Über 300’000 Solaranlagen produzieren in der Schweiz inzwischen Sonnenstrom. Das sei grundsätzlich eine erfreuliche Entwicklung, meint Matthias Egli, Geschäftsführer von Swissolar, dem Verband der Solarindustrie. «Fakt ist aber, dass die Nachfrage und Produktion noch nicht optimal abgestimmt sind.»
Im Moment haben wir Probleme, aber wir haben Möglichkeiten, wie wir damit umgehen können.
Beispielsweise droht dem Stromnetz wegen des vielen Sonnenstroms punktuell eine Überlastung. Gleichzeitig entstehen immer auch Kosten, um die Schwankungen zwischen Stromproduktion und Verbrauch auszugleichen. Kosten, die auf die Allgemeinheit überwälzt werden.
Eigenverbrauch als beste Lösung
Für die rund 600 Energieversorger in der Schweiz ist der viele Sonnenstrom nicht nur eine neue Situation, sondern auch eine Herausforderung. «Im Moment haben wir Probleme, aber wir haben Möglichkeiten, wie wir damit umgehen können», sagt Nadine Brauchli, Leiterin Energie beim Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen.
Verschiedene Lösungsansätze sind technisch erprobt und erschwinglich oder von Gesetzes wegen möglich. In der Branche gibt es allerdings einen Königsweg.
«Um das Netz zu entlasten, ist es wichtig, dass die Photovoltaikanlage-Inhaber den Eigenverbrauch erhöhen, also dass sie möglichst wenig Strom ins Netz einspeisen. Das ist eigentlich die beste Lösung», sagt Brauchli. Dazu könnten sie Batterien einsetzen.
Solarstrom rund um die Uhr
Diese Lösung wird heute schon umgesetzt. Praktisch jede neue Solaranlage wird inzwischen mit einer Batterie ausgerüstet, bestätigt Egli von Swissolar. Das helfe dem Netz, komme aber auch der Eigentümerin oder dem Eigentümer einer Solaranlage entgegen.
«Solarstrom ist heute nicht mehr einfach ein Tagesstrom, sondern ein 24-Stunden-Strom. Da kann ich viel mehr Strom selbst auch nutzen», sagt Egli. Der selbst produzierte Strom sei in der Regel auch günstiger als Strom aus dem Netz.
Batterien sind für das künftige Energiesystem unerlässlich.
Allerdings: Solche Batterien werden nicht nur in privaten Haushalten oder in Unternehmen installiert. Auch Schweizer Energieversorger planen oder bauen inzwischen solche Speichersysteme, wenn auch in viel grösserem Massstab.
Batterie für 800'000 Haushalte
So hat etwa der Berner Energiekonzern BKW diese Woche angekündigt, in Mühleberg direkt neben dem ehemaligen Kernkraftwerk eine riesige Batterie zu bauen. Diese soll ab 2030 rund 800’000 Haushalte während zwei Stunden mit Strom versorgen können.
Batterien sind für das künftige Energiesystem unerlässlich, ist Marcel Bühlmann, Leiter Grossbatterie bei der BKW, überzeugt. «Was wir in der Vergangenheit mit Pumpspeichern bewerkstelligen konnten in der Schweiz, wird bei künftigem Ausbau nicht mehr alleine dadurch bewältigbar sein, zumal deren Ausbaupotenzial limitiert ist», sagt er. Batterien seien flexibel und könnten kurzfristig auf Schwankungen reagieren.
Ob klein oder gross, das Prinzip der Batterie ist immer dasselbe. In Zeiten mit viel und günstigem Strom wird die Batterie geladen. Am Abend dann wird der Strom selbst verwendet oder wieder ins Netz zurückgespeist. So werden die Schwankungen innerhalb eines Tages ausgeglichen.
Dass dieses Zusammenspiel funktioniert, zeigt sich in Regionen mit viel Sonnenstrom, etwa in Kalifornien oder in Australien. Die Batterien ermöglichen somit, dass die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut, aber unliebsame Nebeneffekte reduziert werden können.