Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Soziales Projekt Neuer Treffpunkt für Randständige eröffnet in Olten

Hinter dem «City-Träff Olten» steht Ivan Lanz, der früher selbst am Rand der Gesellschaft lebte.

Noch ist der ehemalige Lagerraum in der Nähe des Oltner Bahnhofs Hammer fast leer. Die Räume sind dunkel und noch nicht wirklich eingerichtet. «Es muss nicht hübsch sein, sondern praktisch», schmunzelt Ivo Lanz. Schön sei es nicht gerade. Dennoch spricht Lanz liebevoll vom «Bijou», wenn es um den künftigen Treffpunkt für Randständige im solothurnischen Olten geht.

Teilweise geöffnete violette Tür mit Blick auf gefliesten Flur.
Legende: Die Türen zum «City-Träff» sind ab März geöffnet. Zwei Räume stehen den Gästen zur Verfügung. SRF/Christoph Studer

Ivo Lanz ist Präsident des Vereins City-Träff Olten, der das Projekt lanciert und vorangetrieben hat. Die Idee entstand vor rund zwei Jahren. Damals war Lanz bei einem Austausch zwischen der Stadt und den Randständigen mit dabei.

Stadt Olten unterstützt «City-Träff»

Box aufklappen Box zuklappen

Die Idee des «City-Träff» stiess anfangs auf viel Widerstand. Zehn Einsprachen gingen gegen das Projekt ein.

Lange war unklar, ob und wie das Projekt weitergeführt wird. Die Baukommission der Stadt Olten wies jedoch alle Einsprachen ab und gab damit grünes Licht für den Treffpunkt.

Die Räume im Industriegebäude neben dem Bahnhof Olten Hammer gehören der Stadt und werden für das Projekt gratis zur Verfügung gestellt. Ausserdem beteiligt sich Olten mit maximal 26'000 Franken an den Investitionskosten.

Schnell war klar: Der Wunsch nach einem Ort, an dem die Betroffenen einfach sein dürfen und akzeptiert werden, ist gross. Jetzt steht die Eröffnung des «City-Träff» Anfang März kurz bevor.

Weg vom Kirchensockel

Heute treffen sich viele der Randständigen aus Olten rund um den Kirchensockel. Inmitten der Stadt. Zwischen Einkaufsläden und Stadtkirche sind sie fast täglich anzutreffen. Sie sitzen, diskutieren, trinken Bier, rauchen und konsumieren teilweise auch härtere Drogen. Auch wenn Gewalt und Polizeieinsätze selten ein Thema sind, ist die Szene besonders den Gewerbetreibenden ein Dorn im Auge.

Kirche auf einem sonnigen Platz mit Bäumen und Passanten.
Legende: Die Treppen vor der Oltner Stadtkirche sind ein beliebter Treffpunkt bei den Randständigen aus der Region. SRF

Dass sich Ivo Lanz für diese Szene einsetzt, kommt nicht von ungefähr. Ab den 80er-Jahren war auch er Teil dieser Szene. Damals lebte der 51-Jährige am Rand der Gesellschaft und kämpfte mit seiner Drogensucht. Bei der Stadtkirche in Olten traf er Menschen, die ihn so nahmen, wie er ist.

Lanz schaffte es zurück in die Gesellschaft

Seit rund 15 Jahren geht es für Ivo Lanz wieder bergauf. Er ist clean, hat einen geregelten Job und steht wieder mit beiden Beinen im Leben. Den Kontakt zu den Menschen aus jener Zeit hat er jedoch nicht verloren. Viele kennt er seit Jahren und teils sogar seit Jahrzehnten.

Drei Personen lächeln vor einem Gebäude.
Legende: Vorstandsmitglieder des Vereins City Träff Olten: (v.l.) Silvia Hostettler, Ivan Lanz, Michel Theiss. SRF/Christoph studer

Jetzt will Lanz als Präsident des Vereins City Treff Olten die Szene unterstützen. «Ich habe gute Leute im Rücken, und da haben wir uns gesagt: Komm, wir nehmen das in Angriff.» Es gehe darum, eine Alternative zu schaffen zum bisherigen Stammplatz rund um die Kirche.

Viele sind nicht gerne da. Sie möchten sich nicht zur Schau stellen.
Autor: Ivan Lanz Präsident «City-Träff»

Doch die Räume beim Bahnhof Olten Hammer sind längst nicht so zentral wie die Stadtkirche. Dennoch glaubt Lanz, dass die Leute den Weg auf sich nehmen werden: «Viele sind nicht gerne bei der Stadtkirche. Sie möchten sich nicht zur Schau stellen.» Darum ist Lanz positiv eingestellt.

Der zuständige Oltner Stadtrat Raphael Schär hofft ebenfalls, dass der Raum genutzt und akzeptiert wird. «Wir geben den Leuten die Chance auf einen eigenen Raum, den sie mitgestalten können», so Schär. «Ich habe zudem grosses Vertrauen in Ivan Lanz – auch, weil er die Menschen kennt und von ihnen respektiert wird.»

Strenge Hausordnung für Treffpunkt

Der Treffpunkt ist von Montag bis Freitag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Vorstandsmitglied ist jeweils anwesend und schaut zum Rechten – ehrenamtlich. «Wir haben eine strenge Hausordnung», betont Ivo Lanz. Weder harte Drogen noch harter Alkohol seien erlaubt, Gewalt werde nicht toleriert. «Wer sich nicht daran hält, muss gehen.»

Auch die Suchthilfe Ost will regelmässig vorbeigehen und sich mit den Gästen des «City-Träff» austauschen. Ivan Lanz und sein Team möchten regelmässig Anlässe oder spezielle Nachmittage organisieren. «Viele dieser Menschen haben ein grosses Potenzial. Wir möchten ihnen Anreize geben, etwas aus ihrem Leben zu machen.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 23.2.2026, 17.30 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel