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Studie zu Geldspielen Auch Minderjährige werden online zum Zocken animiert

16- bis 18-Jährige sind im Internet vermehrt mit Spielangeboten konfrontiert – auch illegalen. Das zeigt eine neue Studie.

Das zeigt die Studie: Auch unter 18-Jährige erhalten übers Handy Werbung für Geld- und Glücksspiele, zeigt eine neue Untersuchung von Sucht Schweiz. Dafür haben Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren unter anderem während einer Woche ihr Surfverhalten dokumentiert. Die Analyse zeigt, dass sie im Schnitt pro Stunde mehr als 2 Anzeigen für teils problematische Onlinespiele erhielten. Darunter befanden sich Hinweise auf inländische Anbieter, Casinos und Lotterien, Beiträge von Influencerinnen und Influencern, die Glückspiele positiv darstellten, aber auch zahlreiche Werbungen für illegale ausländische Anbieter von Geldspielen. Die Anzahl der Anzeigen bei den Jugendlichen variierte stark. Während die einen fast keine Spielwerbung übers Handy erhielten, wurden andere regelrecht damit bombardiert.

Minderjährige werden durch Anzeigen, schon bevor sie spielen dürfen, an die Welt der Glücksspiele herangeführt.
Autor: Markus Meury Sprecher Sucht Schweiz

Das fordert Sucht Schweiz: Es brauche mehr Verbote und Kontrollen, um Minderjährige digital besser vor Werbungen für Geld- und Glückspiele zu schützen, so die Stiftung. «Am häufigsten nutzen junge Erwachsene solche Spielangebote und Minderjährige werden durch Anzeigen, schon bevor sie spielen dürfen, an die Welt der Glückspiele herangeführt. Das ist ein Problem», sagt Markus Meury von Sucht Schweiz.

Meury wünscht sich für die Schweiz Regeln wie in den Niederlanden. Dort müssten grosse Plattformen, auf denen Online-Geldspielwerbung gezeigt werden (wie Google, Meta oder Microsoft), konkret nachweisen, dass die Werbung zu 95 Prozent von Personen gesehen wird, die mindestens 24 Jahre alt sind. «Mit dem Resultat, dass die Plattformen ihre Werbung nur noch für Personen sichtbar machen, von denen sie das Alter effektiv kennen», so Meury. Dazu komme, dass in den Niederlanden Werbung durch Influencerinnen und Influencer grundsätzlich verboten sei.

Aggressive Werbung stammt von ausländischen Online-Casinos, die keinen Jugendschutz bieten.
Autor: Marc Friedrich Geschäftsführer Schweizer Casino Verband

Das sagen Spiele-Anbieter: Man halte sich konsequent an das geltende Gesetz, versichert Danielle Perrette von Loterie Romande: «Gezielte Werbeaktionen für Minderjährige sind strikt untersagt». Es mache auch überhaupt keinen Sinn, Werbung bei Minderjährigen zu platzieren, ergänzt der Geschäftsführer des Schweizer Casino Verbands Marc Friedrich: «Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Casinos – ob landbasiert oder online – gar nicht spielen.» Zusätzlich hätten sich Schweizer Spielstätten einem eigenen Spielerschutz-Kodex verpflichtet. So würden sie zum Beispiel, wo es technisch möglich sei, Jugendliche von ihrer Werbung in den sozialen und elektronischen Medien ausschliessen. Für Friedrich ist klar: «Aggressive Werbung stammt von ausländischen Spiele-Anbietern, die in der Schweiz nicht zugelassen sind und die keinen Jugendschutz und keinen Spielerschutz bieten.» Dort brauche es ein härteres Durchgreifen.

Person in roter Jacke schaut auf Smartphone mit verschwommenem Hintergrund.
Legende: Studie: Digitale Werbungen für Geldspiele erreichen auch Minderjährige KEYSTONE / GAETAN BALLY

Das läuft politisch: Das Schweizer Geldspielgesetz verbietet es, Werbung für Geldspiele explizit an Minderjährige zu richten. Allerdings könne es vorkommen, schreibt der Bundesrat, dass Minderjährige indirekt mit solcher Werbung in Berührung kommen: Etwa durch Plakate auf öffentlichem Grund, über das Fernsehen oder das Internet. Diese Werbung gelte aber nicht als direkt an Minderjährige gerichtet. Ein vollumfassendes Werbeverbot von Glücks- und Geldspielen für Minderjährige wird derzeit in Bundesbern nicht behandelt. Doch prüft der Bundesrat aktuell das Geldspielgesetz und die Regelungen bezüglich Werbung und Jugendschutz. Ein Bericht dazu wird bis Ende 2026 erwartet.

SRF 4 News, 28.08.2025, 17 Uhr;sche;liea

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