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Die grossen Pläne für Gondo
Aus Schweiz aktuell vom 07.02.2022.
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Sonnenstrom aus den Bergen Ob Gondo soll das grösste Solarkraftwerk der Schweiz entstehen

In den Walliser Bergen planen Energieunternehmen eine riesige Photovoltaik-Anlage. Landschaftsschützer laufen Sturm.

Ein hochalpines Solarkraftwerk auf einer Fläche von 14 Fussballfeldern: Der Energiekonzern Alpiq will unter dem Projektnamen «Gondosolar» die grösste Photovoltaik-Anlage der Schweiz bauen – mitten im Simplongebiet. Geht es nach Initiant und Parzellenbesitzer Renato Jordan, soll auf der auf 2000 Metern über Meer gelegenen «Alpjerung» hoch über Gondo (VS) Energie für 5200 Haushalte produziert werden.

Alp hoch über Gondo
Legende: Auf dieser Alp hoch über Gondo sollen dereinst über 30'000 Solarpanels Strom für 5200 Haushalte produzieren. srf

«Die Sonne scheint hier den ganzen Tag. Da ist nirgends ein anderer Berg. Sogar im Winter nicht. Wir haben hier immer optimalen Sonnenschein», sagt Jordan auf einer Besichtigungstour, während er den Helikopterpiloten über das Gelände dirigiert.

Wir haben hier immer optimalen Sonnenschein. Sogar im Winter.
Autor: Renato Jordan Initiant Gondosolar

Eine Besonderheit des Solarkraftwerkes: Es soll 55 Prozent der Produktion im Winter liefern – viermal so viel wie eine vergleichbare Anlage im Mittelland. Zudem soll der Schnee die Sonne reflektieren und die Panels auf der Rückseite bestrahlen, was die Leistung zusätzlich erhöht.

Alpiq-Vertreter Amédée Murisier sprach denn auch am Montag an einer Medienkonferenz in Brig von einem «Vorzeigeprojekt, gerade betreffend der zuletzt thematisierten Stromengpässe in den Wintermonaten.»

Mit an Bord ist auch die Gemeinde Gondo-Zwischbergen. Gemeindepräsident Daniel Squaratti ist überzeugt, dass sich die Photovoltaik und die Wasserkraft optimal ergänzen. Ausgangs Gondo, kurz vor der italienischen Grenze, steht bereits ein Wasserkraftwerk von Alpiq.

«Wenn man viele Sonnenstunden hat, kann man diese Energie nutzen und das Wasser im Stausee zurückbehalten. Sobald die Sonne untergeht, kann mit dem angesparten Wasser Strom produziert werden», so Squaratti.

Solarzellen montiert hoch über Gondo.
Legende: Hoch über Gondo VS soll das grösste Solarkraftwerk der Schweiz entsehen. Visualisierung Gondosolar

Bereits jetzt ist klar, dass das Projekt auf grossen Widerstand stossen wird, was das Dilemma des grünen Stroms und des Umweltschutzes einmal mehr aufzeigt. Von einer «Ausbauhysterie der erneuerbaren Energien» spricht Landschaftsschützer Raimund Rodewald: «Auf unberührten Alpwiesen sind Freiflächen-Solaranlagen in dieser Grösse schlichtweg unerwünscht».

Landschaftsschutz geht auf die Barrikaden

Vielmehr solle man zuerst das Potenzial anderswo ausschöpfen. «Gerade im Sonnenkanton Wallis stelle ich fest, wie wenig Solaranlagen auf den Dächern der Tausenden von Ferienhäusern stehen», so Rodewald. Zudem könne man die Autobahnen mit Solarpanels überdecken oder die Agro-Photovoltaik vorantreiben. Tatsächlich ist im Herbst 2021 ein Versuch gestartet worden, bei dem Himbeer-Plantagen mit Solarpanels überdeckt wurden.

Auf unberührten Alpwiesen sind Solaranlagen dieser Grösse schlicht unerwünscht.
Autor: Raimund Rodewald Stiftung Landschaftsschutz

Die bislang grösste hochalpine Solaranlage steht übrigens im Glarnerland. An der Staumauer des Muttsees liefern bald fast 5000 Photovoltaik-Panels Strom für rund 700 Haushalte – im Sommer und im Winter. Bei der feierlichen Inbetriebnahme forderte Bundesrätin Simonetta Sommaruga viel mehr solche Projekte. Zu lange hätten die Schweizer Energiekonzerne vor allem im Ausland Windräder und Photovoltaik-Anlagen erstellt, so die Energieminsterin.

Zahlen und Fakten zu Gondosolar

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  • 100'000 Quadratmeter Gesamtfläche
  • 4500 Solar-Elemente
  • 42 Mio. Projektkosten
  • 23.3 Millionen kWh Jahresproduktion
  • Frühste Inbetriebnahme: 2030
  • Laufzeit: 60 Jahre

Auch der Walliser Landbesitzer Renato Jordan ist überzeugt, dass er mit Gondosolar einen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Doch wie realistisch ist sein Traum? Die Komplexität des Bewilligungsverfahrens sei noch sehr schwer abzuschätzen, meint er. Der Kanton Wallis unterstütze das Projekt grundsätzlich.

Er hoffe, dass mit der letzten Woche von Bundesrätin Sommaruga angekündigten Vereinfachung der Bewilligungsverfahren für erneuerbare Energien alles schneller gehe. «Gondosolar liegt in keinem Schutzgebiet und ist von keiner Siedlung direkt einsehbar. Da sollte man eigentlich etwas machen können.» Läuft alles nach Plan, soll die Anlage 2030 in Betrieb gehen.

Schweiz Aktuell, 7.2.2022, 19 Uhr;

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109 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, vielen Dank für die angeregte Diskussion. Wir wünschen noch einen schönen Tag. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Thomas Spielmann  (spielmann-psy)
    Da wäre es doch prüfenswert, Monstersolaranlagen ökologisch-ökonomisch sinnvoll bevorzugt nahe an die Verbraucher ranzubauen. Mein Vorschlag: eine Anlage über dem Zürichsee, so von Erlenbach nach Thalwil bis zum Bellevue. Eine richtige Win-Win-Situation: die Alpen müssten nicht verschandelt werden, Beznau könnte nachhaltig ersetzt werden und Zürich wäre ein weltweites Beispiel, wie grüne Politik nicht auf Kosten ländlicher Gegenden betrieben werden könnte.
  • Kommentar von Matt Frei  (sense against mainstream)
    Die Links-Grüne Klimapolitik geht munter weiter bar jeglicher Vernunft und physikalisch-techn. Logik. Wir und die Nachkommen bezahlen dafür mit unserem Wohlstand und unserer schönen Schweizer Naturlandschaft - an einen effektiven Nutzen glaube ich hier nicht. Meines Erachtens der falsche Weg das Problem zu lösen.
    BR Sommaruga und Leuthard ist eine völlig verfehlte und realitätsferne Energiepolitik zu verdanken aus rein ideologischen Gründen, die unser Land immer mehr in die Energiekrise führt.