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Yves Bollier träumt vom eigenen Bauernhof
Aus Rendez-vous vom 07.01.2019.
abspielen. Laufzeit 05:55 Minuten.
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Traumberuf Landwirt Städter will Bauer werden – und das ist gar nicht so einfach

Yves Bollier will Bauer werden – mit eigenem Betrieb. Doch das dürfte für den 15-jährigen Stadtzürcher nicht leicht werden.

Yves Bollier will Bauer werden. Das weiss der blondschopfige Sekschüler schon lange. Er hat zwar auch als Pferdepfleger und Forstwart geschnuppert, entschied sich aber für die Landwirtschaftslehre. Auf dem Feld und mit Tieren zu arbeiten, ist das, was er will.

Der Bauer ist sein eigener Chef

Sein Wunsch Bauer zu werden, wirkt auf den ersten Blick exotisch. Denn Yves ist in einem urbanen Umfeld aufgewachsen. Seine Mutter ist Familien- und Paartherapeutin, sein Vater Geschäftsführer eines Kleinunternehmens in der Region Zürich. Aber bereits als Fünfjähriger hat Yves seine Ferien regelmässig auf einem Bauernhof in der Region verbracht und dort angepackt.

Er weiss denn auch, dass diese Arbeit hart ist. Dafür sei man sein eigener Chef. «Man kann die Arbeit selber planen und arbeitet mit Tieren», sagt der 15-Jährige. Das mache ihm am Bauernberuf am meisten Spass.

Anlaufstelle für Hofsuchende

Der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, Markus Ritter, findet Yves Entscheid gut. Auch wenn er anfügt, dass solche Bauernlehrlinge wie Yves die Ausnahme seien. Denn mindestens 90 Prozent der neuen Landwirte seien solche, die bereits auf einem Bauernhof aufgewachsen seien, also Bauernsöhne und -töchter.

Kühe auf einer Wiese.
Legende: Ein konventioneller Betrieb mit Hochleistungskühen: Das wünscht sich der angehende Bauernlehrling Yves Bollier. Imago

Trotzdem will Yves Landwirt lernen und Landwirt sein – so, wie man sich einen Bauern vorstellt: mit Land und Hof. Genau für solche Leute gibt es bei der Kleinbauernvereinigung die Anlaufstelle für Hofsuchende. Dort werden derzeit 80 Personen betreut, die einen Bauernhof suchen, und zehn, die ihren Hof veräussern wollen.

Ein Bauernhof mit Hochleistungskühen

Der angehende Bauernlehrling Yves hat eine klare Vorstellung, was für einen Betrieb er einmal führen will: keinen romantischen Bergbauernhof. Er möchte konventioneller Landwirt sein, am liebsten mit Ackerbau und Milchwirtschaft. Yves träumt von einem grösseren Betrieb «mit Hochleistungskühen». Am liebsten wäre ihm ein Hof in der Region Zürich.

Genau das aber sei das Problem, sagt Severine Kuriger von der Kleinbauernvereinigung. Im Mittelland würden zwar auch Bauernhöfe aufgegeben. Doch weitergeführt würden nicht alle. Dafür werden die, die übrig bleiben, immer grösser. «Wenn Betriebe innerhalb der Familie keinen Nachfolger haben, verpachten die meisten Besitzer ihr Land an einen anderen Bauernbetrieb.» Deshalb kämen diese Höfe gar nie auf den Markt. Bessere Chancen für Bauern-Einsteiger bestünden im Berggebiet.

Zwei Millionen oder eine Bauerntochter

Trotzdem gilt für Bauernpräsident Ritter nach wie vor die Regel: Bauer oder Bäuerin wird, wer bereits auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Auch Yves ist sich dessen bewusst. Er weiss, dass es sehr teuer ist, aus dem Nichts einen Hof zu übernehmen. «Etwas selber besitzen wird wohl nichts. Das kostet schnell mal zwei Millionen.»

Damit schätzt der angehende Bauernlehrling seine Situation realistisch ein. Deshalb käme für ihn wohl eher eine Miete, also eine Pacht, infrage. Aber auch einen Hof zu pachten ist schwierig und teuer. Denn für Traktor und Tiere muss man schnell mal ein paar Hunderttausend Franken hinlegen.

Trotzdem glaubt Yves an seinen Traum. Vielleicht findet er ja eine Frau, die von einem Bauernhof kommt. Denn, so Ritter: Die eleganteste und einfachste Lösung für einen Nicht-Bauernsohn zu Land und Hof zu kommen sei immer noch, eine Bauerntochter zu heiraten.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
    Hochleistungskühe werden regelm. m.Antibiotika versorgt u.dies vor allem wegen Euterentzündung.Sogar vorsorglich wird Antibiotika direkt i.d. Zitzen gespritzt.Da gäbe es Tatsachenberichte ü/resistente Keime.Und Hochleistungskühe sehen kaum Grasland.Hochindustrieller Prozess - ganz nach Richtlinien EU.Dioxin im Futter.Kontrollen Versagen.Lieber Yves:immer mehr Menschen suchen deshalb Demeter BH auf.Träume v.glücklichen Hornkühen u.gesunder Milch.Und alle haben Hörner,üppiges Grasland o/Glyphosat.
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  • Kommentar von Thilo Arlt  (Der Strahler)
    Der Artikel gehört eher in die Rubrik „Kontaktanzeigen“. Landwirt sein hat noch mehr Vorzüge: Man kann, geschützt durch das bäuerliche Bodenrecht, billig Grundstücke kaufen, muss den Diesel nicht versteuern, braucht am Traktor keinen Partikelfilter, hat viele Freunde in der Politik...
    Wenn ich mal gross bin, werde ich auch Bauer.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      @Arlt:Und die Arbeit macht sich von selbst? Selten so Doofes gelesen...
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    2. Antwort von Roman Loser  (Jessica)
      Brauchli,ich schliesse mich Ihrer Meinung an!
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    3. Antwort von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
      Ich bin Farmer.. seit etwa 15 Jahren .. war schon ""sehr gross"" als ich angefangen hatte.. bin bald 80 und arbeite jeden Tag von 5 - fertig.. und ich wolte nie einer werden.. Bauer.. nun Sie stellen sich es zu leicht vor... als Farmer / Bauer braucht man "Speutz" den aber scheinen Sie nicht zu haben..
      Es braucht mehr als nur das moechte ich auch...!.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Finde es trotzdem ein wenig schade, dass ein so Junger sich einen konventionellen Betrieb mit Hochleistungskühen wünscht. So, wie man sich einen Bauern vorstellt... ich zähle mich nicht zu "man", ich finde es schade, gerade in der heutigen Zeit.
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    1. Antwort von Roger Stahn  (jazz)
      Beppie Hermann, bitte sehen Sie es so, wenn Yves seine Person bewahren wird, dann wird er die Problematik der Hochleistungskühen erkennen können und entsprechend handeln. Jetzt schon zum Vorherein diesen tollen Jungen zu tadeln, ist schlicht fehl am Platz.
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Tadeln ist falsch gewählt, habe meine Enttäuschung kundgetan, mich gegen die Pauschale "man" verwahrt. Gerade Teenies wollen unbedingt manches besser machen, tun sich auch medial hervor wie zB Greta Thunberg od.Boyan Slat, der mit 16 "The Ocean Cleanup" aufzog od.Felix Finkbeiner, der mit 9 „Plant for the Planet“ gründete, wofür er schon mehrmals um den Globus geflogen ist od."Generation Gap", wo Lynn meinte, vorab Junge sich um die Umwelt sorgten... Spez.Jungbauern sollten mE endlich umdenken.
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