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Stimmrechtsalter 16: So denken die Jungen
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 07.09.2021.
abspielen. Laufzeit 07:06 Minuten.
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Stimmrechtsalter 16 Wollen die Jungen überhaupt schon vor 18 Jahren an die Urne?

Der Kanton Bern erwägt Stimmrechtsalter 16. Ein Besuch in einer Berufsschule zeigt: Viele trauen sich das gar nicht zu.

Im Kanton Bern ist das Stimmrechtsalter 16 wieder ein Thema – nachdem es 2009 an der Urne wuchtig verworfen wurde. Auch andernorts steht es immer wieder zur Diskussion. Im Kanton Uri entscheidet das Stimmvolk am 26. September. Doch was sagen die, welche es direkt betreffen würde?

10:15 Uhr an einer Berufsschule in der Stadt Bern: Die Architektur-Zeichnerinnen und Zeichner sind im ersten Lehrjahr. Sie sind 15, 16 oder 17 Jahre alt. Der Staatskundeunterricht, wo es ums Wählen und Abstimmen geht, kommt gemäss Lehrplan erst im zweiten Lehrjahr an die Reihe. Eine erste kurze Umfrage zeigt: Politik spielt im Leben dieser Jugendlichen noch keine wichtige Rolle.

Bei der Frage, ob sie denn schon mit 16 Jahren abstimmen und wählen möchten, werden viele unsicher. Eine Schülerin sagt: «Ich wäre grundsätzlich schon dafür. Ich persönlich würde es mir aber nicht zutrauen. Ich kenne mich zu wenig aus.» Man habe mit 16 Jahren noch zu wenig Lebenserfahrung für solch wichtige Fragen, ergänzt ein Mitschüler.

Ich würde es mir nicht zutrauen. Ich kenne mich zu wenig aus.
Autor: Berufsschülerin Architekturzeichnerin

Eine andere Schülerin sagt, sie sei zwiegespalten: «Es wäre eigentlich gut, dass 16-Jährige mitreden, denn es geht ja um deren Zukunft. Gleichzeitig hätte ich selber keine Ahnung, was ich stimmen soll.»

Viele Schülerinnen und Schüler befürchten, dass sich 16-Jährige noch nicht wirklich eine eigene Meinung bilden können. «In diesem Alter wird man noch zu stark von den Eltern oder von Socialmedia beeinflusst», sagt einer. Das könne aber auch noch mit 18 Jahren der Fall sein, kontert ein Mitschüler.

Stimmrechtsalter 16

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In den letzten Jahren ist die Einführung von Stimmrechtsalter 16 in zahlreichen Kantonen ein Thema gewesen. In der Schweiz kennt bisher aber erst der Kanton Glarus Stimmrechtsalter 16. Im Kanton Uri entscheidet das Stimmvolk am 26. September.

Im Kanton Bern hat sich das Parlament in der ersten Lesung für das Stimmrechtsalter 16 ausgesprochen. 2009 wurde das Anliegen im Kanton Bern an der Urne noch wuchtig verworfen.

In allen Kantonen geht es darum, dass 16- und 17-Jährige wählen und abstimmen können. Selbst gewählt werden kann man weiterhin erst ab 18 Jahren.

Mit der Zeit wird klar, dass sich viele der Schülerinnen und Schüler grundsätzlich gerne am politischen Prozess beteiligen und gerne mitreden würden. Es gibt durchaus politische Fragen, die sie beschäftigen: Warum kaufen wir Kampfjets? Was muss man gegen die Klimaerwärmung machen? Was passiert mit den Menschen in Afghanistan?

Viele fühlen sich aber nicht sattelfest. «In der obligatorischen Schule haben wir die politischen Prozesse gar nicht richtig behandelt», sagt eine Schülerin.

In dieser Klasse sind sie zwar in der Unterzahl, aber es gibt durchaus auch solche, die finden, man müsse das Stimmrechtsalter unbedingt auf 16 senken: «Schlussendlich betrifft es ja uns – und wenn nur die alten mitreden, ist das schlecht.»

SRF 1, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 07.09.2021, 17.30 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Solange die Schule dem staatsbürgerlichen Unterricht einen so niedrigen Stellenwert beimisst wie bis heute, kann nicht erwartet werden, dass Schüler:innen ohne Berufserfahrung kompetent politisch mitreden können. Zudem kann man erst mit zunehmendem Alter schleichende, erst langfristig erkennbare negative Entwicklungen der Wirtschaft und Gesellschaft angemessen beurteilen. Das wissen viele Junge selbst. Ein weiterer Grund für die tiefe Stimmbeteiligung der Jungen.
  • Kommentar von Hans-Ruedi Moser  (moserha)
    Es wäre ja schön wann sie schon mit 18 an die Politik interessieren.
    Das ist die Aufgabe der vorherigen Generationien.
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Grundsätzlich bin ich für eine "Vorwärtspolitik", nicht so für eine Abbrems- und Obstruktionspolitik, wie sie grosse Teile der SVP betreibt - bzw. auch oft die Innerschweizerkantone. Aber hier bin ich dafür, bei 18 Jahren zu bleiben. Denn: In den Oberstufenjahren müssen die Jugendlichen sehr viel bewältigen: Schulstoff, Anbahnung des beruflichen Weges, Pubertät verkraften. Dann obendrauf noch gleich das Stimmrecht? Alles aufs Mal?! Besser eine Staffelung - also erst mit 18 das Stimmrecht.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ueli von Känel: Stimmrechtsalter 18 ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Man sollte heute als Jugendlicher froh sein, wenn man noch Kind sein darf und nicht alles nach vorne geschoben wird. Mit der steigenden Lebenserwartung ist man ja sowieso immer länger erwachsen.