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WHO warnt: Immunität nach Covid-19-Erkrankung nicht sicher
Aus Echo der Zeit vom 25.04.2020.
abspielen. Laufzeit 03:48 Minuten.
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Viele offene Fragen Ist man nach überstandener Covid-19-Erkrankung wirklich immun?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat weiterhin keinen Beweis dafür, dass man nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung immun gegen eine neue Ansteckung ist. Sie warnt davor, Menschen nach ihrer Genesung einen sogenannten «Immunitätspass» auszustellen, damit diese beispielsweise früher zur Arbeit gehen könnten. Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel über den aktuellen Stand in der Forschung.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und spürt gerne den Fragen nach, die der wissenschaftliche Fortschritt unserer Gesellschaft stellt.

SRF News: Was weiss man über die Immunität nach einer Corona-Infektion?

Katrin Zöfel: Noch nicht unendlich viel. Was man sagen kann: Wenn jemand Covid-19 übersteht, dann hat das Immunsystem seinen Job gemacht. Es hat das Virus bekämpft. Die Frage ist jetzt: Ergibt sich daraus eine längerfristige Immunität oder nicht? Das ist noch offen.

Warum ist es so schwierig, hier eindeutige Antworten geben zu können?

Es fehlt einfach die Erfahrung. Das Virus ist erst seit Januar da. Man weiss, dass bei anderen Coronaviren die Immunität nach einer Infektion ziemlich verschieden ausfällt. Bei Erkältungsviren gibt es Immunität, sie hält aber oft nur ein Jahr. Nach einer Sars-Infektion hält die Immunität bis zu acht oder sogar zehn Jahre. Beim neuen Coronavirus muss man das alles erst anschauen.

Es gibt zudem Hinweise darauf, dass es eine Art Hintergrund-Immunität gibt. Das bedeutet, dass Menschen, die sich mit älteren Coronaviren angesteckt hatten (Erkältungsviren zum Beispiel), eine Art Teil-Immunität gegen das neue Coronavirus haben. Das ist eine mögliche Erklärung dafür, dass manche Menschen nur mild erkranken. Kurz gesagt: Es ist noch ziemlich unübersichtlich.

Genesener Covid-19-Patient in Wuhan spendet Blutplasma
Legende: Ein genesener Covid-19-Patient in Wuhan spendet Blutplasma. Keystone

Ergibt ohne garantierte Immunität das Konzept der Herdenimmunität überhaupt Sinn?

Herdenimmunität funktioniert tatsächlich nur dann wirklich gut, wenn der Schutz nach einer Infektion lange anhält. Deshalb funktioniert das bei Masern so gut. Die Immunität – egal ob durch Impfung oder Infektion – ist da lebenslang. Bei der Grippe verändern sich die Viren von Jahr zu Jahr.

Immunität schützt hier nicht unbedingt komplett vor weiteren Grippeviren. Aber da kombiniert sich im Normalfall trotzdem die Immunität, die nach einer Erkrankung oder durch die jährliche Impfung erworben wurde, zu einer recht guten Herdenimmunität. Ob es bei Corona je gelingen wird, ohne Impfstoff zu einer Herdenimmunität zu kommen, ist völlig offen. In jedem Fall wäre dieser Weg mit einem hohen Preis verbunden.

Was heisst diese Ungewissheit für die Impfstoff-Entwicklung?

Die natürliche Immunität und jene, die durch einen Impfstoff ausgelöst wird, hängen zusammen. So wie man zumindest auf eine teilweise oder vorübergehende Immunität nach einer Infektion hoffen kann, ist auch die Hoffnung begründet, dass man über einen Impfstoff Immunität auslösen kann. Die Frage ist: Wie lange hält sie? Wie oft muss man impfen, damit sie hält? Vielleicht muss man wiederholt impfen. All das ist offen und macht die Entwicklung eines Impfstoffs nicht unbedingt leichter.

Das Gespräch führte Simone Hulliger

Echo der Zeit, 25.4.2020, 18:00;

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85 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Prof. Drosten ging in einer frühen Folge seiner Podcasts mit ziemlicher Sicherheit von einer absolut wirksamen Immunität für Sars-Cov-2 aus. Verhindern wir die Ausbreitung und dehnen die Epidemie auf Jahre aus, bleibt die natürlich für die Katz. Man sollte dann schon den 'hohen Preis' mit dem von weiteren Ausbrüchen vergleichen, zumal wenn weiterhin wenig zum gezielten Schutz der Risikogruppe (der freiwillig sein könnte) unternommen wird.
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Ich Reihe mich unter jenen wissenschaftlichen Geister ein die auch objektiv gerechnet und kombiniert haben. Der grösste Durcheinander besteht in 2 Punkten. A was eine lineare Exponetialität im Gesensatz zu einer temporären Exponetialität(Corona)ist. Das bekannteste Beispiel ist die Schachbrett Exponetialität mit den Reiskörnern. Genau um eine solche lineare Exponetialität handelt es sich nicht. B. Die Zeitbestimmung ist um 10-20 Tage verzerrt deshalb stimmen unsere Schlussfolgerungen auch nicht
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  • Kommentar von Eva Werle  (Eva Werle)
    Und wir sind so schlau, erst die Vorsichtsmassnahmen abzubauen und dann zu fragen, auf was man vorher hätte achten müssen ....
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