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Taskforce-Chef: «Wurden nicht vorgängig über Öffnungen informiert»
Aus Echo der Zeit vom 17.04.2021.
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Taskforce ohne Gehör Ackermann: «Wir konnten uns nicht zu Öffnungsschritten äussern»

Ab Montag kann man in der Schweiz wieder ins Kino, man kann im Fitness-Center trainieren, oder im Restaurant essen, zumindest auf den Terrassen. Es könnte fast der Eindruck entstehen, die Corona-Pandemie neige sich dem Ende zu. Wenn man jedoch die Neuinfektionen betrachtet, sehen wir uns nach wie vor im Anstieg zu einer dritten Welle. Die Wissenschaft mahnt deshalb die Menschen, sich trotz Öffnungen vorsichtig zu verhalten. Martin Ackermann ist Chef der Covid-Taskforce, die dem Bundesrat in der Pandemie eigentlich wissenschaftlich beratend zur Seite steht. Für die jüngsten Beschlüsse sei die Task-Force allerdings nicht konsultiert worden, sagt er im Interview.

Martin Ackermann

Martin Ackermann

Chef der Covid-19-Taskforce

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Der Experte für Mikrobiologie, Prof. Dr. Martin Ackermann, ist seit dem 1. August 2020 der Chef der Covid-19-Taskforce des Bundes. Ackermann ist seit August 2008 ausserordentlicher Professor für molekulare mikrobielle Ökologie am Institut für Biogeochemie und Schadstoffdynamik der ETH Zürich.

SRF News: Hatte die Taskforce vorab Kenntnisse von den Öffnungsschritten, welche der Bundesrat am Mittwoch bekannt gab?

Martin Ackermann: Wir wurden nicht vorgängig über diese Öffnungsszenarien informiert und konnten uns auch nicht vorgängig dazu äussern.

In welchem Rahmen können Sie sich denn zu den Öffnungen äussern?

Wir haben einen direkten und guten Austausch mit dem BAG und auch mit den Mitgliedern des Bundesrates. Beispielsweise haben wir verschiedene Öffnungsszenarien modelliert und dann auf diesen Szenarien basierend plädiert, langsam, vorsichtig und in kleinen Schritten zu öffnen.

Und so wie jetzt am Montag geöffnet wird, da haben Sie Bedenken. Warum?

Aus wissenschaftlicher Sicht geht man mit diesen Öffnungen ein Risiko ein, nicht nur für die Gesundheit, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich. Man muss sich bewusst sein, in der Schweiz sind aktuell viele Menschen ansteckend.

Wenn durch diese Öffnungen Kontakt und Mobilität zunehmen, dann wird sich auch das Virus weiter ausbreiten.

Und wenn durch diese Öffnungen Kontakt und Mobilität zunehmen, dann wird sich auch das Virus weiter ausbreiten. Das ist eine Gefahr für das Gesundheitssystem. Aber es ist auch eine Gefahr, dass man wieder schliessen muss.

Sie rechnen jetzt also mit diesen Öffnungen mit vielen Ansteckungen und vor allem vollen Intensivstationen?

Die Zukunft hängt stark davon ab, wie wir alle auf diese Öffnungsschritte reagieren. Wenn die Menschen in diesem Land die Öffnung so interpretieren, dass die Pandemie nun nicht mehr gefährlich ist, dann haben wir natürlich ein hohes Risiko, dass sich die Situation verschlechtert und wir auch wieder schliessen müssten.

Bundesrat Berset sagte, die Öffnungen sei ein vertretbares Risiko. Wie kam der Gesundheitsminister zu seiner Aussage?

Wie es zu dieser Aussage kam, kann ich natürlich nicht beantworten. Wir haben unsere Einschätzung gegeben, und diese nicht nur epidemiologisch, sondern auch wirtschaftlich abgestützt. Aber es gibt natürlich auch andere Überlegungen und andere Stimmen, die eine Rolle spielen.

Man hatte bisher eigentlich immer den Eindruck, der Bundesrat höre sehr stark auf die Taskforce. Warum ist das in diesem Fall offenbar nicht so?

Von den politischen Entscheidungen in diesem Jahr passierten viele auf wissenschaftlichen Einschätzungen. Anfang Jahr haben wir beobachtet, dass sich eine ansteckende Variante im Untergrund schnell ausbreitet. Länger Zuwarten mit Lockerungen das hatte eine klare wissenschaftliche Basis. Aber ich muss Ihnen recht geben, beim Entscheid am Mittwoch hatten andere Stimmen mehr Gewicht.

Hat die Taskforce vielleicht das Vertrauen des Bundesrats verloren?

Das denke und hoffe ich nicht. Wir können weiterhin unsere Perspektive einbringen. Ich denke, die wird weiterhin auch berücksichtigt. Aber wie ich erwähnt habe, gibt es natürlich auch andere Stimmen, die eine Rolle spielen.

Das Gespräch führte Roger Brändlin.

Quelle: Bundesrat, 14.04.2021Das hat der Bundesrat am 14. April beschlossenPrivate Treffen drinnen mit maximal 10 PersonenGeschlossen:Restaurants und Bars (drinnen), Discos, Tanzlokale, Wellness-/Freizeitbäder (drinnen)Homeoffice-PflichtAusgedehnte MaskenpflichtPräsenzunterricht an Hochschulen wieder möglich.Maximal 50 Personen. Gilt für Hochschulen undErwachsenenbildung.Wettkämpfe im Amateursport mit max. 15 Personen.Gilt nur für Sportarten ohne Körperkontakt.Regeln für Sport und Kultur (mit Ausnahmen für unter 20-Jährige)20Empfehlung: Lassen Sie sich testen! Lockerungen ab dem 19. AprilWeiterhin giltWieder geöffnet:• Restaurants und Bars draussen• Freizeit- und Kulturbetriebe (auch drinnen)• Sportanlagen (auch drinnen)Veranstaltungen wieder möglich:• Generell maximal 15 Personen• Mit Publikum drinnen:Maximal 50 Personen resp. 1/3 der Kapazität• Mit Publikum draussen:Maximal 100 Personen resp. 1/3 der Kapazität

Echo der Zeit, 17.04.2021, 18 Uhr;

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277 Kommentare

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  • Kommentar von Pascale von Planta  (Pascale)
    Endlich wird wieder das Gros der Schweizer Bevölkerung, ja, des MENSCHEN, in all seinen Facetten (Bedürfnissen und Wünschen für sein Leben) in den Fokus genommen. Seid ALLE vorsichtig beim Geniessen der wieder gewonnenen Freiheiten, und lasst es Euch wohlergehen. Jeder/Jede soll entsprechend seinem Sicherheitsbedürfnis das LEBEN kosten.
  • Kommentar von Patrick Dörrer  (P.D)
    6. April 2021 Ktipp lesen!Die Task-Force geht nicht auf einen Entscheid des Bundesrats zurück, sondern auf einen Vorschlag des Präsidenten Ackermann und drei weiterer Initianten aus universitären Kreisen. Sie baten den Bund um ein offizielles Mandat und schickten im gleichen E-Mail direkt selber einen Vorschlag für den genauen Wortlaut des Mandats. Der Bund übernahm den Vorschlag fast unverändert. Mitglieder der Task-Force werden direkt von Präsident Ackermann ernannt!! Vetterliwirtschaft.?
    1. Antwort von Thomas Spirig  (lalelu)
      das ist doch alles alter kaffee. selbstverständlich war es sinnvoll, dass sich die experten auf dem fachgebiet in dieser riesenkrise eingeschaltet haben und ihr fachwissen zur verfügung stellen. das gebietet das verantwortungsgefühl. der K tipp artikel haben die meisten wohl gelesen. die interpretation war sehr tendenziös. sie können doch nicht einfach blind alles übernehmen was sie im k tipp so lesen. fragen sie sich doch selber mal ob das sinn macht.
  • Kommentar von Ronny Nemetz  (RonnyRonson)
    Es reden sowieso viel zu viele Leute mit
    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Es hat in der TF 70 Mitglieder, damit möglichst viele Fachgebiete abgedeckt werden. Aber das ist nun auch nicht mehr wichtig, die Meinung der Wissenschaft ist nicht mehr erwünscht.
    2. Antwort von Thomas Schmid  (Hand und Fuss)
      Es reden leider viel zu viele Leute mit, die einfach ihre privaten finanziellen Interessen im Blick haben, statt das grosse Ganze und das Wohlergehen der Gesamtbevölkerung und Gesamtökonomie....niedrige Inzidenzzahlen sind der Garant für florierendes Leben.
      Die Task Force berät besonnen und seriös, noch zurückhaltend sogar. Angesehenste Experten verliessen sie bereits, da entgegen ihre Expertise und zu Lasten grosser Teile des Volkes entschieden wird.