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Mikroplastik in Schweizer Bergseen
Aus Schweiz aktuell vom 24.06.2021.
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Von Auge kaum zu sehen Auf der Suche nach Mikroplastik in der Bergwelt

Studierende der ETH Zürich suchen im Oberengadin nach Mikroplastik in Gewässern.

Der Inn fliesst idyllisch durch das Hochtal und der St. Moritzer ladet mit glasklaren Wasser zum Verweilen – soweit das Postkartenimage des Engadins. Doch wie sauber sind die Gewässer tatsächlich? Dies wollen Forschende nun herausfinden.

Studierende
Legende: Studentinnen und Studenten der ETH Zürich suchen im Oberengadin nach Mikroplastik. SRF

Sie sind auf der Suche nach Mikroplastik. Das sind Kunststoffteilchen, die kleiner als 5 Millimeter sind. Seit Anfang Mai entnehmen sie jede Woche an elf verschiedenen Stellen Wasserproben.

Der Schein trügt

An diesem Samstagmorgen ist ein Team beim St. Moritzersee beschäftigt. Mit dabei sind auch Studentinnen und Studenten der ETH Zürich. Eine von ihnen ist die angehende Umweltnaturwissenschaftlerin Helena Golling.

Viele würden denken, dass oben in den Bergen kein Mikroplastik zu finden sei. «Wahrscheinlich ist das aber leider nicht so», sagt die Studentin. «Wir nehmen an, dass wir Mikroplastik finden werden, das sieht man von Auge zum Teil gar nicht.»

Golling rechnet vor allem mit Textilfasern, die seien so leicht, dass sie durch die Atmosphäre transportiert werden könnten.

Trawl
Legende: Das Messgerät ist mit einem Wasserdurchfluss-Messer und einem Fangnetz für Kleinstteilchen ausgestattet. Claudio Spescha/SRF

Um dem Kleinstplastik auf die Spur zu kommen, wird ein sogenannter «Manta-Trawl» eingesetzt. Ein schwimmendes Gerät, das im Wesentlichen aus einem Schleppnetz besteht. Das Netz ist so engmaschig, dass selbst kleinste Teilchen hängen bleiben. Die Analyse der Proben wird später im Labor der ETH in Lausanne gemacht.

Ein weltweites Problem

Es sei das erste Mal, dass im alpinen Raum eine Mikroplastik-Studie über einen längeren Zeitraum durchgeführt werde, sagt Roman Lehner. Der Forscher gründete die Organisation «Sail & Explore Association», die weltweit in Gewässern zum Thema Mikroplastik forscht.

Er leitet die Untersuchungen im Oberengadin. In seinen Augen ist es wichtig, dass nun auch in der Schweiz eine solche Untersuchung gemacht wird. «Wir wollen zeigen, dass das Problem nicht nur in den Weltmeeren vorkommt.»

Das Bundesamt für Umwelt geht davon aus, dass in der Schweiz jedes Jahr rund 14'000 Tonnen Plastik in die Böden und die Gewässer gelangt. Hauptsächlich geschehe dies durch Abrieb oder durch die Zersetzung von Kunststoffprodukten.

Nachweis von Mikroplastik bereits erbracht

Den ersten Nachweis von Mikroplastik in den Gewässern des Oberengadins erbrachte Anna Sidonia Marugg aus Zuoz in ihrer Maturaarbeit. Mit einem selbstgebauten Messgerät fand sie an verschiedenen Standorten 22 unterschiedliche Arten von Plastik im Wasser. Ihre Arbeit wurde im letzten Jahr von «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet.

Forscherin
Legende: Anna Sidonia Marugg beim Daten sammeln für ihre Maturaarbeit. RTR

Die angehende ETH-Studentin ist jetzt auch bei der aktuellen Studie dabei. Für sie ist das die Gelegenheit, ihre Forschung zu vertiefen. «Nun geht es darum, noch mehr Daten über einen längeren Zeitraum zu sammeln», erklärt sie.

Die Messungen werden in den nächsten Tagen abgeschlossen. Welche Arten von Plastik die Forschenden gefunden haben und wie viel Kunststoff in den Oberengadiner Gewässern nachgewiesen wurde, sollte im Herbst klar sein, dann werden die Studienergebnisse vorliegen.

Schweiz Aktuell, 24.06.2021, 19:00 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Kim  (Lösungsorientiert)
    Jede Technologie hat Nebenwirkungen. So ist das nun einmal.
    Auch alle Erneuerbaren Energien haben Nebenwirkungen.
    Reifenabrieb gibt es auch bei Elektro Autos.
    Sprechen wir mal nicht von den Batterien, welche durch den Ressourcenverbrauch ziemlichen Umweltschaden anrichten.
    Die Eisenbahn produziert ebenfalls ja nach Land ziemlich viel CO2.

    Es ist eben nicht so einfach, wie man es gerne hätte.
    CO2 muss reduziert werden, dass ist klar. Einfache Lösungen gibt es keine.
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wie schon oft geschrieben, der Mensch vernichtet sich wegen seiner egoistischen Haltung und der Dummheit leider selber. Die Natur wird viele Jahre brauchen bis sie den Schaden die der Mensch angerichtet hat ausgeglichen hat. Wenn alle mithelfen würden, bevor sie Aufstehen, was tue ich heute und was kann ich besser machen, wäre schon ein Anfang.
  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Eine der wichtigsten "Mikroplastik-Schleudern" sind Autoreifen (Abrieb). Da hilft übrigens auch kein Elektroauto. (Es sei denn, es hätte Holzreifen...)

    Ebenfalls wichtig: Kleider (Viscose, GoreTex und all die "Supermaterialien"). Die Fasern "splittern" dann entweder draussen in freier Natur ab oder gelangen durch die Waschmaschine in die Abwässer.