Zum Inhalt springen

Header

Video
«Corona-Krise: was bleibt?» – Teil 4 Notversorgung
Aus 10vor10 vom 04.06.2020.
abspielen
Inhalt

Versorgung nach Corona Kommen Masken, Antibiotika und Co. künftig aus der Schweiz?

Während der Krise wurden Waren wie Schutzmasken oder Schmerzmittel mancherorts in der Schweiz knapp. Diese Produkte künftig hierzulande herzustellen verspricht mehr Sicherheit – hat aber seinen Preis.

Kaum jemand hätte vor der Corona-Krise damit gerechnet, dass OP-Masken, Schutzkittel oder bestimmte Schmerzmittel in der Schweiz zu Mangelware werden könnten. Und doch: die reiche Schweiz, Heimat innovativer Pharmakonzerne und eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, beklagte Engpässe bei einfachen medizinischen Gütern.

Es fehlten Produkte, die nicht mehr in der Schweiz oder Europa, sondern in Asien hergestellt werden – aus Kostengründen. Viele Engpässe in den letzten Wochen konnten durch Importe rasch behoben werden. Trotzdem drängt sich die Frage auf: sollen künftig mehr medizinische Grundprodukte hierzulande hergestellt werden?

Die Krise als Chance

Das würde die Versorgungssicherheit in der Schweiz erhöhen, sagt Stefan Grösser. Der Professor für strategisches Management an der Fachhochschule Bern beschäftigt sich mit Entscheidungen in komplexen Systemen. Käme die Produktion für bestimmte Güter zurück in die Schweiz, «dann hätte die Schweiz als Nation eine bessere Kontrolle über die Produktionskapazität und entsprechend im Notfall eine schnellere Versorgung», so Grösser.

Bei OP-Masken ist das schon der Fall. Bei Felix Schönle, Geschäftsführer der Wernli AG, ist im April die erste Maschine eingetroffen, die künftig OP-Masken für Spitäler in Rothrist produzieren wird. Eigentlich sollten bei der Firma Wernli, die medizinisches Verbandsmaterial herstellt, Arbeitsplätze wegfallen. Nun braucht es mehr Leute. «Wir werden locker wieder verdoppelt», freut sich Schönle. Seine Auftragsbücher sind voll, für die nächsten Monate kann er keine zusätzlichen Bestellungen annehmen.

Grafik Chancen
Legende: SRF

Kosten sind das grösste Risiko

Und danach? Im Moment seien seine Masken zwar günstiger, als solche aus dem Ausland. Langfristig schätzt er aber, dass ihr Preis ein Drittel über dem Preis von Masken aus Asien liegen wird. «Wenn wir ganz schnell wieder zur Normalität zurückwollen und jeder Rappen am Schluss wichtig ist, sehe ich etwas schwarz», so Schönle.

«Ein Risiko ist mit Sicherheit, dass die Kosten explodieren, wenn man die Produktion unkontrolliert in die Schweiz zurückholt», so Stefan Grösser. Das gilt für Masken wie für andere Produkte. Grösser rät deshalb, genau zu evaluieren, welche Produkte für das Gesundheitssystem besonders wichtig sind. Bei der Produktion von Wirkstoffen für Medikamente sei auch eine Kooperation mit anderen europäischen Ländern denkbar.

Grafik Risiken
Legende: SRF

Potenzial: ja, aber

Produktionskapazitäten für medizinische Wirkstoffe sind besonders teuer und komplex. Sollen diese künftig wieder in der Schweiz produziert werden, braucht es wohl finanzielle Anreize für Pharmaunternehmen. Zuletzt haben die Räte den Bundesrat in der Sondersession beauftragt, die Voraussetzungen für die vermehrte Produktion von Medikamenten und Impfstoffen in der Schweiz zu prüfen.

Eine Rückverlagerung der Produktion wird sich trotzdem noch hinziehen. Selbst die viel simplere Maskenproduktion bei Wernli läuft noch stockend: die Maschinen klemmen, produzieren weniger als geplant. Trotzdem wird nach der Krise nicht mehr nur der Preis eines medizinischen Produkts den Ausschlag geben, glaubt Stefan Grösser. «Ich bin überzeugt, dass künftig mehr innerhalb der Schweiz und innerhalb Europas produziert wird. Das ist eine der wesentlichen Lehren.»

Grafik Potenzial
Legende: SRF

10vor10, 4.6.20, 21:50 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

33 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Oli Muggli  (Oli g)
    Wie egoistisch ist den dass!
    Wer produziert den für Afrika? Nur für die Schweiz, das geht gar nicht! Mehr Solidarität bitte, die Welt ist gross..... Ja ja...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Die Medikamentenherstellung im eigenen Land sollte eine Selbstverständlichkeit sein. DIe pure Profitgier der Pharma-Industrie hat zu der Verlagerung mit all den Risiken geführt. Was sich daraus noch alles ergeben kann, man sollte es sich besser nicht ausmalen. Sparmöglichkeiten gibt es genügend, man muss es nur wollen. Wieso müssen immer komplette Packeinheiten abgegeben werden wenn eine gezielte Menge ausreicht. Nein, da wird uns etwas von der Industrie vorgegaukelt und willfährig durchgezogen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dominik Nussbaum  (dnussbaum)
    Interessant finde ich, dass in der Grafik «zunehmender Nationalismus» als Risiko dargestellt wird, im Text aber nicht ansatzweise darauf eingegangen wird. Wie und warum ist Nationalismus ein Risiko? Hier wird Solidarität zum Nationalstaat hoffentlich nicht etwa mit Faschismus und Rechtsextremismus gleichgesetzt?
    Viel mehr sehe ich hier das Credo «global denken, lokal handeln» vertreten, welches nicht nur bei Medikamenten sondern in vielen anderen Industrien ebenfalls Anwendung finden müsste.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      doch, das wird er. das ist das konzept des sozialismus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen