Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Neue Verträge zwischen der Schweiz und Grossbritannien abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 22.03.2019.
Inhalt

«Switzerland» und der Brexit Schweiz-Grossbritannien – eine Achse mit Potenzial

Erst ein Handels-, dann ein Migrationsabkommen: Entsteht da ein Bund zweier starker Wirtschaftsmächte ausserhalb der EU?

Während sich die EU und Grossbritannien um den Brexit streiten, macht die Schweiz konkrete Fortschritte. Heute hat der Bundesrat ein Migrationsabkommen mit dem Vereinigten Königreich verabschiedet, um die bilateralen Beziehungen nach dem Brexit zu sichern. Bereits Mitte Februar wurde ein Handelsabkommen beschlossen.

«Order! Order!» Wenn der Speaker des Unterhauses in den letzten Tagen die 650 Abgeordneten zur Ordnung rief, ging es meist um den Brexit. Doch am Donnerstag vergangener Woche stand im «House of Commons» plötzlich ein anderes Thema im Zentrum: «Switzerland».

Staatssekretär Liam Fox, zuständig für internationalen Handel, lobte überschwänglich die Schweizer Regierung und insbesondere Wirtschaftsminister Guy Parmelin, mit dem er das Handelsabkommen unterzeichnet habe.

CH-UK.
Legende: Bundesrat Parmelin und Staatssekretär Fox unterzeichneten am 11. Feb. 2019 ein Handelsabkommen. Keystone/Archiv

Ein wichtiges Abkommen sei dieser Handelsvertrag, bemerkte Fox und konterte den schnippischen Einwand eines Labour-Abgeordneten, es sei doch nur ein «tiny deal». Der Vertrag mit der Schweiz sei weder klein noch unbedeutend. Vielmehr sei er für Grossbritannien 32 Milliarden Pfund oder 42 Milliarden Franken pro Jahr wert und die Schweiz der siebtgrösste Partner des Vereinigten Königreichs im Bereich der Dienstleistungen – weltweit!

Das hatte nur zwei Tage davor auch das britische Oberhaus erkannt. Ein Komitee des «House of Lords» publizierte einen Bericht, der den Handelsvertrag mit der Schweiz ausdrücklich als «politisch wichtig» einstuft. Das Papier macht klar: Die Lords wünschten sich gerne noch mehr.

Portmann: Chancen für die Schweiz nach Brexit

Tatsächlich sei das Potenzial vorhanden, den Handel mit Grossbritannien auszuweiten, sagt FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann. Er gehört der «UK-Swiss Friendship Association» an, einer Gruppe von britischen und Schweizer Parlamentariern, die nach der Brexit-Abstimmung ins Leben gerufen wurde.

Der Austritt aus der EU werde den Spielraum für die Briten vergrössern, ist Portmann überzeugt: Dann dürften sie freie bilaterale Handels-und Dienstleistungsverträge mit anderen Ländern machen. Dies könne der Schweiz Chancen eröffnen. Allerdings erst, wenn das Verhältnis zwischen UK und EU geregelt sei.

Nationalrat Hans Peter Portmann
Legende: Nationalrat Hans Peter Portmann (FDP/ZH) ist Mitglied der «UK-Swiss Friendship Association». Keystone/Archiv

Bereiche für ein engeres Zusammengehen möglich sieht Portmann viele. Eine Option sieht er in einer verstärkten Kooperation zwischen Londoner und Zürcher Börse. Dazu eine enge Zusammenarbeit der Finanzindustrie und Äquivalenzen für Finanzprodukte. Portmann erinnert an die laufenden Arbeiten für eine Schweizer Trust-Gesetzgebung. Das sei ein sehr grosses Wirtschaftsgebiet im angelsächsischen Raum. Aber auch bei allgemeinen Dienstleistungen wie dem Austausch von Beratungen und Rechtsunterstützungen sieht er Potenzial.

Schweiz als Beispiel in der Not?

Grossbritannien hat mit der Schweiz auf jeden Fall noch einiges vor, wie Staatssekretär Fox letzten Donnerstag im «House of Commons» klargemacht hat. Das ausgehandelte Handelsabkommen sei bloss der «Vorläufer» eines hoffentlich grösseren Handelsvertrages mit der Schweiz, nach vollzogenem Brexit.

Dass Grossbritannien die Verhandlungserfolge mit der Schweiz so herausstreiche und neben den USA erwähne, sei kein Zufall, sagt Portmann: «Es soll zeigen, dass UK auch ohne die EU nicht darben wird.»

«Order! Order!»

Einzig den Speaker des «House of Common» scheint das wenig zu beeindrucken. Das Beste an der Schweiz, findet John Bercow, seien nicht die Banken, nicht die Uhren, nicht die Schokolade: «Das Beste an der Schweiz ist Roger Federer. Order! Order!»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

45 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Charles Dupond  (Egalite)
    Und wo bleibt die Veroeffentlichung des Inhaltes der Vertraege? Wurde etwa im Migrationsvertrag fuer die PFZ nicht nur der Besitzstand der bereits Migrierten gesichert? Sich so an GB zu kleiben wie zu nah und sehr an die EU waere das Letzte!....
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Norbert Schnidrig  (3646)
    Genau so handelt man gute Verträge aus. Bravo und weiter so. Die Zwangsverträge der EU dürfen wir auf keinen Fall unterzeichnen. Das wäre der Untergang der Schweiz.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Das England und die Schweiz ein gewisser Argwohn gegen fast alles was die EU hervorbringt eint, ist mehr als bekannt und bietet eine gute Basis für einen Gegenpol auf dem europäischen Kontinent. Übrigens: die beiden EU-Skeptiker sind wie man nur zu gut weis nicht allein. Praktisch der ganze ehemalige Ostblock, von Polen bis runter nach Ungarn hegen auch eine gewisse Skepsis gegenüber diversen Details der Union und könnten sich mit der UK und CH auf der einen oder anderen Seite gut anfreunden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Ursus: Gewisse Kreise der Staaten der Osterweiterung der EU sehen diese als reinen Geldausgabeautomaten an (insbesondere der grösste, hier nicht beim Namen zu nennenden Kläffer).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen