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Wie sicher ist die Stromversorgung ohne Stromabkommen mit der EU?
Aus Rendez-vous vom 03.06.2021.
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Versorgungssicherheit Ausbautempo im Strombereich «nicht ausreichend»

  • Die Schweiz muss grössere Anstrengungen unternehmen, um die Stromversorgung längerfristig zu sichern. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) in ihrem Jahresbericht.
  • Die bisherigen Massnahmen seien mit Blick auf die Ausserbetriebnahme von Kernkraftwerken nicht ausreichend.
  • Die ElCom erinnert zugleich an politische Risiken, nachdem der Abschluss eines Stromabkommens mit der EU in weite Ferne gerückt sei.

Die Kommission begrüsst an einer Medienkonferenz die Pläne des Bundesrates zum Ausbau der Speicherwasserkraft um rund zwei Terawattstunden (TWh), um die heutige Selbstversorgungsfähigkeit zu erhalten – ebenso wie die erhöhten Zielwerte bei den erneuerbaren Energien. Ein beschleunigter Ausbau sei aber dringend notwendig.

Hoher Importbedarf im Winter

«Allerdings scheinen der ElCom die geplanten Massnahmen als nicht ausreichend», so die Kommission weiter. So steige der Importbedarf im Winterhalbjahr nach der Ausserbetriebnahme der Kernkraftwerke gemäss Energieperspektiven über längere Zeit auf weit über 10 TWh an.

Mit Verweis auf einen am Mittwoch veröffentlichten Bericht gibt die Kommission zu bedenken, dass die hohe Importabhängigkeit zu wesentlichen Risiken während langer Zeit führe, zumal die Exportfähigkeit der Nachbarländer durch die Reduktion beziehungsweise den Ausstieg aus Kern- und Kohleenergie verringert werde.

Politische Unsicherheiten

Gleichzeitig steige die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen im Ausland, sei dies von EU-Gremien oder von Regulatoren. Der Abschluss eines Stromabkommens sei in weite Ferne gerückt, was die politischen Risiken weiter erhöhe.

Angesichts der enormen Bedeutung einer sicheren Stromversorgung bedeutet es ein beträchtliches Risiko, das System über Jahre am Limit zu betreiben.
Autor: Elektrizitätskommission

«Angesichts der enormen Bedeutung einer sicheren Stromversorgung bedeutet es ein beträchtliches Risiko, das System über Jahre am Limit zu betreiben», schreibt die ElCom. Aufgrund dieser Überlegungen empfiehlt sie, dass in der Schweiz mindestens so viel Winterproduktion bereitgestellt wird, dass im Winterhalbjahr nicht mehr als 10 TWh importiert werden müssen.»

ElCom-Präsident: Kein Grund zu Alarmismus, aber…

ElCom-Präsident Werner Luginbühl betonte im «Tagesgespräch» von SRF, dass zwar kein Grund zum Alarmismus bestehe. Die Schweizer Stromversorgung sei eine der besten der Welt und für die nächsten Jahre gesichert: «Kurzfristig ist keine Gefährdung der Versorgungssicherheit zu erwarten.»

Mit der Ausserbetriebnahme der AKW und den Unabwägbarkeiten beim Stromabkommen mangels Rahmenabkommen bestünden aber Bedenken, ob die Importe immer mit der nötigen Sicherheit sichergestellt werden könnten, so Luginbühl. Es gebe Anzeichen, dass es bereits vor Ausserbetriebnahme der AKW zu Engpässen kommen könnte.

ElCom-Präsident Werner Luginbühl:
Legende: ElCom-Präsident Werner Luginbühl mahnt zur Eile beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Keystone

Lieber rechtzeitig anfangen

Der frühere Berner BDP-Ständerat und Regierungsrat sieht die heutigen Äusserungen als Warnruf an die Politik, auch wenn die bisherigen Zielvorgaben für die jeweiligen Jahre erreicht worden seien. «In Zukunft werden wir aber viel mehr zubauen müssen, und da sind wir unsicher, ob wir die Ziele erreichen werden können», sagt der ElCom-Präsident. Denn der Zubau brauche enorm viel Zeit, wobei die Solaranlagen noch am wenigsten zeitaufwändig seien.

ElCom: Versorgungsqualität sehr hoch

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Bei der Versorgungsqualität gehört die Schweiz in Europa laut der Elektrizitätskommission (ElCom)zu den Spitzenreitern: Im vergangenen Jahr waren jeder Endverbraucher und jede Endverbraucherin im Durchschnitt 21 Minuten von einem Stromausfall betroffen. Im Vorjahr waren es noch 19 Minuten gewesen.

Zudem hatte 2020 jeder Endverbraucher 0,32 Unterbrechungen pro Jahr. Das bedeutet, jeder Endverbraucher hätte im Durchschnitt alle 3,1 Jahre eine Störung. Damit sei die Stromversorgungsqualität in der Schweiz weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, schreibt die ElCom.

SRF 4 News, 03.06.2021, 12:00 Uhr;

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst von Allmen  (MEVA)
    Der Stromengpass kündet sich mit Riesenschritten an.
    Alles soll auf Elektrizität umgestellt werden. Nur wurde vergessen die Produktion frühzeitig abzusichern.
    1. Antwort von robert mathis  (veritas)
      Herr v. Allmen genau so ist es und die vielen Befürwortern der Solarpanels auf und an den Häusern sollte man bitte einmal die Gelegenheit geben das in der Nähe zu erleben wen man z.B. gegen Abend sich mit Storen schützen muss weil die Solarzellen derart blenden ,nicht zumutbar.....
  • Kommentar von Martin Stäheli  (Marsus)
    Im Winter billigen Kohlenstrom aus D oder Atomstrom aus F zu importieren funtioniert nicht mehr weil diese selber zuwenig Strom haben. Bauen wir doch noch mehr Wärmepumpen in die Häuser und mehr Elektroautos auf die Strasse, mal sehen was dann passiert...
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Jetzt wird es dann für die Stromanbeter richtig teuer. Woher dieser Strom stammt, ist ihnen mehr oder weniger wurst.