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Knapper Corona-Impfstoff: Die zweite Impfdosis verschieben?
Aus News Plus vom 04.01.2021.
abspielen. Laufzeit 17:16 Minuten.
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Strategie in Grossbritannien Bringt nur eine Corona-Impfdosis überhaupt etwas, Frau Doktor?

Vielerorts haben die Impfkampagnen begonnen, der Impfstoff ist aber knapp. Denn pro Person braucht es im Fall des ersten zugelassenen Stoffes von Pfizer/Biontech zwei Impfdosen im Abstand von drei Wochen. Grossbritannien will deshalb zunächst möglichst vielen Leuten die erste Dosis spritzen und erst nach drei Monaten eine zweite. Anita Niederer-Loher, Infektiologin und Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), erklärt den Ablauf.

Anita Niederer-Loher

Anita Niederer-Loher

Ärztin

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Anita Niederer-Loher ist Kinderärztin und Fachärztin für Infektionskrankheiten am Ostschweizer Kinderspital und am Kantonsspital St. Gallen. Sie ist zudem Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).

SRF News: Wieso braucht es manchmal mehr als eine Impfdosis?

Anita Niederer-Loher: Weil eine Impfung wie eine Bekanntmachung des Immunsystems mit dem Krankheitserreger ist. In den Impfungen sind kleine Mengen von Anteilen dieser Krankheitserreger drin. Man muss diese dem Immunsystem zuerst einmal zeigen und es danach noch einmal daran erinnern, damit es einen guten Schutz aufbauen und eine Immunantwort machen kann. So funktioniert das gut und dauert nachher auch an.

Was man auch gesehen hat, ist, dass schon nach einer Dosis ein gewisser Schutz besteht.

Es gibt aber auch Impfstoffe, die man nur einmal verabreicht.

Ja. Das sind aber Ausnahmen. Denn es kommt immer darauf an, was im Impfstoff drin ist. Wenn ein kompletter Erreger drin ist, der noch lebt, kann man sich vorstellen, dass das Immunsystem besser auf ihn reagieren kann und es weniger Erinnerungen braucht, weil ihm die Gesamtheit des Krankheitserregers quasi direkt vorgestellt wird. Wenn ihm nur ein kleiner Teil davon gezeigt wird, braucht es einfach ein bisschen mehr; mehr Erinnerung, mehr Menge, damit das Immunsystem sich das dann wirklich gut kann.

Vom ersten zugelassenen Corona-Impfstoff soll man nach drei Wochen die zweite Dosis verabreichen. Grossbritannien macht jetzt zwölf Wochen daraus. Kann man schon sagen, wie sich das auswirkt?

Das kann man so noch nicht sagen. Die Studien mit dem Corona-Impfstoff sind mit zwei Dosen gemacht worden. Man weiss also, dass der Schutz nach diesen zwei Dosen sehr gut ist. Was man auch gesehen hat, ist, dass schon nach einer Dosis ein gewisser Schutz besteht. Wie gut der ist und wie lange er anhält, wird man es erst wissen, wenn man die Dosen so angewendet hat.

Man kann also noch gar nicht wissen, ob es schlauer ist, möglichst viele Menschen einmal zu impfen oder nur ein Teil der Bevölkerung zweimal?

Ich würde mir nicht zutrauen, eine Beurteilung zu machen, was jetzt besser ist oder was schlechter. Es ist auf jeden Fall so, dass es gemäss den Studien gut ist, wenn man zwei Dosen gibt. Ob man diese mit längerem Abstand verabreichen soll, kann man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten.

Wenn der Abstand länger ist als vorgesehen, muss man deshalb nicht wieder von vorne anfangen.

Besteht bei Impfungen die Gefahr, dass der Impfschutz verfällt, wenn man zu lange zuwartet? Gibt es Erfahrungswerte von anderen Impfungen?

Bei anderen Impfungen weiss man, dass sich ein Immunsystem, wenn man ihm den Erreger mal gezeigt hat, daran erinnert, auch später noch. Das heisst, wenn der Abstand länger ist als vorgesehen, muss man deshalb nicht wieder von vorne anfangen und ihn dem Immunsystem nochmals neu zeigen. Es muss nicht von vorne begonnen werden. Das weiss man von anderen Impfungen. Aber ob das beim Coronavirus auch so ist, weiss man noch nicht.

Das heisst, was bei der Mumps-, Masern- und Röteln-Impfung der Fall ist, muss bei der Coronaimpfung nicht auch Gültigkeit haben?

Genau, denn es sind immer unterschiedliche Technologien, unterschiedliche Krankheitserreger, mit denen man umgehen muss und gegen die man sich schützen möchte. Und deshalb muss man diese Schemata eben auch immer wieder individuell festlegen und schauen, wie was funktioniert.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

SRF 4 News, 04.01.2021, 16:15 Uhr;

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Keller  (¯\_(ツ)_/¯ ____)
    In einer Hungersnot werden Lebensmittel auch so rationiert, dass alle überleben, und nicht dass 50% verhungern und 50% täglich 2000 kcal bekommen. Insbesondere wenn die Aussicht auf baldigen Nachschub von Lebensmittel planbar ist.
    Ich denke eine Verdoppelung des Zeitraumes zwischen der 1. und 2. Impfung (also von 3 auf 6, bzw. von 4 auf 8 Wochen) wäre ein nützlicher Kompromiss. Natürlich nur solange, bis die Risikogruppen geimpft sind. Danach kann man sich Zeit lassen.
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  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Also weiss ich jetzt wenigstens sicher, dass man sicher nichts weiss.
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  • Kommentar von Werner Ammann  (W.A.)
    Es wird hier in den Kommentaren immer nur von der Impfung gesprochen, dabei gibt es mindestens 2 total verschiedene Impfungen, mRNA-Impfstoff (Biontec und Moderna) und 'Traditioneller' Impfstoff (Astrazeneca/Universität Oxford) und noch weitere aus Russland und China.
    Wir hier in der Schweiz werden mindestens die ersten 3 zur Verfügung haben und jede wir vor und Nachteile haben. Für Leute die die etwaigen Spätfolgen befürchten ist vielleicht eine Traditionelle Impfung am besten.
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