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Studie zu Arbeitskräften 55+ Unternehmen machen wenig, um ältere Mitarbeitende zu behalten

Fast Dreiviertel der 55- bis 64-Jährigen waren 2020 erwerbstätig. Die gute Integration hat wenig mit den Massnahmen der Unternehmen zu tun.

Die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind im Schweizer Arbeitsmarkt besser integriert als noch vor zehn Jahren. Ein Grossteil arbeitet auch im höheren Alter. Das zeigt eine Studie zum Arbeitsmarkt 55+ des Lebensversicherungskonzerns Swiss Life.

Doch die Studie zeigt auch: Die Unternehmen tun wenig, um ältere Mitarbeitende im Betrieb zu halten oder sogar über das Pensionsalter hinaus zu beschäftigen.

Unternehmen ergreifen zu wenig Massnahmen

Arbeiten bis zum Pensionsalter oder sogar noch länger: Dies wünschen sich die meisten Angestellten. Doch ihre Chefs sind passiv, wie Studienleiter Andreas Christen von Swiss Life sagt: «Wir wollten von den Unternehmen zum Beispiel ganz konkret wissen, welche Massnahmen sie in den letzten Jahren ergriffen haben, damit ihre Mitarbeitenden möglichst lange im Betrieb bleiben. Dabei haben Dreiviertel gesagt, dass man keine Massnahmen ergriffen hat.»

Nur wenige seien grundsätzlich bereit, Personen auch nach dem offiziellen Rentenalter weiterzubeschäftigen. Die Gründe sind in jedem Unternehmen etwas anders. Die höheren Kosten spielten teilweise eine Rolle, aber auch gängige Klischees. 

Etwa ein Viertel hat gemeint, eine reduzierte Belastbarkeit spielt eine Rolle, auch die Flexibilität und Leistungsfähigkeit.
Autor: Andreas Christen Studienleiter, Swiss Life

«Etwa ein Viertel hat gemeint, eine reduzierte Belastbarkeit spielt eine Rolle, auch die Flexibilität und Leistungsfähigkeit», so Andreas Christen. Umgekehrt gelten ältere Mitarbeitende als erfahren. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel wäre diese Erfahrung wichtig.

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Aus dem Archiv: Arbeiten über 65-jährig soll attraktiver werden
Aus 10 vor 10 vom 14.09.2021.
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«Jedes dritte Unternehmen sagt in unserer Umfrage, man habe Mühe, gewisse Positionen mit Fachkräften zu besetzen. Das sind die Unternehmen, die einen Fachkräftemangel haben.» Aktiver im Hinblick auf die Personalpolitik 55+ seien sie aber nicht. «Sie ergreifen nicht häufiger Massnahmen, um ihre Mitarbeitenden möglichst lange im Betrieb zu halten.» 

Jedes dritte Unternehmen sagt in unserer Umfrage, man habe Mühe, gewisse Positionen mit Fachkräften zu besetzen.
Autor: Andreas Christen Studienleiter, Swiss Life

Einige Unternehmen unterschätzen die Situation. Mit dem demografischen Wandel wird der Fachkräftemangel noch grösser: In rund zehn Jahren wird es fast ein Drittel mehr Pensionierungen geben. «Die demografisch-bedingte Pensionierungswelle hat gerade eben langsam begonnen. Die wird man wahrscheinlich erst in fünf, sechs, sieben Jahren spüren.» Das könnte ein Grund dafür sein, warum man das noch nicht in jedem Fall auf dem Radar habe.

Legende: Die demografisch-bedingte Pensionierungswelle werde erst in einigen Jahren spürbar sein – und Schwierigkeiten mit sich bringen. Keystone

Massnahmen, um ältere Angestellte im Betrieb zu halten, haben also bei vielen Personalverantwortlichen noch keine Priorität. Dabei wären die Rezepte, um sie zu behalten, bekannt. Unternehmen mit einer aktiven Personalpolitik für ältere Angestellte setzen beispielsweise auf andere Arbeitsbedingungen.

Vorhandene Lösungsansätze, hapernde Umsetzung

«Sie ermöglichen beispielsweise Teilzeitarbeit ab einem gewissen Alter, Verantwortung abzugeben oder die Führungsfunktion abzugeben und wieder als Fachperson zu arbeiten», sagt Studienleiter Christen. Einige wenige Unternehmen hätten gar höhere Löhne für ältere Arbeitnehmende in Aussicht gestellt.

Ideen für eine aktive Personalpolitik gäbe es also genug. Nur an der Umsetzung fehlt es mehrheitlich noch.

SRF 4 News, Rendez-vous, 25.10.2021, 12:30 Uhr

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36 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community
    Vielen Dank fürs Mitdiskutieren. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Als löbliche Ausnahme darf ich auch in einem Betrieb arbeiten wo wir darüber diskutieren können ob ich eventuell 1 Jahr über die 65 hinaus arbeiten könnte. Klar geht das nur wenn es für beide Seiten stimmt. Es ist noch nichts entschieden, aber die Tatsache dass man reden kann bedeutet schon an sich viel.
    Daneben, wenn ich das Umfeld betrachte, sehe ich das eher so: Die Arbeitslosigkeit Ü55 ist offenbar bei 25% (gemäss SRF Artikel). Das sagt eigentlich alles. Die Zustände sind katastrophal.
  • Kommentar von Pierre Bayerdörfer  (pb59)
    Immer mehr Menschen ab 45 verlieren ihren Job, viele davon, weil sie zu teuer geworden sind. Sie durchlaufen das RAV ohne kontinuierliche Betreuung und v.a. ohne konkrete Stellenangebote. Die Folgen sind Aussteuerung und/oder Sozialhilfe mit drohender Altersarmut, gesellschaftlicher Ausgrenzung und sozialem Abstieg. Ohne Engagement der Wirtschaft wird sich auch in Zukunft nichts verändern. Workfair 50+ versucht es mit dem Pilotprojekt Workspace 50+, ein Brückenangebot für Ausgesteuerte.