Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Wechsel bei der SBB: Wohin geht die Reise? abspielen. Laufzeit 29:52 Minuten.
Aus Samstagsrundschau vom 07.09.2019.
Inhalt

Sommaruga zur Zukunft der SBB «Ich überlege mir, mehr Geld für den Unterhalt bereitzustellen»

Seit diesem Jahr ist Bundesrätin Sommaruga zuständig für die SBB. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen.

Die SBB hat es derzeit schwer. Der tödliche Unfall eines Zugbegleiters vor einem Monat hat sie stark getroffen. Dazu kommen überfüllte Züge, Verspätungen und unzufriedenes Personal – und nun noch der Rücktritt von CEO Andreas Meyer. Politisch verantwortlich für die SBB ist Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga – wie sieht sie die derzeitige Situation?

SRF News: Frau Sommaruga, bedauern Sie den Abgang von Andreas Meyer?

Simonetta Sommaruga: Nach 13 Jahren in einem Job, in dem er sich sehr engagiert hat, habe ich Verständnis dafür, dass er sich eine andere Aufgabe sucht. Er hat mir das ja auch schon Anfang Jahr mitgeteilt. Wichtig ist, dass der Übergang jetzt gut organisiert wird. Das ist die Aufgabe des Verwaltungsrats. Es ist ein Verlust, doch eine Veränderung bringt immer auch Chancen.

Einige sagen, das Verhältnis zwischen Ihnen sei nicht optimal gewesen. Sie wollten ihm beispielsweise den Lohn kürzen. Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?

Unser Verhältnis war professionell und gut. Wir haben uns sehr offen ausgetauscht. Die Lohnfrage ist im Bundesrat dikutiert worden, das war in dem Sinne nichts Neues. Die SBB als Unternehmen ist in den letzten Jahren aber sehr unter Druck gewesen, und davon werden jetzt vielleicht die Folgen sichtbar.

Unter Experten und in den Medien gab es mehr Kritik als Lob an Meyer. Teilen Sie die?

Man wird einem Problem nie gerecht, wenn man alles auf eine Person fokussiert. Der Chef ist selbstverständlich verantwortlich, aber auch der Verwaltungsrat und der Bundesrat, der die Vorgaben gibt.

Simonetta Sommaruga steigt in einen Zug
Legende: Im Jahr 2012 besuchte der Gesamtbundesrat die Baustelle des Gotthard-Basistunnels. Simonetta Sommaruga war damals noch Justizministerin. Keystone

Dass die gestiegenen Anforderungen in Sachen Flexibilität, Effizienz, Digitalisierung etc. Unruhe geschaffen und Mitarbeiter verunsichert haben, ist nicht wirklich überraschend. Das Unternehmen braucht Stabilität und Ruhe, damit es sich wieder auf seine Kernaufgaben konzentrieren kann.

Wie lässt sich das erreichen?

Ich habe etwa dafür gesorgt, dass beim Streit zwischen der SBB und der BLS eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde. Ich habe auch beim Regionalverkehr eine Vorgabe gemacht, dass die Gewinne in diesem hochsubventionierten Bereich verbleiben und nicht aus dem System genommen werden. Klare politische Vorgaben dienen der Stabilität.

Reden Sie bei der Nachfolge von Meyer mit?

Es gibt ganz klare Zuständigkeiten zwischen der SBB und dem Bund. Die Wahl des neuen CEO ist Aufgabe des Verwaltungsrats. Aber natürlich unterhalten wir uns im Vorfeld über Vorstellungen zum Profil des Kandidierenden.

Andreas Meyer hat viel Engagement in Zukunftstechnologien wie Apps oder Drohnen gesteckt. Bleibt so etwas wichtig?

Natürlich muss die SBB auf der Höhe der Zeit bleiben, doch sie muss vor allem die wichtigsten Dinge richtig machen. Die Bevölkerung erwartet, sicher und zuverlässig ans Ziel zu kommen, und sie erwartet, dass Züge und Schienen in gutem Zustand sind. Daher überlege ich mir, ob wir mehr Geld für den Unterhalt bereitstellen sollen, nachdem wir in den letzten Jahren mehr in den Ausbau investiert haben.

Welche Vorstellung haben Sie vom Verkehr und von der SBB in zehn oder 20 Jahren, gerade auch im Hinblick auf das Bevölkerungswachstum?

Die Perspektiven werden ja laufend überarbeitet. Ich bin aber aber vor allem dafür, dass sowohl im Bahn- als auch im Strassenverkehr die Infrakstrukturen in gutem Zustand erhalten bleiben. Das darf man nicht unterschätzen. Wir haben heute ein gutes Angebot in der Schweiz und ich wehre mich dagegen, Schiene gegen Strasse auszuspielen.

Das Gespräch führte Hans-Peter Künzi

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

60 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B Näf  (uluru)
    Die Infrastruktur erhalten ist löblich. Würde sie noch befreit von politischer Gesinnung, dann könnte auch die Effizienz profitieren. Die Aussage gilt auch für den CEO Posten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    «Ich überlege mir, mehr Geld für den Unterhalt bereitzustellen».... Frau BR S, das ist doch nicht eine Frage der Ueberlegung, sondern schlicht eine Frage des Bedarfs.. ist es noetig dann unverzueglich...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    BR Sommaruga sagt zurecht: 'Die Wahl des neuen CEO ist Aufgabe des Verwaltungsrats.'. Ich hoffe mal gerne, dass sich BR Sommaruga gut überlegt, was das denn heisst. Denn wenn die Wahl des neuen CEO der VR-Präsidentin (VRP) Ribar und dem restlichen VR überlassen wird, habe ich grösste Bedenken, dass ein prima CEO gewählt wird. Denn schwache Chefs umgeben sich i.d.R. mit schwachen MItarbeitenden. Also Frau BR Sommaruga: 1. VRP (und weitere VR) ersetzen. 2. CEO auswählen lassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen