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38'000 Menschen werden in der Schweiz jährlich ausgesteuert
Aus Tagesschau vom 18.11.2019.
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Trauma der Aussteuerung Es würde sich lohnen, über das System nachzudenken

Der Grossteil der ausgesteuerten Arbeitslosen findet innert Jahresfrist wieder einen Job. Dies zeigt eine Auswertung des Bundesamts für Statistik. Was erfreulich scheint, wirft aber grundsätzliche Fragen auf.

Anderthalb Jahre bekommen Arbeitslose Zeit, um nach einem Stellenverlust eine neue Arbeit zu finden. Ab 55 sind es zwei Jahre, ab 61 zweieinhalb. Das tönt nach einem sorgfältig austarierten System, das die grösseren Schwierigkeiten älterer Arbeitssuchender auf dem Arbeitsmarkt angemessen berücksichtigt.

Psychische Belastung und finanzielle Nöte

Bei durchschnittlich 38'000 Personen allerdings versagt das System – Jahr für Jahr. Ihnen reicht die Zeit nicht, die ihnen die Arbeitslosenversicherung zugesteht, um eine neue Stelle zu finden. Sie werden ausgesteuert, gelten statistisch nicht mal mehr als arbeitslos. Zur psychischen Belastung kommen die finanziellen Nöte hinzu: Taggeld gibt es keines mehr. Und Sozialhilfe auch nicht, solange nicht der Grossteil des Ersparten aufgezehrt ist. Ein Albtraum.

Der hoffnungsvolle Schluss aus den Zahlen der Statistiker des Bundes: Von den 38'000 Ausgesteuerten finden gut 20'000 innert Jahresfrist eine neue Stelle. Schlechter bezahlt – und auch weniger sicher. Aber immerhin. Dennoch stellt sich die Frage: Hätte die Arbeitslosenversicherung diesen 20'000 das Trauma der Aussteuerung nicht ersparen können? Indem sie ein Jahr länger Zeit gehabt hätten, eine Arbeit zu finden, die ihren Ansprüchen zwar nicht mehr ganz genügt. Aber besser ist als gar keine Arbeit.

Ein Zusatzjahr könnte sich lohnen

Die Bezugsdauer der Arbeitslosengelder einfach um ein Jahr zu verlängern, kostet. Und mag in manchen Fällen auch falsche Anreize setzen. Deshalb wäre der Umfang der Leistungen im Zusatzjahr zu diskutieren. Selbst mit einem kostenneutralen Ansatz könnten die Arbeitslosengelder über eine längere Zeit ausgeschüttet werden, indem die Taggelder stufenweise sinken.

Ein Nachdenken über Anpassungen im System dürfte sich lohnen. Denn ein Nutzen scheint gewiss. Ein Grossteil der heute noch Ausgesteuerten fände wieder Arbeit, ohne zuvor schmerzhaft durch die Maschen des sozialen Netzes gefallen zu sein.

Roman Mezzasalma

Roman Mezzasalma

Leiter Wirtschaftsredaktion Fernsehen SRF

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Nach dem Ökonomie-Studium arbeitete Mezzasalma von 1992 bis 1995 als Wirtschaftsredaktor bei Radio SRF, danach als USA-Korrespondent in San Francisco. Während neun Jahren war er bei einer Grossbank und in einer eigenen Kommunikationsagentur tätig. 2010 kehrte er als Leiter der Radio-Nachrichtenredaktion zu SRF zurück. 2018 wechselte er in die Wirtschaftsredaktion TV.

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52 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    @anreiner: Haben Sie sich mit Friot und den Vorschlägen des Reseau Salariat auseinandergesetzt? Oder wird da einfachso vorbeugend abgewunken? "Arbeit als erschaffen von Dienstleis./Produkten angesehen" ist eine Reduktion von Arbeit zur beliebigen Ware, die wie beobachtet werden kann krank macht . Arbeit ist eine menschliche Konstante, die existenziell ist. Kinder, wenn sie spielen arbeiten ständig mit unerschöpflicher Energie/Freude. Tun und tätig sein, das gehört in unsere Hand.
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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Das ist eine der Quittungen für die Personenfreizügigkeit!
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    keine iv, keine alv, keine sozialhilfe, da bleibt alten, kranken, ausgesteuerten nur der pk-vorbezug und hoffen auf einen frühen tod.
    und wer glaubt, das betreffe nur schlecht ausgebildete, der wird sich wundern. auch mit hochschulabschluss kann man in die altersarmut geraten, wenn man krank wird. die versicherungen, in die man ein leben lang einzahlt, lassen einen fallen wie eine heisse kartoffel, sobald man sie braucht. das ist traumatisch und macht krank und ist kein grund für häme und spott
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