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Noch sind die Antikörper-Tests zu wenig verlässlich
Aus Rendez-vous vom 15.04.2020.
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Bekämpfung der Corona-Pandemie Die Crux mit den Antikörper-Tests

Antikörper-Bluttests auf das neue Coronavirus gelten als Mittel, um eine Lockerung der Massnahmen zu begleiten. Doch so einfach ist es nicht mit den Resultaten.

Bei neuen Infektionskrankheiten dauert es normalerweise gut ein Jahr, bis Molekularbiologen wie Thomas Stauffer einen soliden Test in der Hand halten. Ganz anders aber ist es jetzt, wo es um Bluttests geht, die Antikörper auf das neue Coronavirus nachweisen sollen: «Die Schwierigkeit ist, dass diese Tests in kürzester Zeit entwickelt worden sind. Darum hat man das Gefühl und das Handling für diese Tests noch wenig.»

Stauffer ist Geschäftsführer des medizinischen Labors Medics, das im Auftrag von Ärztinnen und Ärzten diagnostische Tests durchführt.

Gefürchtete «Cross-Reaktivitäten»

Das Gefühl für einen Test zu bekommen, heisst zum Beispiel, dass man seine Genauigkeit kennenlernen muss. «SARS-Cov2 hat einen Vorläufer, das war SARS-Cov1. Dieser war etwa 2003 aktiv. Dann gibt es auch noch andere Coronaviren. Es kann zu sogenannten Cross-Reaktivitäten kommen. Die Schwierigkeit ist zu eruieren, wie spezifisch diese Tests sind.»

Im Falle von Cross-Reaktivitäten könnten die aktuell verfügbaren Tests auch auf andere Antikörper reagieren – nicht nur auf jene gegen das neue Coronavirus. Zudem konnten die Tests nicht mit annähernd so vielen Probanden validiert werden, wie das üblicherweise der Fall ist.

Schnelltests sind noch ungenauer

Der Test, den Thomas Stauffer validiert, stammt aus China. Weltweit gibt es derzeit nur eine knappe Handvoll Firmen, die solche Bluttests für Spezial-Labore herstellen können. All jene Schnelltests, die man im Internet kaufen kann, sind noch deutlich ungenauer und erlauben keine Aussage darüber, ob man die Antikörper gegen das neue Coronavirus tatsächlich im Blut hat.

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Antikörper gesucht: Testoffensive gegen Corona
Aus Rundschau vom 08.04.2020.
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Jan Fehr, Epidemiologe an der Universität Zürich, plant aktuell zusammen mit verschiedenen Hochschulen und Fachhochschulen eine Studie, die in der breiten Bevölkerung untersuchen will, wer schon Antikörper gegen das neue Coronavirus hat. Auch er fasst zusammen: «Die Antikörper-Tests, die verfügbar sind, sind noch nicht wirklich validiert.»

Darum lasse sich mit ihnen nicht verlässlich feststellen, wie weit die Infektion in der Bevölkerung bereits fortgeschritten sei. Fehr und sein Team legen diese Studie deshalb mittel- bis langfristig aus. Auch, weil bis in einigen Monaten hoffentlich noch bessere Antikörper-Tests auf den Markt kommen.

Nach der Krankheit immun?

Offen bleibt die Frage, ob die Menschen, die Antikörper gegen das neue Coronavirus im Blut haben, tatsächlich immun sind. Viele Virologen und Infektiologen antworten darauf ähnlich zurückhaltend wie Thomas Stauffer: «Man kann davon ausgehen, dass es eine gewisse Immunität gibt. Wie gut diese ist, wie lange sie anhält und ob sie wirklich mit den Antikörpern korreliert, das weiss man noch nicht.»

Das heisst: Wenn der Bundesrat am Donnerstag bekannt geben will, wie die aktuellen Massnahmen gelockert werden sollen, dann kann er dafür noch nicht auf genügend verlässliche Antikörper-Tests zählen.

Video
Licht in die Dunkelziffer – Projekt forciert Antikörpertests
Aus Puls vom 06.04.2020.
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Rendez-vous vom 15.04.2020

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14 Kommentare

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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    "Gefürchtete «Cross-Reaktivitäten" Was da alles gefürchtet wird? Vielleicht gibt es auch so was wie Kreuzimmunitäten? Was da Alles als Gefahr bezeichnet wird? Z.B. das Masernvirus, das immunologische Gedächtnis resetten kann. Könnte, wie die konkrete Praxis mit den Menschen und geneigter Beobachterin auch zeigt, dass da Allergien verschwinden. Das sprengt wohl den LaborDenkRahmen Unglaublich, was dieser hyperinflationierte Laborbereich, ein lukratives Geschäft, sich alles erlauben darf.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Hilfsmittel sollten als das benutzt werden, wozu sie da sind, als Hilfsmittel. Ob Labortechnologie, ob digitale Technologie. Werden diese zu Selbstzweck...wir in Vivo dieser Tage erfahren, was es dann wird. Gerade in der medizinischen Ausbildung brauchen wir wieder Kliniker, die immer vom Patienten, seinem Umfeld aus denken und handeln. Labortechnologie, auch wenn dies eine Fachrichtung ist, die junge Menschen anzieht, ist eine Hilfswissenschaft. Es kommt nie gut, wenn dies vergessen geht.
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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Es wurden schon eine Million getestet, d.h. es wurden wohl mehrere Millionen solcher sicher nicht billigen Tests verkauft für die verschiedensten Zwecke. Wenn ich dann lese (und aus der Ärztebekanntschaft höre), dass einige, (oder alle?) höchst unzuverlässig sind und das einige davon aus China kommen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Vorallem wenn ich gleichzeitig sehe wie unser sonst florierendes Geschäft bachab geht.
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Der Herdentrieb ist einfach immer wieder erstaunlich, Herr Müller. Genauso der kollektive Imminitätsaufbau. Beim Test, wird Kapital verwertet. Egal, ob es Sinn macht oder nicht. Das kann Kapitalismus. Hat es die letzten 40 Jahren mit Bravour bewiesen. Beim Letzteren kann kein Kapital verwertet werden. Das wird halt nicht so gerne gesehen in einer Gesellschaft, die die kapitale Botschaft, Wert hat nur, wer Kapital verwertet dermassen internalisiert hat. China lacht wohl ...
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    2. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Der Herdentrieb ist einfach immer wieder erstaunlich, Herr Müller. Genauso der kollektive Imminitätsaufbau. Beim Test, wird Kapital verwertet. Egal, ob es Sinn macht oder nicht. Das kann Kapitalismus. Hat es die letzten 40 Jahren mit Bravour bewiesen. Beim Letzteren kann kein Kapital verwertet werden. Das wird halt nicht so gerne gesehen in einer Gesellschaft, die die kapitale Botschaft, Wert hat nur, wer Kapital verwertet dermassen internalisiert hat.
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