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Teures Gesundheitswesen Wie lange ist das noch bezahlbar?

Auch 2019 und 2020 geht der Anstieg der Gesundheitskosten weiter – auf mehr als 10'000 Franken pro Person und Jahr.

Legende: Video Ambulant statt stationär – der Wandel in der Medizin hat seinen Preis abspielen. Laufzeit 02:01 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.11.2018.

Jedes Jahr errechnet die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, wie sich die Gesundheitskosten entwickeln werden. Und jedes Jahr zeigt sich das gleiche Bild: «Es geht ungefähr so weiter wie bisher», sagt Marko Köthenbürger von der KOF zur neusten Prognose der Gesundheitsausgaben.

Konkret geht die KOF davon aus, dass es die Kostensteigerung in den Jahren 2019 und 2020 bei je rund 3,8 Prozent liegen werden. Besonders stark betroffen seien die Pflegeleistungen, aber auch die ambulanten Leistungen, so Köthenbürger.

Über 10'000 Franken pro Person

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Über 10'000 Franken pro Person

Die KOF rechnet für das Jahr 2019 mit Gesundheitsausgaben von 10'397 Franken pro Kopf. 2020 sollen die Kosten pro Person im Durchschnitt sogar 10'705 Franken betragen.

Dass die Kosten gerade im ambulanten und im Pflege-Bereich stark wachsen, ist wenig überraschend: Die ambulanten Behandlungen werden forciert, weil es günstiger ist, wenn Patientinnen und Patienten am Abend nach Hause gehen, statt im Spital zu übernachten.

Und die Pflegekosten sind bei hochbetagten Menschen am höchsten. Und von ihnen gibt es in einer alternden Gesellschaft immer mehr. Laut den ETH-Forschern besteht also weiterhin keine Aussicht, das Wachstum der Gesundheitskosten zu stoppen.

Ruf nach mehr Wettbewerb

Finanziert wird die aktuelle Untersuchung vom Internetvergleichsdienst Comparis. Comparis nutzt deshalb die Gelegenheit, um eigene Vorschläge zu präsentieren, wie das Kostenwachstum im Gesundheitsbereich gebremst werden könnte.

Für Felix Schneuwly von Comparis ist klar, dass die bisherigen Massnahmen der Politik zu wenig gebracht haben. Grundsätzlich brauche es nicht noch mehr Administration und Bürokratie. «Es braucht mehr wettbewerbliche Anreize», ist er überzeugt.

Schneuwly wünscht sich ein Gesundheitswesen, in dem der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und zwischen den Ärzten wirklich spielt. So sollten die Kassen etwa mehr Spielraum erhalten, um kostenbewusste Versicherte zu belohnen.

Desillusionierter Gesundheitsökonom

Doch bei dem Thema winkt der renommierte Gesundheitsökonom Heinz Locher ab: Er traut den Krankenkassen die Innovation nicht zu. Diese hätten schon lange mit neuen Modellen kommen können, dies aber nicht getan, sagt Locher.

Vielmehr hätten sie ihre Energie vor allem für die Jagd auf gesunde Versicherte verwendet. Die Krankenkassen fühlten sich nicht primär gesundheitspolitisch verantwortlich, stellt Locher mit Bedauern fest: «Ich habe meine Illusionen verloren.» Der Gesundheitsökonom wünscht sich ein Gesundheitswesen, in dem neue Firmen neue Konzepte entwickeln.

Mehr politische Eingriffe, mehr Wettbewerb oder mehr Start-ups? In der Frage, wie die Gesundheitskosten gebremst werden könnten, herrscht alles andere als Einigkeit. Und bis valable Antworten vorliegen, steigen die Kosten weiter.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler ((Bühli))
    Bei freier Versicherungswahl weltweit, könnten sich die Prämien verbilligen. Leider ist dies nicht gestattet, ich bin gezwungen eine teure CH-Versicherung zu haben. Da müsste sich die Politik entweder für einen wirklich freien Markt oder für eine günstige Einheitskrankenkasse stark machen.
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  • Kommentar von Jürg Brauchli (Rondra)
    Ich empfehle, mal einen ganzen Tag vis a vis einer Notaufnahme eines Spitals zu verbringen und mit einem dortigen Arzt ein diskretes, vertrauliches Gespräch zu führen. Dann hat man keine Fragen mehr. Ich weiss, wovon ich rede, aber solange die Problemstellung nicht an die Öffentlichkeit darf, oder dann aus Gründen von "Netiquette" und "political Correctnes" zensuriert wird, dürfte sich nichts ändern.
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  • Kommentar von Christoph Heierli (help)
    Weil alle mitverdienenden Parteien im Gesundheitsgeschäft ums verrecken bei ihren Pfründen bleiben wollen,wird sich gar nichts ändern.Die staatliche Einheitskasse ist wohl vorprogrammiert.Die Politik und damit der Staat, ist nicht gewillt, dank der Vetternwirtschaft das Problem durch strengere Rahmenbedingungen zu lösen. Die nächste Abstimmung kommt bestimmt.Durch Quersubventionierung über Prämienzahlungen an schlechter verdienende, ist das Gesundheitswesen bereits heute teilweise verstaatlicht
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