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Hospitalisierungen: Wie aussagekräftig sind die Zahlen?
Aus Rendez-vous vom 07.01.2022.
abspielen. Laufzeit 03:14 Minuten.
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Tägliche Corona-Spitalzahlen Corona-Kranke in Spitälern: Bilden BAG-Zahlen die Realität ab?

Die Spitaleinweisungen wegen Corona und die Belegung der Intensivstationen haben eine besondere Bedeutung bei der Begründung neuer Massnahmen. Aktuell werfen Berichte von «Blick» und dem TV-Sender «Léman Bleu» die Vermutung auf: Es kommen deutlich weniger Leute wegen Corona ins Spital, als die täglichen Zahlen des Bundes ausweisen.

SRF-Wissenschaftsredaktor Thomas Häusler erklärt, dass mangels genauer Fallanalysen keine abschliessende Bewertung möglich sei.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biochemie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Werden tatsächlich deutlich weniger Personen wegen Corona ins Spital eingeliefert, als die Zahlen des Bundes vermuten lassen?

Thomas Häusler: Man muss vorderhand noch sehr vorsichtig sein mit einer Einschätzung. Ich habe bei Spitälern und Fachleuten nachgefragt, und es zeigt sich ein unklares Bild. Das grosse Berner Inselspital etwa hat bis vor Kurzem eintretende Patienten und Patientinnen ohne Covid-Symptome gar nicht systematisch getestet. Die Spitäler, die das bisher bereits machten, melden sehr unterschiedliche Zahlen, so dass eine Übersicht schwierig ist.

Wie gross ist die Differenz zwischen Leuten, die tatsächlich wegen Corona ins Spital müssen und jenen, die wegen etwas anderem behandelt werden müssen und erst dann positiv getestet werden?

Aufgrund der Datenlage kann man das vorerst nicht genau sagen. Zwei Spitäler geben laut den Medienberichten an, die Patienten, die beim Eintritt ohne Symptome positiv getestet wurden, machten fast die Hälfte aus. Andere Spitäler sprechen von Einzelfällen.

Die Fallzahlen müssten viel genauer analysiert werden, um Schlüsse ziehen zu können.

Das Bild ist aber noch etwas komplexer. So sagte mir ein Experte, es gebe auch oft Fälle, wo Patienten mehrere Leiden gleichzeitig hätten oder bei denen sich erst mit der Zeit eine ernsthafte Covid-Erkrankung entwickle. Die Fallzahlen müssten viel genauer analysiert werden, um Schlüsse ziehen zu können.

Was könnte das jetzt heissen? Alles halb so wild? Oder ist es eben trotzdem relevant, ob jemand Corona-positiv im Spital liegt?

Halb so wild ist es kaum. Es stimmt: Nach allem, was man weiss, verursacht Omikron mehr symptomarme und leichtere Verläufe. Gleichzeitig sind die Fallzahlen und die Dunkelziffer momentan sehr hoch. Es wird also tendenziell mehr Fälle geben, in denen jemand mit einem Beinbruch eingeliefert wird und dann noch positiv getestet wird.

Die Fallzahlen und die Dunkelziffer sind momentan sehr hoch.

Aber diese «Mit Covid»-Patienten verursachen in den Spitälern trotzdem deutlich mehr Arbeit, weil sie aufwändig isoliert werden. Zu all dem droht den Spitälern aktuell auch Gefahr von einer anderen Seite: Manche melden schon jetzt höhere Personalausfälle wegen Omikron und eine angespannte Lage. Es ist zu befürchten, dass die Überlastung wegen Personalausfällen noch zunimmt.   

Wie ist es mit den Corona-Fällen auf den Intensivstationen? Gibt es dort auch Diskrepanzen?

Auch hier gibt es keine präzise Übersicht. Die mir vorliegenden Angaben lassen darauf schliessen, dass die allermeisten Covid-positiven Patienten auf den Intensivstationen auch wegen Covid dort liegen.

Das Gespräch führte Rebecca Villiger.

Rendez-vous, 07.01.2022, 12:30 Uhr;

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85 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir schliessen nun die Kommentarspalten und wünschen Ihnen einen angenehmen Abend und ein grossartiges Wochenende. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Es erstaunt nicht wirklich, dass nun Berichte von «Blick» und dem TV-Sender «Léman Bleu» diese Vermutung aufwerfen. Nach dem Wirbel um den Ringier-Chef, Marc Walder, und der sich nun abzeichnenden Pattsituation bei der Medienförderung, wird es eng für sie. Ferner die dilettantische Datenlage des BAG, ja die Spatzen (Corona-Massnahmen-Skeptiker) schon lange von den Dächern pfeifen.
  • Kommentar von Lars Kahl  (Lars K.)
    Die Datenlage ist eine Katastrophe und das seit Beginn der Pandemie! Es ist wirklich unfassbar, dass es scheinbar nicht einmal in diesem kleinen Land möglich ist, dass alle Spitäler die Datenerhebung identisch durchführen! Es ist eine Katastrophe, dass in einer PANDEMIE angeblich niemand dafür sorgt! Es ist eine Katastrophe, dass basierend auf Grundlage dieser unklaren Angaben Massnahmen definiert werden! Und dann wundern, warum die Bevölkerung dafür nicht viel Verständnis hat!
    1. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Eine Katastrophe sieht nun wirklich ganz anders aus. Fehlende Daten in allen Bereichen der Wissenschaft ist eigentlich der Normalfall, also bitte nicht aufregen. Wissenschaft generiert leider zu wenig Finanzen und so lange das so bleibt, wird sich an der Tristesse der fehlenden Daten nicht viel ändern.
    2. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Herr Nogler, stellen Sie sich mal vor (nein, lieber nicht!), ein Ingenieur würde seine Brückenkonstruktion, die Prozessleitsteuerung einer Verbrennungsanlage, eines Kraftwerkes, die Konstruktion eines Flugzeuges usf., auf fehlende wissenschaftliche Daten aufbauen – die totale Katastrophe wäre garantiert. Ferner würden wohl die Aktionäre von Pfizer/BioNTech & andere Profiteure der «Corona-Krise», Ihnen da ebenso widersprechen können, in Bezug: «Wissenschaft generiert leider zu wenig Finanzen...»