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Bioresonanz: Eso-Arzt verhindert Überlebens-Chance
Aus Kassensturz vom 09.02.2021.
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Verschwörungstheoretiker Bioresonanz: Esoterik-Arzt verhindert Überlebens-Chance

Der Arzt Manfred Doepp behandelte einen Krebspatienten mit einer in diesem Fall nachweislich wirkungslosen Methode.

«Mein Vater hat an Doktor Doepp festgehalten, weil er ihm Hoffnung gab. Der Arzt sagte ihm nicht, wie die Prognose aussah, sondern versprach, mit dem und dem leben Sie weiter.» Mit «dem und dem» sind allerlei Nahrungsergänzungsmittel gemeint und das Bioresonanzgerät Timewaver. «Ich weiss nicht, wie stark ein Mensch manipuliert werden kann, aber es ist extrem, wie Doepp das gemacht hat», sagt die Tochter.

Der Vater starb mit 63 Jahren an Krebs. Zuvor war er bei Manfred Doepp in Behandlung. Die hinterbliebenen drei Kinder und die Lebenspartnerin kritisieren, dass Doepp den Vater – nennen wir ihn B. – medizinisch falsch behandelt habe. Die Tochter sagt: «Im Nachhinein sieht man, wie lange Papi mit einer richtigen Therapie vielleicht hätte länger kämpfen können, hätte man früher damit angefangen. Das gibt uns allen zu denken.»

Stellungnahme von Manfred Doepp

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Wie ist es möglich, dass ein Arzt trotz monatelanger Behandlung mit dem Timewaver einen Krebs nicht entdeckt? Manfred Doepp sagt, der Timewaver sei nicht gedacht für die Behandlung und Erkennung von Krebs. «Denn der Krebs ist ein Symptom, das am Ende einer langen Ursachenwirkungskette auftaucht.» Nur die «seelischen und die körperlichen Hintergründe» würde er erkennen.

«Kassensturz» kritisiert, dass der Arzt B. schulmedizinische nie untersucht hat. Dies sei auch nicht nötig, sagt Manfred Doepp dem «Kassensturz». Erkenntnisse aus der Anamnese, Erfahrung und sein klinischer Blick würden genügen: Denn sein klinischer Blick sei exzellent. «Das wurde mir über alle 50 Jahre, die ich tätig bin, immer wieder bestätigt.»

Manfred Doepp sagt, er habe nie gewusst, dass sein Patient ein Krebsleiden habe. Er ist der Meinung, dass dies zum Zeitpunkt seiner ersten Behandlung auch nicht der Fall war.

Zum Vorwurf von Professor Thomas Cerny, es sei «kriminell», wie Manfred Doepp seinen Patienten behandelt habe, was möglicherweise eine erfolgreiche Behandlung verunmöglicht hat, sagt Manfred Doepp, er habe erst im Dezember vom Krebs erfahren. Er hätte ihn sonst zu einem Spezialisten geschickt, was er in solchen Fällen sonst mache.

Arzt betrachtet die Coronakrise als Fake

In der Szene der teilweise rechtsesoterisch angehauchten Verschwörungstheoretiker ist der Sankt Galler Arzt Manfred Doepp ein kleiner Star. Er ist omnipräsent im Internet: Seine Vorträge sind auf Youtube, er doziert in TV-Kanälen und schweift dabei in rechtsesoterisches Gedankengut ab. Die Coronakrise beispielsweise gebe es gar nicht: «Es ist ein Fake. Es wäre ohne weiteres möglich, das Ganze ohne Impfungen zu beenden.»

Manfred Doepps liebstes Gerät ist der Timewaver, das bekannteste von vielen ähnlich funktionierenden Bioresonanzgeräten. Der Timewaver ist eine Art Scanner für den menschlichen Körper. Er diagnostiziere und heile zugleich. Dies geschehe zum einen über das sogenannte Informationsfeld, das «jeder Mensch um sich hat», zum anderen mit Hilfe des «universellen Informationsfeldes». Doepp behauptet: «Wir können in der Vergangenheit arbeiten und in der Zukunft.»

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Arzt Manfred Doepp erklärt, wie mit dem Timewaver eine Fernbehandlung stattfinden kann.
Aus Kassensturz vom 09.02.2021.
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Ärzte diagnostizieren Lungenkrebs

Der Timewaver misst auch die Aura. Sie soll Aufschluss über den Charakter einer Person geben. Naturwissenschaftlich lässt sich nichts von all dem nachweisen. B. wurde von Doepp mit dem Timewaver von Ende Juli bis Dezember 2019 behandelt. Das Gerät durchleuchtet den gesamten Organismus – inklusive Psyche, Bewusstsein und Spiritualität. Er misst sogar die Aura. Sie soll Aufschluss auf den Charakter einer Person geben. Die Kur findet zum Teil via Fernbehandlung statt.

Die Zusatzversicherung übernimmt die Behandlung. Sie kostet pro fünf Minuten 17 Franken. B. bezahlte für eine einzige Sitzung 656 Franken. Es waren mehrere Sitzungen.

Gegen Ende 2019 geht es B. immer schlechter. Dr. Doepp erstellt mit dem Timewaver regelmässig Analysen. Im Januar 2020, ein halbes Jahr nach Doepps Behandlungsbeginn, diagnostizieren Onkologen im Zürcher Triemli-Spital Lungenkrebs mit Metastasen im Hirn. Nicht mehr heilbar, für Behandlungen ist es zu spät.

Scientology lässt grüssen

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Geräte wie Doepps Timewaver, gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen von miteinander konkurrierenden Herstellern. Alle beziehen sich auf die Theorien des Scientologen Franz Morell. Die Nähe zur Scientology-Sekte besteht sowohl beim Timewaver als auch bei Geräten der beiden Schweizer Firmen Regumed und Vitatec: Die eine Firma wurde von einem Scientologen gegründet, bei der anderen ist der Chef Scientologe.

«Da ging ein halbes Jahr verloren»

«Kassensturz» dokumentierte Thomas Cerny mit dem Fall. Der Professor ist Präsident der Krebsforschung Schweiz und einer der renommiertesten Krebsforscher im Land. Gemäss Cerny war der Krebs zum Zeitpunkt von Doepps Untersuchung im Juli 2019 längst vorhanden. Man habe wertvolle Zeit verloren: «In diesen Monaten hat der Tumor, der am Anfang hoffentlich limitiert war, wahrscheinlich Ableger im Hirn gemacht. Da ist ein halbes Jahr verloren gegangen. Eine kleine Ewigkeit für die Diagnose eines Lungenkrebses. Hier hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit die Chance, dass der Tumor noch eine gute Prognose gehabt hätte, vertan.»

Kassensturz, 09.02.2021, 21:05 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Franziska Beetschen  (Himbeeri)
    @SRF...n was bitte ist ein Esoterik Arzt ?

    Esotteriker werden ja als Menschen beschrieben, die sich auf den inneten Weg machen... Oder liege ich da falsch?
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  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    Die Gesetzgebung ist hier eindeutig. Eine Massnahme zu Lasten der gesetzlichen KK muss „wzw“, d.h. wirksam, zweckmässig u. wirtschaftlich sein, damit sie solidarisch von allen Versicherungsnehmern einer KK gezahlt werden darf. Nichts davon trifft hier zu u. man hätte es so bewerten müssen. Unabhängig davon ist auch noch der kriminelle Hintergrund, der durch Unterlassung durch den Scharlatan Doepp entstanden ist, zu bewerten. Hier ist durch „Nichtstun“ jemand verstorben.
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  • Kommentar von Damian Derungs  (Domino)
    Was der typ erzählt ist unbestreitbar unfung. Jedoch finde ich die aussage der kinder halt auch fraglich. Er hätte noch länger kämpfen können. Sorry aber wie selbstgefällig ist das denn bitte. Bloss weil man selber auf den tod eines verwandten nicht klar kommt, den noch länger leiden sehen zu wollen, nur das er am ende doch dahin siecht.
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    1. Antwort von Célestine Previtali  (Célestine Previtali)
      Das war überhaupt nicht selbstgefällig gemeint von den Kindern. Weder wollten diese ihren Verwandten weiter leiden sehen noch zwingten diese ihn zum kämpfen.