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Corona - Kommen die Lockerungen zu früh?
Aus Info 3 vom 09.04.2020.
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Voraussetzung für Lockerung «Der Ansteckungsfaktor muss noch weiter sinken»

Noch bis Ende April hält der Bundesrat die Bevölkerung an, zu Hause zu bleiben. Dann sollen die Massnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus schrittweise gelockert werden. Er erarbeitet nun einen konkreten Plan, wie dies passieren könnte. Die grösste Gefahr: Die Massnahmen werden gelockert und erneut stecken sich viele Leute an. Wie man das verhindern kann, weiss Thomas Häusler von der SRF-Wissenschaftsredaktion.

Thomas Häusler

Thomas Häusler

Wissenschaftsredaktor

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Thomas Häusler ist Wissenschaftsredaktor bei SRF. Er hat in Biologie doktoriert und eine Weiterbildung in Wassermanagement an der Uni Genf absolviert. Seit 2013 ist er Leiter der Wissenschaftsredaktion.

SRF News: Noch steigen die Fallzahlen. Welche Voraussetzungen müssen zwingend erfüllt sein, damit die Massnahmen gelockert werden können?

Thomas Häusler: Die Gesamtzahl an Infizierten steigt tatsächlich noch, aber sie steigt langsamer. Forscher der ETH sagen, wir hätten jetzt schon eine wichtige Marke erreicht. Jeder und jede, der sich mit Corona infiziert, steckt nun im Schnitt weniger als eine weitere Person an. Damit die Massnahmen gelockert werden können, muss dieser Ansteckungsfaktor noch weiter sinken – und zwar so weit, dass die Spitäler nicht überlastet sind und man alle Neuangesteckten schnell identifizieren kann. Und die Menschen, mit denen sie in Kontakt waren, damit die dann eben in Quarantäne gehen können.

Also muss der Bund dies überwachen und Begleitmassnahmen beschliessen. Welche Möglichkeiten hat er überhaupt?

Er hat die Möglichkeit, dass er möglichst viele Tests macht, noch viele mehr als jetzt. Man muss Leute ohne Symptome testen, bei denen bloss ein Verdacht besteht. Auch die in den letzten Tagen viel genannte Smartphone-App wird eine Rolle spielen. Diese warnt mich, wenn jemand positiv getestet wird, mit dem ich in den letzten zwei Wochen Kontakt hatte. Auch wenn es bei dieser App offene Fragen gibt, etwa, wie viele Leute diese dann wirklich nutzen werden. Gerade für ältere Menschen ist dies sicher nicht so einfach.

Die Bürger sollten sich selber Masken schneidern, denn auch da gibt es Hinweise, dass diese schützen können.

Es ist auch durchaus vorstellbar, dass der Bund doch noch zum Tragen von Masken im öffentlichen Raum ermutigen wird. Immer mehr Experten sagen, wenn sie Angesteckte tragen – auch solche, die es noch nicht wissen – können sie andere schützen. Der Bund könnte auch dem Beispiel anderer Länder folgen und sagen, die guten Masken seien weiterhin fürs Gesundheitspersonal reserviert. Die Bürger sollten sich aber selber Masken schneidern, denn auch da gibt es Hinweise, dass diese schützen können.

Wichtig wäre, zu erfahren, wer bereits Antikörper gebildet hat. Wo stehen wir in der Schweiz diesbezüglich?

Man ist immer noch dabei, diese Tests so gut zu machen, dass sie wirklich aussagekräftig sind. Man muss aber auch sagen: Es ist für mich oder meinen Arbeitgeber sicher sehr gut zu wissen, dass ich Corona hatte und immun bin. Aber für die Lage der Schweiz als Ganzes hilft das noch lange nicht so viel.

Wir müssen uns auf eine lange Wartezeit einstellen, bis es letztlich einen Impfstoff geben wird oder zumindest wirksame Medikamente.

Es werden noch eine längere Zeit so wenige Menschen immun sein, dass wir nicht hoffen können, dass wir alleine wegen dieser Immunität auf das Coronavirus in der Gesellschaft auf Massnahmen verzichten können.

In einigen asiatischen Ländern wurden die Massnahmen gelockert, dann musste die Schraube wieder angezogen werden. Wie sieht es bei uns aus?

Es wird sicher eine Phase geben, in der der Bund und Experten Lockungen testen müssen. Man muss dabei sehr klug vorgehen. Oft kann man nicht hin und her wechseln, sonst machen die Menschen das nicht mehr mit. Aber: Wir müssen uns auf eine lange Wartezeit einstellen, bis es letztlich einen Impfstoff geben wird oder zumindest wirksame Medikamente.

Das Gespräch führte Karin Britsch.

Quelle: Massnahmen des Bundesrats gegen das Coronavirus (Auswahl)13.03.20Verbot Veranstaltungen > 100 PersonenEinführung Schengen-GrenzkontrollenEinreise aus Italien mit Ausnahmen verboten10 Mrd. Fr. Soforthilfe Kein Unterricht an SchulenMax. 50 Personen in Restaurants, Bars, Diskotheken 18.03.20Betreibungsverbot bis 19. AprilGrenzkontrollen und Einreiseverbote ausgedehnt20.03.20Versammlungsverbot > 5 PersonenMassnahmenpaket von 32 Mrd. Fr.Ausweitung, Vereinfachung der Kurzarbeit 16.04.20Bekanntgabe der etappenweisen Lockerung der Massnahmenab 27.04.: z.B. Öffnung von Coiffeuren und Baumärktenab11.05.: z.B. Öffnung obligatorischer Schulenab 08.06: z.B. Öffnung von Zoos und Museen25.03.20Programm zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen (20 Mrd. Fr.)Anpassungen bei Kurzarbeitentschädigung03.04.20Bürgschaftsvolumen für Liquiditätshilfen auf 40 Mrd. Fr. erhöht08.04.20Shutdown bis 26. April verlängert,schrittweise Lockerung Ende April Ausweitung Kurzarbeit16.03.20«Ausserordentliche Lage»Einsatz von rund 8000 Armeeangehörigen in Spitälern, Logistik und SicherheitsbereichGrenzkontrollen zu Deutschland, Österreich und Frankreich sowie EinreiseverboteGeschäfte müssen schliessen (ausser Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen)«Besondere Lage» gemäss Epidemiengesetz Verbot Grossveranstaltungen > 1000 Personen 28.02.20EXIT

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91 Kommentare

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  • Kommentar von Amina Moser  (Amina)
    Mich würde interessieren, wo und weshalb sich weiterhin so viele Menschen mit Covid19 anstecken trotz aller bestehenden Massnahmen. Ausser Zahlen liefern weder Medien, noch BAG, noch Bundesrat Antworten, auch die Corona-Hotline zuckt durchs Telefon hierzu befragt mit den Schultern. Solange es auf diese Frage keine Antwort gibt, irren wir alle weiterhin im Ungewissen gegen Covid19.
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    1. Antwort von Dietmar Logoz  (Universalamateur)
      Das ist eine Eigenschaft exponentiellen bzw. logistischen Wachstums, wenn eine infizierte Person mehrere andere ansteckt. Solange es einen Pool ansteckbarer Personen gibt und Übertragungen vorkommen können (und sei es via Zalando-Paket), solange gibt es Neuansteckungen.
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    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Die Antwort liegt für mich persönlich im Wipkingerpark und dem Fischerweg der Limmat entlang denn so von der Terrasse aus betrachtet flanieren, grillieren und fläzen sich dort gefühlt mehr Menschen als normalerweise um diese Jahreszeit.
      Und nein - es sind nicht Anwohner - sondern z.T. Menschen aus den Kantonen Basel und Aargau die mit dem öffentlichen Verkehr extra nach Zürich fahren um sich hier den Virus zu holen.
      So geht das mit der Verbreitung!
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    3. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Es hängt damit zusammen, dass da Begriffe ungenau benutzt werden. Je mehr Leute getestet werden desto, mehr SARD-CoV-2-Positive gibt es. Nun ist es aber so, dass dieser Test nichts über eine Erkrankungswahrscheinlichkeit aussagt. Denn nach wie vor setzt 'Infektion' Viren in infektionsverursachender Menge, was der Test nicht misst, und entsprechende körperliche Bedingungen, sprich auch wie Fit das Immunsystem ist, voraus. Es ist falsch von Infektion zu reden, wo es um Testpositive geht.
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    4. Antwort von Jelena Juric  (Jelena Juric)
      Das kann man doch mit klarem Menschenverstand beantworten. Viele Leute gehen noch zur Arbeit (Post, Detailhandel, Medizin, Logistik, Bau und auch viele Ämter können nur teilweise vom Homeoffice aus getätigt werden.) Vielerorts kann man den Abstand bei der Arbeit nicht umsetzen.
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  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Jeder der jetzt Lockerungen der Massnahmen fordert sollte auf die Intensivstation gehen und die Sache mit eigenen Augen sehen. Auch SRF sollte aufhören Druck in diese Richtung zu machen - denn ein Bärendienst für alle Risikopatienten.
    PS im heutigen Filmbeitrag wurde der Begriff „ der Dahingerafften“ erwähnt. Dies ist Geschmacklos und beschämende Ausdrucksweise für die Opfer. Eine Entschuldigung wäre angebracht.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Es gibt ein 'gute' Nachricht. In Deutschland obduzieren die Pathologen und Gerichtsmediziner COVID-19-Verstorbene, das RKI hat nach einer Pressemitteilung der Pathologen und Gerichtsmediziner die Empfehlungen geändert. Gut, wenn da ein Land wie die BRD vorangeht.
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    1. Antwort von Benjamin Kilchör  (B.K.)
      Empfehlung geändert, nicht aber Zählweise:

      "'Das Gesundheitsamt wird jeden Toten mit virologisch nachgewiesener Covid-19-Infektion als einen Covid-19-Toten in der Todesursachenstatistik klassifizieren', erklärt Bürrig. Er selbst sehe das anders: 'Als Verstorbener in Folge Covid-19 sollte meines Erachtens gelten, wer den unmittelbaren Folgen dieser Infektionskrankheit erlegen ist.'"
      https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/corona-obduktionen-101.html
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