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Extreme Imame sind selten
Aus Echo der Zeit vom 05.11.2019.
abspielen. Laufzeit 04:38 Minuten.
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Studie der Uni Freiburg Nur wenige der 130 Imame sind radikal

Sogenannte Hassprediger gibt es in der Schweiz nur selten. Trotzdem müssten gewisse Punkte noch verbessert werden.

Wer sind all die Imame, die in den Moscheen hierzulande wirken und predigen? Mit dieser Frage hat sich das Schweizerische Zentrum für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg befasst. Zu Recht, sagt Hansjörg Schmid, Professor und Direktor des Zentrums.

«Imame sind Schlüsselpersonen in den muslimischen Gemeinden. Als Prediger und Lehrer prägen sie massgeblich die Auslegung und Verständnis des Islams. Sie sind zudem wichtig für die Aussenbeziehungen».

Extremisten in der Minderheit

Fälle wie der des inzwischen freigestellten Imams von Kriens (LU) würden die Bevölkerung verständlicherweise empören. Gleichzeitig mahnt Schmid, dass man nicht alle Prediger in den gleichen Topf werfen dürfe.

Die Extremisten seien unter den rund 130 Imamen in der Schweiz klar in der Minderheit. «Bei den Problemfällen handelt es sich meist um isolierte Moscheen. Je stärker die Moscheen eingebunden sind, desto weniger solcher Fälle gibt es.»

Männer beim Gebet in einer Moschee.
Legende: Sogenannte Hassprediger unter Schweizer Imamen gibt es selten, kommt eine Studie der Universität Freiburg zum Schluss. Keystone

Dank Netzwerken mit islamischen Dachorganisationen, christlichen Kirchen und politischen Gemeinden gebe es eine grössere Kontrolle. Ein Argument dafür, den Dialog mit den islamischen Gemeinschaften fortzusetzen und zu verstärken.

Attraktive Bedingungen in Saudi-Arabien

Doch auch wenn Hassprediger in der Schweiz selten sind, gibt es immer wieder Unbehagen darüber, dass hierzulande tätige Imame zum Teil in Ländern ausgebildet wurden, in denen eine strenge Form des Islam propagiert wird. Das ist auch in der Studie ein Thema. «Ein Dutzend Imame haben in Saudi-Arabien studiert. Meist handelt es sich um Imame aus dem Balkan. Wir müssen uns fragen, was die Motivationen dahinter sind.»

Die meisten dieser Imame seien nämlich nach Saudi-Arabien gegangen, weil es dort attraktive Stipendien für ausländische Religionsstudenten gebe, weil sie dort gut arabisch lernen konnten oder weil sie in der Nähe der heiligen Stätten Mekka und Medina sein wollten. Und nicht, weil sie Anhänger einer fundamentalistischen Auslegung des Islams seien. Aber: «Es ist wünschenswert, dass Imame in Zukunft dort studieren, wo es eine Auseinandersetzung mit der Vielfalt zeitgenössischer, theologischer und gesellschaftlicher Diskurse gibt».

Zusammenarbeit fördern

Dass man Imame von A bis Z in der Schweiz ausbilden sollte, wie es manche fordern, hält Schmid für unrealistisch. Dafür sei das Land zu klein. Aber die Schweiz könnte stärker mit Hochschulen in Deutschland und Österreich zusammenarbeiten, wo es bereits Studiengänge für islamische Theologie gibt.

Vor allem könnten sich die Schweizer Universitäten bemühen, künftigen Imamen ergänzende Ausbildungen anzubieten. «Auch in Zukunft werden in der Schweiz tätige Imame in anderen Ländern studieren. Etwa in der Türkei ein Bachelor-Programm und in der Schweiz ein Master-Programm machen.» So könne das erworbene theologische Wissen in der Schweiz noch stärker kontextualisiert werden.

Es gebe schon jetzt einzelne junge Imame, die genau einen solchen kombinierten Ausbildungsweg absolviert hätten. Und das gelte es auszubauen.

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Aus dem Archiv: Der Imam von Bern
Aus Reporter vom 31.05.2015.
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12 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Zum Glück gibt es nur wenige Redikale. Dann kann man also noch etwas dagegen unternehmen. Denn je mehr es werden, desto schwieriger wird es.
    Daher habe ich auch Mühe mit dem vernebeln von Problemen mit anderen Kulturen. Wenige "Burkaträgerinnen", wenige "Handschlagverweigerer" etc. Also unternehmen wir etwas dagegen solange es noch wenige sind. Warten bis es viele sind bringt nichts ausser einer gespaltenen Gesellschaft.
  • Kommentar von Francis Waeber  (Francis Waeber)
    Ein weiterer Punkt in dem sich Karl Marx geirrt hat: Religion ist nicht Opium für's Volk, es ist das Placebo!
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Toleranz hat seine Grenzen. Jeder Hassprediger ist einer zuviel.
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Stimmt! Jeder Hassprediger jedwelcher Religion ist einer Zuviel. Gilt nicht nur für den Islam!
    2. Antwort von Patrik Müller  (P.Müller)
      @Waeber: Sie haben selbstverständlich recht. Nur kommt mir selbst bei langem Nachdenken nicht wirklich in den Sinn bei welcher anderen Religion Hasspredigen bei uns vorkommen. Ich meine Hasspredigen und nicht einfach Kritik an anderen Glaubensrichtungen.