Weil es am Mittwoch fürs Tessin und weitere Teile in der Südschweiz nach sehr viel Regen aussah, sprach der Bund für Teile des Oberengadins die höchste Regenwarnung – Stufe fünf von fünf – aus. Im Norden des Tessins gab es ebenfalls eine Regenwarnung der Stufe vier.
Dennoch haben die heruntergeprasselten Wassermassen für keine grösseren Probleme und Schäden gesorgt. Warum? SRF-Meteorologe Mauro Hermann mit den Antworten.
Hat es doch nicht so viel geregnet?
Die Regensummen seit Mittwoch lagen in vielen Gebieten im Bereich der Erwartungen. Im Tessin fielen verbreitet 100 bis 120 Millimeter Regen und lokal bis zu 220 Millimeter. Auch in Teilen der Westschweiz und des Bündnerlands wurden 50 bis 100 Millimeter verzeichnet. In anderen Regionen, besonders im Wallis sowie im zentralen und östlichen Flachland, fiel aber doch etwas weniger Regen als erwartet. Wichtig zu beachten ist, dass grosse und warnwürdige Regenmengen nicht zwangsläufig zu verheerenden Folgen führen müssen. Zu einem gewissen Grad sind die Schweizer Natur und Infrastruktur auch auf grössere Regenmengen ausgerichtet.
Warum kam es nur vereinzelt zu Unwetterschäden?
Mehrere Faktoren könnten zusammengespielt haben: Zwischen den ersten Regenfällen und einer späteren Kaltfront gab es am Donnerstag vielerorts eine längere Pause, was vor allem den Fliessgewässern half. Bei grösseren Seen wurde kein Hochwasser erwartet, diese bieten im Spätsommer viel Kapazität und standen gerade im Süden überdurchschnittlich tief. Ein weiterer Faktor könnte der wenige Schnee in den Bergen sein. Bei solch nass-warmen Ereignissen entsteht oft viel Schmelzwasser, was bei diesem Ereignis nicht der Fall war. Zuletzt war die Bevölkerung auch gut durch die Behörden und Medien informiert und gewisse Vorkehrungen wurden getroffen.
Ist die Gefahr gebannt?
Die Gefahr von Erdrutschen und ansteigenden Bächen und Flüssen ist noch nicht vollständig gebannt. Der jetzige Regen kann für Ereignisse in der nahen Zukunft relevant sein. Gerade im Süden sind heute Abend starke Gewitter mit viel Regen in kurzer Zeit möglich. Zudem erwarten wir am Montag wieder flächigen Regen, wenn auch nicht mehr so viel wie in den vergangenen zwei Tagen. Es gibt also eine zeitliche Verknüpfung. Generell kann es 12 bis 24 Stunden nach starken Regenfällen noch zu Erdrutschen kommen.