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Nationalbankpräsident in der Höhle des Löwen
Aus Rendez-vous vom 01.11.2019.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
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Stiftungsräte in Sorge Thomas Jordan verteidigt Negativzinsen

Die tiefen Zinsen machen den Pensionskassen das Leben schwer. Sie geben der Nationalbank die Schuld. Deren Präsident wehrt sich.

Die tiefen Zinsen machen den Pensionskassen das Leben schwer: Es ist fast unmöglich, am Kapitalmarkt Geld so anzulegen, dass es genügend Rendite abwirft. Horten sie hingegen zu viel Geld, zahlen sie Negativzinsen.

Das geht letztlich zulasten der Versicherten. Gewerkschaften und Banken sagen, schuld sei die Schweizerische Nationalbank. Deren Präsident Thomas Jordan hat sich am Donnerstag sozusagen in die Höhle des Löwen begeben und vor Arbeitnehmervertretern der Pensionskassen Stellung genommen.

Kein Ende in Sicht bei den Negativzinsen

Er wählte deutliche Worte. Die ungewöhnlichen Zeiten mit Negativzinsen seien die neue Realität: «Wir sind uns bewusst, wie kritisch die Lage für die Pensionskassen wegen der anhaltend tiefen Zinsen ist. Gleichzeitig können wir Ihnen keinen Zeitpunkt nennen, ab wann die Negativzinsen nicht mehr nötig sein werden.» Denn würde die Nationalbank den Negativzins aufheben, würde das den Franken stärken. Und das wiederum wäre schlecht für die Wirtschaft, die Aktienkurse und damit schlecht für die Vorsorgesysteme.

Jorge Serra
Legende: Jorge Serra: «Wir müssen dauernd die Umwandlungssätze senken.» Das sei absurd. Keystone

Ein Teufelskreis – finden viele Arbeitnehmervertreter der Pensionskassen. Jorge Serra ist als Arbeitnehmer-Stiftungsrat in verschiedenen grossen Pensionskassen, darunter Publica, der Pensionskasse des Bundes.

Rentenverlust führt zu Vertrauensverlust

Serra sagt, das sei problematisch: «Wir müssen dauernd die Umwandlungssätze senken, den technischen Zinssatz, und den Versicherten immer wieder mitteilen, die Leistung geht jetzt wieder runter, es muss wieder ein Schnitt gemacht werden.» Das zeige die Absurdität der Situation.

Sinkende Renten seien das eine, sagt Irene Willi, Stiftungsrätin der Pensionskasse BVK. Sie vertritt dort etwa 20'000 Lehrerinnen und Lehrer des Kantons Zürich. Das andere sei der politische und gesellschaftliche Zündstoff, der damit einhergehe: «Das führt zum Vertrauensverlust in die zweite Säule, in unser Vorsorgesystem. Das ist für mich im Moment das grösste Problem.»

In einer aussergewöhnlichen Zeit braucht es auch aussergewöhnliche Massnahmen.
Autor: Irene WilliStiftungsrätin BVK

Jordan betonte zwar die Wichtigkeit der Vorsorgewerke und des Vertrauens in diese. Denn Vertrauen sei volkswirtschaftlich bedeutsam. Doch zuständig für die Vorsorgewerke sei die Nationalbank nicht. Wie also weiter? «In einer aussergewöhnlichen Zeit braucht es auch aussergewöhnliche Massnahmen», sagt Willi. Diese könnten sein, dass die Nationalbank allfällige Gewinne nicht an die Kantone ausschütte, sondern an die Vorsorgewerke. Oder dass die Erträge aus den Negativzinsen den Vorsorgewerken zugutekommen.

Jordan warnt vor Kursschwankungen

Doch Jordan erteilte den Ideen in der Podiumsdiskussion mit dem Präsidenten des Gewerkschaftsbund Pierre-Yves Maillard eine Abfuhr – und warnt: «Was die Gewinnausschüttung und -höhe angeht, muss ich sagen: Vorsicht! Wir sind extremen Schwankungen unterworfen.» Die SNB habe eine grosse Bilanz mit hohen Wechsel-, Obligations- und Aktienkursrisiken. «Wir haben vielleicht jetzt einen hohen Gewinn, der kann aber über Nacht wieder wegschmelzen.»

Die möglichen Stellschrauben für die Vorsorgewerke sieht Jordan bei den Einnahmen, sprich, bei höheren Beiträgen. Oder bei den Ausgaben, also tieferen Renten. Damit liegt der Ball wieder bei den Pensionskassen.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Orlando Pelosin  (Orlando Pelosin)
    Die jetzigen Pensionskassen sind ein Schnellballsystem, das uns in wenigen Jahrzehnten um den Kopf fliegen wird, weil unbezahlbar. Die Grunde sind: die niedrigen Zinsen und wenn das Alterskapital aufgebraucht ist, wird die Rente munter weiter bezahlt. Irgend wann sind die Kassen leer, weil eine Erhöhung des Rentenalters vor dem Souverän kein Chance hat. .
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  • Kommentar von S. Rüegsegger  (SeRu)
    Wie wär’s, wenn die SNB die Negativzinsen aufheben und den Gewinn durch den erstarkten Franken in Gold und die AHV/IV investieren würde? Der Kurs könnte sich so einpendeln und die Finanzen von Pensionskassen und AHV/IV könnten so auch ausgeglichen werden. Nur so als Idee...
    Klar, die Hochfinanz Elite hätte dann kaum Freude, aber kratzt mich das?
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  • Kommentar von Felix Bosshardt  (fbosshardt)
    Soso, keine Negativzinsen würden den Franken stärken und das wäre also schlecht für die Wirtschaft. Da sagt Herr Jordan nur die halbe Wahrheit. Importe würden billiger mit einem starken Franken und wer ausser dem Markt soll bestimmen, was zu tief oder zu hoch ist? Ich denke die Politik muss aktiv werden und Negativzinsen schlicht und einfach verbieten.
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    1. Antwort von M. Kaiser  (Klarsicht)
      Zu ihrem Komm.:Solange eine Demokratische Regierung zulässt,dass NULL-ZINS für versteuertes Spargeld des Büezers, als Rechtsgültig angesehen wird, zweifle ich an dieser Demokratie ! Das hat mit der SNB , die anscheinend rechtsfreien Raum besitzt bezüglich Zinsfragen, leider auch viel zu tun. Es stellt sich somit die berechtigte Frage, regiert die SNB in allen Zinsfragen und somit Vermögensbildung oder der vom Volk Gewählte Souverän ? Darauf erwarte ich Antworten von den Rechtswissenschaftlern .
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