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Tag 1 der Zertifikats-Pflicht
Aus Tagesschau vom 13.09.2021.
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Start der Zertifikatspflicht Liberale Ökonomin stützt Bund: «Freiheit ist nie schrankenlos»

Dank des Zertifikats können wieder mehr Freiheitsrechte ausgeübt werden. Daher ist es sinnvoll und zulässig, beim Kino- oder Restaurantbesuch auf die 3G zu setzen. Dies sagte jüngst die liberale Ökonomin und Publizistin Karen Horn im Gespräch mit Radio SRF. Nun erklärt sie, weshalb Freiheit nicht mit einem Leben ohne Regeln gleichzusetzen ist.

Karen Horn

Karen Horn

Liberale Ökonomin und Publizistin

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Karen Horn wurde 1966 in Genf geboren. An der Universität Lausanne wurde sie 1995 mit einer finanzwissenschaftlich-politökonomischen Dissertation promoviert. Heute lebt sie als freie Wissenschaftlerin und Publizistin in Zürich. Sie ist Honorarprofessorin an der Universität Erfurt, wo sie ökonomische Ideengeschichte und Wirtschaftsjournalismus lehrt.

SRF News: Mit Ihnen spricht sich eine liberale Ökonomin für die Zertifikatspflicht – und damit für eine Freiheitsbeschränkung – aus. Wie kommt es dazu?

Karen Horn: Liberal zu argumentieren, heisst nicht, nur auf die Wirtschaft zu schauen. Und: Freiheit bedeutet nicht, dass man alles darf. Meine Freiheit endet da, wo jene des anderen anfängt. Und mein Handeln darf niemandem schaden.

Freiheit bedeutet nicht, dass man alles darf.

Daher sichert das Recht unsere Freiheit nicht nur, sondern schränkt sie auch durch allgemeine Regeln und Pflichten ein. Das ist essenziell, damit das Gemeinwesen funktioniert.

So mancher Ungeimpfte empfindet diesen staatlichen Eingriff als indirekten Impfzwang. Was entgegnen Sie?

Von Impfzwang zu reden, ist polemisch. Niemand rammt Ihnen gegen Ihren Willen gewaltsam die Spritze in den Arm.

Die Menschen haben immer noch die Wahl.

Und noch nicht einmal eine Impfpflicht gibt es. Die Menschen haben immer noch die Wahl: Wer sich nicht impfen lässt, kann sich einem Test unterziehen.  

Ab dem 1. Oktober allerdings nicht mehr gratis. Da wird schon ein gewisser Druck auf Ungeimpfte ausgeübt.

Das ist unangenehm, gewiss, aber Tests kosten nun mal. Warum sollte die Gemeinschaft etwas subventionieren, das wohl im jetzigen Stadium der Pandemiebekämpfung ineffizient ist, sofern es die Menschen vom Impfen abhält? Und warum soll eine Mehrheit eine Minderheit unterstützen, die sie daran hindert, wieder näher an ein normales Leben heranzukommen?

Sie sagen also, unter gewissen Umständen ist es legitim, die Freiheit zu beschränken. Wie funktioniert diese Güterabwägung?

Freiheit ist nie schrankenlos. Und die Schranken dürfen eben nicht willkürlich sein. Der Staat muss vor allem auf zwei Gesichtspunkte achten: darauf, dass seine Massnahmen geeignet sind, ihr Ziel zu erreichen und darauf, dass er den Bürgern immer die Wahl und eine Möglichkeit lässt, sich anzupassen.

Nun, wo alle Zugang zu den Impfstoffen haben, setzt man mit Gratistests unabsichtlich Anreize gegen die Impfung.

Solange der Staat noch nicht in der Lage war, für alle eine Impfung anzubieten, war die Strategie der Gratistests sinnvoll und effizient – ohne sie hätte sich das Infektionsgeschehen gar nicht kontrollieren lassen. Aber nun, wo alle Zugang zu den Impfstoffen haben, setzt man mit Gratistests unabsichtlich Anreize gegen die Impfung – und dieser Nebeneffekt ist ineffizient. Ich bin sicher: Die Zertifikatspflicht, verbunden mit dem Ende der Gratistests, wird die Pandemiebekämpfung voranbringen. Das sehen wir in Frankreich: Dort war der Schub für die Impfungen durch den «pass sanitaire» enorm.

Bleiben wir beim Ausland: In Italien gilt für Fernverkehrszüge die Zertifikatspflicht. Würden Sie in der Schweiz die 3G-Regel für den öffentlichen Verkehr ebenfalls begrüssen?

Natürlich. Im Zugverkehr sind Menschen dicht beieinander, da ist die Ansteckungsgefahr gross. Aber dank der 3G-Regel kann ich Zug fahren, ohne Angst haben zu müssen, mich selber oder jemand anderes anzustecken. Das ist doch ein starkes Argument. Wichtig ist allerdings: Sollte das Zertifikat tatsächlich auf den öV ausgeweitet werden, müsste der Staat der Bevölkerung dafür genügend Vorlaufzeit geben, damit sie sich anpassen kann: Ungeimpfte, die sich nicht länger testen wollen, müssten bis zur Einführung noch genug Zeit haben, sich impfen lassen zu können.

Das Gespräch führte Evelyne Fischer.

Tagesschau, 13.09.2021, 12:45 Uhr;

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169 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Liebes SRF: Befragen Sie einmal eine Ökonomin der Chinesischen Volksregierung. Hier bekommen sie sicherlich noch ganz andere Definitionen von Freiheit.
    Mein Vorkommentierer RSch beschreibt es perfekt. Denn vor kurzem konnten wir unser Haus jederzeit betreten oder verlassen. Wer garantiert dass dieses bisher unangefochtene Grundrecht der pers. Bewegungsfreiheit nicht auch bald nur noch unter gewissen Bedingungen wargenommen werden kann?
  • Kommentar von Andreas Benz  (ABE)
    Dieses Interview ist wohl eine versteckte Werbung für die Zertifikatspflicht im ÖV - und damit im gesamten Bereich der Grundbedürfnisse und -versorgung. Die Fakten werden verdreht und der Inhalt ist nicht stimmig. Die Regeln sind einfach: Es gibt einen gewissen Selbstschutz vor Corona namens Impfung. Es wird also niemand daran gehindert diesen Schutz sich zu eigen zu machen. Und diejenigen die es nicht wollen sind selbst für ihr Risiko verantwortlich, notfalls zu sterben. So war es schon immer.
  • Kommentar von René Svhönauer  (RSch)
    Was vor 2019 Allgemeingut bzw. als allgemein akzeptierte Gebräuche galt kann doch nicht als "Freiheit" deklariert werden, nur weil es gerado so ins Konzept passt. In die gleiche Ecke passt die Aussage, man habe "die Wahl". Obwohl man gar keine hat: Wie soll ein durchschnitliches Einkommen die aufgezwungenen Kosten decken? Kosten, die etwas ermöglichen sollen, was "normales" Leben bedeutete.