Zum Inhalt springen

Header

Audio
Pflegeheime: Fast alle wollen sich impfen
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 06.01.2021.
abspielen. Laufzeit 23:19 Minuten.
Inhalt

Sorge vor Ansteckung Corona-Pandemie weckt Ängste vor Eintritt ins Altersheim

Die Schweizer Alters- und Pflegeheime werden schwer von Corona getroffen – ältere Menschen zögern, in Heime einzutreten.

Die Anzahl freie Zimmer und Wohnungen von Alters- und Pflegeheimen sei immer schwankend, sagt Markus Leser, der den Bereich Menschen im Alter beim Heimverband Curaviva leitet. Während der Corona-Pandemie habe es Situationen gegeben, in denen die Auslastung etwas tiefer gewesen sei als normalerweise – auch aufgrund Todesfällen. «Aber es hängt sehr davon ab, um welche Region es geht, wie stark die Nachfrage ist und wie schnell leere Betten wieder in Anspruch genommen werden müssen.»

Während der ersten Welle im Frühjahr sei die Auslastung in Schweizer Alters- und Pflegeheimen um drei Prozent zurückgegangen. Im Sommer sei diese dann wieder gestiegen. Dass die Nachfrage etwas zurückgegangen ist, bestätigen auch die Altersheimbetreiber selber.

Angst vor einer Ansteckung im Altersheim

Tertianum gehört zu den grössten Anbietern im Wohnbereich für alte Menschen. Die Medienstelle schreibt auf Anfrage: «Die leichte Abnahme der Belegung korreliert mit beiden Covid-Wellen. Wobei die zweite Welle den Markt viel stärker getroffen hat als die erste.»

Rollstühle in Altersheim
Legende: Wegen Corona sterben im Moment mehr Menschen als normalerweise. Vor allem ältere Menschen über 65 Jahre sind von der Übersterblichkeit betroffen. Ein Grossteil der Covid-19-Opfer stirbt hierzulande in Alters- und Pflegeheimen. Keystone

Auch Domicil Bern sagt, dass die Auslastung 2020 etwa zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau läge. Die Gründe seien die Todesfälle, vor allem während der zweiten Welle – und die Zurückhaltung der Neu-Eintritte. Das bestätigt auch Markus Leser von Curaviva. Viele Leute würden sich den Eintritt in das Alters- und Pflegeheim sowieso gut überlegen.

Bei Corona kämen noch weitere Zweifel hinzu, so Leser: «Die Angst vor einer Ansteckung kann ein Grund sein. Auch die Diskussion um Besuchsverbote in der ersten Welle, die es, Gott sei Dank, nicht mehr flächendeckend gibt, hat Menschen beeinflusst, vorsichtiger zu sein.»

Mühe, die Betten wiederzubelegen

Auch im grössten Pflegezentrum in Aargau, dem Reusspark in Niederwil, seien im letzten Jahr mehr Menschen verstorben als in anderen Jahren. Das sagt Tobias Breitschmid, stellvertretender Direktor des Pflegeheims. Es sei schwierig gewesen, die frei gewordenen Betten wiederzubelegen. Auch, weil die Zimmer und Wohnbereiche unter Isolationsbedingungen nicht begehbar waren. «Wir konnten diese Bereiche den Angehörigen deswegen nicht zeigen. Das war ein Erschwernis für uns.»

Beim Reusspark will man nun neue Wege gehen – und neuen potenziellen Bewohnerinnen und Bewohnern die Zimmer per Video präsentieren.

Echo der Zeit, 06.01.2020, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

19 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alex Hanselmann  (kinkiri)
    Es scheint gehäuft Todesfälle in Heimen für Demenzpatienten zu geben. Nach einer britischen Studie ist Demenz der grösste Risikofaktor (in NI 34% der Covid-19 Todesfälle). Im Aargau gibt es in Reinach ein Demenzheim, Im Baselbiet ein solches in Aesch. Diese Gemeinden haben 2020 viel mehr Todesanzeigen (mehr als in Niederwil). In Reinach wie auch Aesch verstarben November und Dezember massiv mehr Menschen als im Vorjahr (Reinach AG 11 statt 6; Aesch BL 28 statt 16, in Niederwil 3 statt 0).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Emmy Müller  (Emmü)
    Wenn man, wie ich, beruflich bedingt 50 Jahre allein gelebt hat, ist es sehr schwierig, nachher in einer Gruppe zu leben...wichtig wären nach meiner Ansicht flexible Lösungen...Alterswohnung ( 50-60 qm) mit eigener Küche etc. Aber so eingerichtet, dass Pflege möglich ist, auch mit der Möglichkeit in einer angeschlossenen Gastronomie „auswärts“ Essenz können. So zentral, dass Ärzte und Pflege gut erreichbar sind....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Vom Pflegenotstand zu leeren und finanziell ziemlich kalten Betten, in Nullkommanichts! COVID19 wird in diesem Bereich tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Die einfache Sicht auf immer mehr pflegebedürftige Menschen aufgrund des grösseren Demographieanteils der 80+ Jährigen, wird einer differenzierteren Sicht weichen. Viele ältere Menschen haben für sich selber beschlossen, den letzten Gang ohne das Pflegebett zu organisieren! Die Pflegeindustrie hats nur noch nicht gemerkt!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen