MPS steht für «Movimento per il socialismo», zu Deutsch «Bewegung für den Sozialismus» und scheint daueraktiv zu sein. Sie lanciert Referenden und Initiativen, organisiert Demonstrationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und positioniert sich klar gegen Rechtspopulismus und Neofaschismus. Hinter der Partei stehen vor allem zwei prägende Figuren – eine davon ist Matteo Pronzini. Er ist 55-jährig, gelernter Metzger und heute Gewerkschafter.
Pronzini fällt durch seine angriffigen Auftritte auf. Konflikte mit Behörden sind für ihn nichts Neues: So stand er etwa vor Gericht, nachdem er der Stadtverwaltung Bellinzona mafiöse Methoden vorgeworfen hatte – wurde jedoch freigesprochen.
Pino Sergi ist der andere MPS-Kantonsrat. Er ist rund 15 Jahre älter als Pronzini und pensionierter Lehrer, tritt ruhiger auf, vertritt aber ebenso konsequent klassenkämpferische Positionen. Gemeinsam prägen sie die Partei stark – und werden dabei von mehreren Dutzend aktiven Sympathisanten unterstützt, die regelmässig an Demonstrationen teilnehmen.
Eine Protestpartei mit Einfluss
Die MPS auf der Strasse erinnert Beobachter an die Anfangszeit der Lega dei Ticinesi. Laut dem Tessiner Politologen Oscar Mazzoleni übernimmt die MPS heute teilweise deren Rolle als Protestpartei – insbesondere, weil die Lega inzwischen selbst Regierungsverantwortung trägt.
Die MPS beschränkt sich jedoch nicht auf Protest: Sie arbeitet aktiv im Parlament mit und ist besonders erfolgreich darin, Referenden zu mobilisieren und politische Debatten anzustossen.
Politisches Unikum mit eigenem Profil
Trotz ihrer klaren Positionierung am äussersten linken Rand geht die MPS immer wieder auch Allianzen ein – teilweise bis ins bürgerliche Lager. Gleichzeitig unterscheidet sie sich von anderen linken Kleinparteien in der Schweiz: So gilt sie als deutlich EU-skeptischer als etwa vergleichbare Gruppierungen in der Deutschschweiz oder Romandie.
Zwar befürworten Pronzini und Sergi eine engere Zusammenarbeit mit Grünen und SP, ein Anschluss an die Sozialdemokratische Partei kommt für sie jedoch nicht infrage.
Politik als Lebensinhalt
Die MPS ist äusserst aktiv: Kundgebungen, parlamentarische Vorstösse und Medienmitteilungen gehören zum Alltag. Für Pronzini und Sergi scheint Politik mehr als nur ein Beruf zu sein – eher eine Lebensaufgabe. Beide treibt der Kampf gegen die Ungerechtigkeit an, der Kampf der Ohnmächtigen gegen die Mächtigen.
Auf die Frage, ob das Privatleben unter diesem Dauerengagement leide, antwortet Pronzini mit einem Lachen: Natürlich gebe es gelegentlich Einwände aus dem persönlichen Umfeld – dann müsse man eben Kompromisse finden. Ein Prinzip, das die MPS in der Politik selbst allerdings nur selten anwendet.