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Von Finanzkontrolle geprüft Bundesamt für Umwelt soll abspecken

Legende: Audio Arbeitet das Umweltamt mehr als nötig? abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
01:52 min, aus HeuteMorgen vom 27.03.2018.
  • Luft, Wasser, Boden, Lärm: Das Bundesamt für Umwelt Bafu misst in zahlreichen Bereichen den Zustand der Umwelt, um daraus die nötigen Massnahmen abzuleiten.
  • Jetzt zeigt eine Prüfung der Eidgenössischen Finanzkontrolle: Es ginge auch mit deutlich weniger gemessenen Werten.

530 verschiedene Werte, sogenannte Umwelt-Indikatoren, misst das Bundesamt für Umwelt Bafu. 21 Millionen Franken hat es dafür im letzten Jahr ausgegeben.

International würden aber bloss 170 Indikatoren gefordert, stellt die Eidgenössische Finanzkontrolle fest. Nur jeder fünfte Indikator sei vom Gesetz vorgeschrieben.

Das Bafu mache eindeutig zu viel, sagt Andreas Baumann von der Finanzkontrolle: «Im Bafu sind sehr begeisterte Naturwissenschaftler. Es ist eine Luxuslösung. Es ist eine sehr wissenschaftliche Lösung. Es ist aber vermutlich nicht immer die wirtschaftlichste Lösung.»

Im Bafu sind sehr begeisterte Naturwissenschaftler. Es ist eine Luxuslösung.
Autor: Andreas BaumannEidgenössische Finanzkontrolle

Hinzu komme, dass bei einem Teil der Messwerte der Nutzen sehr gering sei, vor allem in den Bereichen Abfall, Klima, Lärm oder Biotechnologie.

Finanzkontrolle gibt Umweltamt Tipps

Finanzkontrolleur Baumann empfiehlt dem Bafu deshalb, wie abzuspecken wäre: «Zuerst könnte man unnötige Indikatoren reduzieren. Danach müsste man untersuchen, wie man wirtschaftlicher und effizienter werden kann.»

Mittels Automatisierungen gebe es diesbezüglich Möglichkeiten. So könne man zum Beispiel Drohnen einsetzen, um den Waldbestand zu erheben, sagt der Finanzkontrolleur.

Umwelt-Fachmann kontert

Beim Bundesamt für Umwelt kann man die Kritik teilweise nachvollziehen. Markus Wüest, Chef der Sektion Umweltbeobachtung, sagt, er sei «sehr einverstanden» damit, dass man nicht so viele Indikatoren produzieren müsse.

«Für unsere Kommunikation, für die Steuerung der Umweltpolitik insgesamt tun es sicher auch ein paar weniger», so Wüest weiter. 250 bis 300 Indikatoren wären ideal, also rund die Hälfte im Vergleich zu heute.

Auch wenn wir viele Indikatoren weglassen – massiv günstiger wird es nicht.
Autor: Markus WüstChef der Sektion Umweltbeobachtung beim Bafu

Massiv günstiger werde die Umweltbeobachtung dadurch allerdings nicht, gibt der Bafu-Spezialist zu bedenken. Denn bei vielen Messungen würden mehrere Indikatoren gleichzeitig erhoben.

Auch wenn die Zahl der Indikatoren reduziert würde – die meisten Erhebungen müssten trotzdem durchgeführt werden, erklärt Wüest.

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Hanspeter Müller (HPMüller)
    Wenn man Grenzwerte an Umweltgiften nicht einhalten will, kann man die Grenzwerte abschaffen. Das ist unpopulär, weil man zeigt, dass man Menschenleben dem Profit opfert. Wenn man die Messungen, die die Grenzüberschreitungen dokumentieren streicht tut man im Effekt dasselbe. Aber man verkauft sich nicht als Menschenfeind, sondern kann sich als "Sparer" und als "Macher, der die Verwaltung abspeckt" profilieren. Echt clever, dieses Deckmäntelchen.
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Bestes Beispiel der Ineffizienz des BAFU: Vor ca. 2 Jahren sprach der BR ca.55 Mio. CHF Steuergelder für die Biodiversität. Wir alle (inkl. Kommentarschreiber) können das Ergebnis dieses Geldsegens vor Ort nachverfolgen. Nach wie vor ziehen vielmals jährlich Kolonnen von Stadtgärtnern durch Grünanlagen u. Freibäder, um blühende Landschaften der Grünflächen in leblose Einöden zu verwandeln. Ergebnis: Keine Nahrung für Bienen, Insekten, Vögel, Igel u. Co. Noch schlimmer: Laubblasen in Grünflächen.
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  • Kommentar von H. Wach (H. Wach)
    Das BAFU hat eine reine Alibifunktion. Ausser Kosten produziert das BAFU nichts! Denn mit Zustands-Messungen u. Statistik kann man Umwelt, Natur, Artenvielfalt, Klima, Biodiversität, usw. nicht schützen. Solange Politik u. Wirtschaft uns Menschen ausschliesslich durch Ausbildung ein Anspruchsdenken zu immer höheren Wachstumsraten in Verbrauch auf Nahrung, Energie, usw. - insbesondere nicht lebensnotwendiger Güter u. Dienstleistungen! - suggeriert, so lange kann Umwelt nicht geschützt werden.
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