Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schweizer Bio-Soja für Bio-Nutztiere
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.09.2020.
abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
Inhalt

Tierfutter aus der Schweiz Bio-Soja soll künftig aus Schweizer Produktion kommen

Bio Suisse setzt ab 2022 auf strengere Regeln: Bio-Kraftfutter für Wiederkäuer darf nicht mehr importiert werden. Bauern setzen jetzt auf Schweizer Soja.

Der Sonnenhof liegt zwischen Bürglen und Weinfelden im Kanton Thurgau. Vor dem Hof führt eine stark befahrene Hauptstrasse vorbei. Quer über das Maisfeld ist eine Hochspannungsleitung gespannt; 30 Hektaren Flachland.

Wer die Prospektbilder von Bio Suisse im Gedächtnis hat, mit den saftig grünen Weiden in der Hügellandschaft der Schweiz, der wird enttäuscht. Bio-Landwirtschaft ist nicht immer so wie im Prospekt.

Bio Suisse verlangt Kraftfutter aus der Schweiz

Box aufklappenBox zuklappen
Bio Suisse verlangt Kraftfutter aus der Schweiz
Legende: srf

Bei vielen Umweltschützern hat die Sojabohne einen schlechten Ruf. Das für die Tierfütterung notwendige Soja wird fast vollständig aus dem Ausland importiert, einen entsprechend weiten Weg hat es hinter sich, bis es hier ist. Hinzu kommt, dass für den Anbau der Sojabohne häufig Regenwald abgeholzt wird. Die Organisation Bio Suisse , Link öffnet in einem neuen Fensterist damit nicht einverstanden. Auf das Jahr 2022 hin sollen strengere Regeln gelten: Künftig sollen Bio-Bauern als Kraftfutter für Wiederkäuer nur noch Soja aus Schweizer Bio-Produktion verwenden dürfen.

Landwirt Patrick Wälchli bewirtschaftet den Sonnenhof. Seit 20 Jahren baut er Soja an. Er war damals ein Pionier: «Ich bin von Grund auf einer, der Innovatives sucht.» Er habe schon früher mit den Forschungsanstalten zusammengearbeitet und bei Soja-Versuchen mitgemacht.

Zweieinhalb Tonnen Soja pro Hektare

So richtig geklappt habe es aber nicht. Die Sojapflanze sei damals zu wenig an die Schweizer Bedingungen angepasst gewesen: «Im Mai bei der Aussaat war es zu kalt, im Herbst bei der Ernte zu nass.» In der Zwischenzeit gebe es aber bessere Sorten, die ideal seien für das Klima im Thurgau.

Wälchli ist einer der Biobauern, die für Bio Suisse Schweizer Soja anpflanzen. Auf einer Fläche von einer Hektare ernte er rund zweieinhalb Tonnen Soja. Weit reiche dies nicht. Nur gerade zehn Kühe könnten davon ein Jahr lang fressen.

Auch sonst ist die Schweiz noch lange nicht so weit, das ambitionierte Ziel von Bio Suisse zu erreichen. 300 Hektaren Soja – das entspricht 450 Fussballfeldern – werden in der Schweiz angebaut. Wenn ab dem Jahr 2022 die neuen Regeln in Kraft treten und die Biobauern für Wiederkäuer nur noch Schweizer Bio-Kraftfutter brauchen dürfen, braucht es eine zehnmal grössere Fläche.

Unkraut macht Sojapflanzen das Leben schwer

Das sei machbar, sagt Hansueli Dierauer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick. Der Agronom tüftelt schon seit vielen Jahren am optimalen Proteinfutter.

Er kennt die Herausforderungen des Soja-Anbaus bestens: Das grösste Problem seien die Unkräuter, weil keine Herbizide eingesetzt werden könnten. «Soja braucht viel Wärme und sie wächst langsam. Es braucht deshalb viel Zeit, bis sie die Unkräuter überdecken kann.»

Trotzdem sei es möglich, innert zweier Jahre vom Import-Soja zu Schweizer Bio-Kraftfutter zu wechseln. Dies allerdings nur dann, wenn neben der Soja auch andere Pflanzen aus der Familie der Hülsenfrüchte als Tierfutter angebaut würden. Das könnten etwa Ackerbohnen sein.

Schweizer Futter für Schweizer Schlachtvieh

Auf dem Sonnenhof zwischen Bürglen und Weinfelden ist Biobauer Wälchli mit seiner Ernte zufrieden. Für ihn sei es eine Frage des Prinzips, dass er bei den Versuchen mitmache. Wenn man von Schweizer Fleisch spreche, müsse man dafür sorgen, dass alles aus der Schweiz komme – auch das Kraftfutter für die Kühe.

Zudem gebe es auch ökologische Aspekte: Die Lebensmittelindustrie müsse merken, dass man nicht alles aus Brasilien importieren muss. «Es geht auch aus der Region», ist Wälchli überzeugt.

SRF 4 News aktuell vom 30.9.2020, 9.50 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Markus Kotthaus  (Alcheringa)
    Kühe fressen von Natur aus Gras. Es ist völlig unnötig diese mit "Kraftfutter" wie Mais oder Soja zu füttern. Das Fleisch würde langsamer wachsen aber qualitativ hochwertiger sein. Der CO² Ausstoß bei der Fleischproduktion ist höher als im Individualverkehr. Wir alle sollten weniger, dafür aber gutes Fleisch konsumieren.
  • Kommentar von Max Wyss  (Pdfguru)
    Die Frage ist, warum Soja den Tieren verfüttert werden soll…

    Soja ist ein sehr vielfältiges und gutes Menschenfutter…
  • Kommentar von Peter Wiesner  (Peter P. Wiesner)
    Wenn ich das lese: "Bio"-Kraftfutter....
    Kühe fressen Gras und dies seit Menschengedenken.
    Ich konnte mich an einen Coop-Artikel erinnern, war schon eine Weile her: "Wiesenland Schweiz: Gras statt Soja" - Artikel vom 7.12.2012