjährigen ist auch körperlich. In Solothurn steht er vor grossem Publikum zum Teil nur in Shorts auf der Bühne, wird abgeduscht und kuschelt sich nass an seine Theaterschwestern.
Andere Gleichaltrige würden sich das wahrscheinlich nicht trauen. Anders Konrad Zschiedrich: «Ich denke immer: Ich bin nicht ich. Ich spiele Julien. Und er umarmt seine Schwestern, geht in den Pool, ist manchmal bauchfrei und wird gewaschen, weil er sich dreckig macht. Ich bin nicht ich – und dann habe ich damit kein Problem.»
«Home» wird ab 14 Jahren empfohlen.Als Zuschauer dürfte er das Stück eigentlich selbst noch nicht sehen. «Wenn wir szenisch geprobt haben – die schlimmen Szenen, die Kämpfe zwischen den Eltern –, wurde ich immer gefragt, ob es für mich noch o.k. ist. Ob ich etwas nicht verstehe. Aber das war für mich nie ein Problem.»
Schauspieler oder Polizist?
Schauspieler ist der Traumberuf vieler – auch des elfjährigen Solothurners? Das sei noch offen. Eine Option wäre das Theater in Solothurn, in anderen Theatern oder beim Film. Aber: «Ich finde den Job Polizist ganz cool. Oder Lehrer oder Arzt.»
Gerne würde Konrad Zschiedrich in einem Musical mitspielen. «Ein Party-Musical mit vielen synchronen Tänzen. Wo alle den gleichen Tanz tanzen. Das fände ich megacool.» Beim Film wäre es ein Mafiaboss. «Oder eine Rolle wie der Joker aus Batman. Die würde ich sicher sehr mögen.»