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Äusserst erfolgreiche Impfaktion in Israel
Aus Tagesschau vom 01.01.2021.
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Coronakrise Wie Israel zum «Corona-Impfweltmeister» wurde

Kein Land impft so schnell wie Israel. Schon fast einer Million Menschen wurde das Vakzin gespritzt. Wie ist das möglich?

Schon seit dem 19. Dezember läuft in Israel eine massive Impfkampagne. Auf anfängliche Skepsis vieler gegen die Impfung folgte ein enormer Ansturm auf die Impfstationen.

Weisses Zelt auf einem Platz.
Legende: Auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv steht ein riesiges weisses Zelt. Im Minutentakt können dort Bürger gegen das Coronavirus geimpft werden. Reuters

In keinem anderen Land wird nach Informationen von Oxford-Forschern so schnell gegen Corona geimpft wie in Israel. Eine Grafik auf der Website «Our World in Data» vergleicht verschiedene Staaten nach der Zahl der verabreichten Dosen pro 100 Einwohner. Dort hat Israel mit 9.18 Dosen je 100 Einwohner (Stand 30. Dezember) klar die Nase vorn – wenn auch nicht in absoluten Zahlen, denn da führen die USA, China und Grossbritannien. Wie schafft das kleine Land Israel ein so rasantes Tempo?

Netanjahu macht Druck

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Israel bereits zum «Corona-Impfweltmeister» erklärt. Sehr früh hatte er den Wettlauf um den Corona-Impfstoff zur Chefsache erklärt. Immer wieder telefonierte Netanjahu etwa mit Pfizer-Chef Albert Bourla, um Millionen von Impfdosen für sein Land zu sichern. Als der 71-Jährige sich als Erster mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff impfen liess, sagte er, Bourla sei inzwischen «ein persönlicher Freund von mir und ein Riesenfreund des Staates Israel». Der Regierungschef hatte früher auch gesagt, Bourla sei sehr stolz auf seine jüdisch-griechische Abstammung.

Nach Angaben Netanjahus hat Israel mit Pfizer die Lieferung von acht Millionen Impfdosen und mit Moderna von sechs Millionen Impfdosen vereinbart. Modernas Medizinvorstand Dr. Tal Zaks ist Israeli, er hat in der Wüstenstadt Beerscheva studiert.

Millionen Impfdosen sind nach Medienberichten schon im Land – die genaue Zahl wird geheim gehalten. Als die ersten Impfdosen von Biontech-Pfizer am 9. Dezember in Israel landeten, nahm Netanjahu sie persönlich am Flughafen in Empfang.

Mehrere Gründe

Professor Arnon Afek, Vize-Direktor des Schiba-Krankenhauses bei Tel Aviv, sieht verschiedene Gründe für den besonders erfolgreichen Ablauf der Impfkampagne in Israel.

  • Ein sehr starkes öffentliches Gesundheitssystem mit Krankenversicherung für alle Bürger. Das Modell basiere auf dem deutschen System, mit Krankenkassen und Krankenhäusern, sagt Afek.
  • Ausserdem sei Israel ein hochtechnologisches Land mit weltweit führender medizinischer Ausrüstung und ausgezeichneten Lagerungsmöglichkeiten für den Corona-Impfstoff.
  • Zudem reagierten die Israeli schnell und effektiv auf Krisensituationen, hebt der ehemalige Generaldirektor des Gesundheitsministeriums hervor. Viele Krankenschwestern blieben etwa oft nach Dienstende freiwillig für eine weitere Schicht, um noch mehr Menschen impfen zu können.
  • Nicht zuletzt sei Israel ein sehr kleines Land.
  • Nach Medienberichten bezahlt Israel für den Biontech-Pfizer-Impfstoff einen 40 Prozent höheren Preis als die USA, gegenüber Europa sei die Differenz sogar noch grösser.

Netanjahu war wegen seiner Corona-Politik immer wieder stark in die Kritik geraten. Er weigerte sich etwa, punktuelle Lockdowns in Wohngebieten mit vielen strengreligiösen Juden zu verhängen, obwohl dort die Infektionszahlen besonders hoch waren. Seine Kritiker meinen, er habe befürchtet, die ultraorthodoxen Parteien könnten ihm ihre automatische Unterstützung entziehen.

Audio
Aus dem Archiv: Zweiter Lockdown führt zu Resignation in Israel
04:59 min, aus Rendez-vous vom 21.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:59 Minuten.

Nun will Netanjahu mit der beeindruckenden Impfkampagne punkten. Am 23. März wählt Israel zum vierten Mal binnen zwei Jahren ein neues Parlament. Netanjahu, gegen den ein Korruptionsprozess läuft, kämpft dabei um sein politisches Überleben.

SRF 4 News, 14 Uhr, 01.01.2021;

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33 Kommentare

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  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Mögen Sie sich noch an den Bericht hier auf SRF erinnern, bei welchem die Pharmaindustrie behauptete, dass die Entwicklung und Verkauf von Impfstoffen kein Geschäft sei? Und nun kann man lesen, dass Israel 40% mehr dafür bezahlt hat und deswegen früher bedient wurde. Es ist also doch ein Geschäft für die Pharma!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ René Balli: Sollte denn die Pharmaindustrie diejenigen zuerst beliefern, welche am wenigsten oder gar nichts bezahlen wollen? So eine Geschäftspolitik wäre ruinös und würde jede Menge Arbeitsplätze kosten.
    2. Antwort von Dominic Weber  (Migottstüüri)
      Für die längste Zeit hat man Infektionskrankheiten in der ersten Welt fast komplett ausgerottet. Die Impfungen waren entwickelt, damals mit viel Geld (so wie jetzt). Die Produktion und der Verkauf im Alltag machen diese nicht zu Cash Cows.
      Wenn nun etwas kommt, das komplette Abdeckung benötigt und Regierungen Blankoschecks auszustellen beginnen, dann lohnt es sich.

      Spannend zu sehen, denn das heisst implizit auch, dass wir viele andere Krankheiten mit genügend Geld auch "lösen" könnten.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Dominic Weber: In die Krebsforschung werden jedes Jahr Milliarden in die Forschung investiert; und zwar sowohl von privater als auch von öffentlicher Seite. Trotzdem konnte der Krebs bis jetzt nicht "besiegt", sondern lediglich in Schach gehalten, werden. Virusbekämpfung ist dagegen eben eine "relativ einfache" Sache. Es geht also nicht nur mit Geld, sonst hätten wir ja das Paradies auf Erden.
  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Da sind einmal die Orthodoxen, da bin ich mal gespannt wie fleissig die Impfen. Dann hört das Leben ja nicht mit dieser Impfung auf. Als ob die Impfung die Lösung für alles ist. Das ist auch Wunschdenken. Wir werden dadurch einfach etwas entspannter gegenüber dem Virus. Das ist der beste Effekt. Logistisch werden wir kaum mehr als die halbe Weltbevölkerung Impfen. Dieses Jahr wird es zum Glück mehr um wirtschaftliche Gedanken gehen als um Corona.
  • Kommentar von Peter Gmoretti  (PeGmo)
    Tja. Die machen‘s definitiv besser als wir.
    1. Antwort von Aaron Teuscher  (Aaron Teuscher)
      Sie meinen, wer mehr bezahlt wird auch zuerst beliefert?
      Dann warte ich lieber noch ein zwei Wochen auf die Impfung.