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Fall Brian alias «Carlos»: Drei Ärzte vor Gericht
Aus Schweiz aktuell vom 26.08.2020.
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Vorwurf der Misshandlung Zürcher Gericht spricht Psychiater von «Carlos» frei

  • Das Zürcher Bezirksgericht hat drei Psychiater von «Carlos» vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freigesprochen.
  • Sie hatten den jungen Straftäter für 13 Tage am Bett festgebunden.
  • Sie selbst fühlten sich unschuldig. Es habe keine Alternative gegeben.
  • Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann beim Obergericht angefochten werden.

Es sei in diesem Moment tatsächlich kein milderes Mittel ersichtlich gewesen, als «Carlos» mit der sogenannten 7-Punkte-Fixation festzubinden, sagte der Richter bei der Urteilseröffnung.

In das Isolationszimmer habe der suizidale «Carlos», der eigentlich Brian heisst, nicht gebracht werden können, weil er sich dort etwas hätte antun können. Noch stärkere Medikamente wären gemäss dem Richter ebenfalls keine Lösung gewesen. «Dann hätte er nicht mal mehr kommunizieren können.» Ihn so lange zu fixieren, sei angesichts der extremen Ausnahmesituation verhältnismässig und somit rechtmässig gewesen.

Das Urteil ist eine Schlappe für die Staatsanwaltschaft, welche die drei Ärzte wegen Freiheitsberaubung beziehungsweise Gehilfenschaft zur Freiheitsberaubung bestraft sehen wollte. Dafür forderte die Anklage für den Hauptverantwortlichen eine bedingte Freiheitsstrafe von 14 Monaten, für die beiden Mitbeschuldigten, welche die Massnahme abgesegnet hatten, bedingte Geldstrafen.

«Er wurde behandelt wie Hannibal Lecter»

Für den Staatsanwalt war klar, dass «Carlos» in dem Fall für einmal Opfer und nicht Täter sei. Der damals erst 15-jährige «Carlos» sei 2011 in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich behandelt worden wie die Figur Hannibal Lecter im Filmklassiker «Schweigen der Lämmer». «Das war eine Misshandlung, die durch nichts zu rechtfertigen ist.»

Die Psychiater hätten zudem die eigenen Richtlinien missachtet. Eine Fixierung mit Gurten müsse auf wenige Stunden beschränkt und jede Stunde überprüft werden. Diese Vorgaben seien ignoriert worden.

Seinen 16. Geburtstag verbrachte «Carlos» festgebunden auf einem Bett. Die lange Zeit in Bewegungslosigkeit führte dazu, dass der junge Straftäter kurzzeitig sogar im Rollstuhl transportiert werden musste und Hilfe beim Treppensteigen benötigte.

«Wir sahen keine andere Möglichkeit»

Einer der drei Psychiater bat «Carlos» in seinem Schlusswort um Entschuldigung. «Es tut mir leid, dass er so lange fixiert werden musste. Aber wir sahen keine andere Möglichkeit.»

Die drei Beschuldigten sagten übereinstimmend aus, dass «Carlos» in der Psychiatrischen Universitätsklinik grundsätzlich am falschen Ort gewesen sei. Diese sei für die Sicherung von forensischen Patienten, also psychisch kranken Gewalttätern, nicht geeignet.

Sie hätten sich darum bemüht, «Carlos» in die Spezialklinik Rheinau verlegen zu können, doch dort habe es erst nach 13 Tagen einen Platz gegeben.

«Carlos» sass im Nebenraum

«Carlos» wurde 2011 in die psychiatrische Uniklinik eingeliefert, nachdem er versucht hatte, sich im Gefängnis umzubringen. Dort war er, weil er einen Jugendlichen mit einem Messer schwer verletzt hatte. Für «Carlos» folgte bekanntlich eine Odyssee durch Gefängnisse, Kliniken und Gerichtssäle.

Der mittlerweile 24-Jährige verfolgte den Prozess per Video in einem Nebenraum mit. Direkt im Saal fand «Carlos» keinen Platz, weil er von vier Polizisten bewacht wurde und die Corona-bedingten Abstände sonst nicht hätten eingehalten werden können.

Die Plädoyers der Anwälte mochte er sich aber ohnehin nicht alle anhören. Er liess sich im Verlauf des Nachmittags freiwillig zurück ins Gefängnis bringen, wo er in Einzelhaft sitzt.

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Aus dem Archiv: «Fall Carlos» – Protokoll eines Desasters
Aus Rundschau vom 23.10.2019.
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SRF 4 News, Heute Morgen, 26.08.2020, 06:00 Uhr;

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64 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Wann gibt dieser Kosten verursachender, uneinsichtiger, gewaltatiger und krimineller endlich Ruhe?
  • Kommentar von dani werner  (mein-srf)
    Teil 2: Leider ist auch erwiesen, dass junge Menschen (besonders Männer) in diesem Altersbereich, in dem Brian damals war, auch irrational denken. Man kann mit ihnen dann nicht aushandeln, weil es nicht funktioniert. Es kann sich stabilisieren, aber je nachdem, ob Suchtmittel im Spiel waren, kann es auch sein, dass es sich nicht auswächst. Als Erwachsene stehen wir hilflos daneben und finden keine Lösung. Ja, die Massnahmen waren hart, nicht sinnvoll, aber vieleicht doch zu seinem Schutz.
  • Kommentar von dani werner  (mein-srf)
    Teil 1: Seit Beginn habe ich immer wieder beobachtet. Brian ist immer dann ausgeflippt, wenn man ihn eingeschränkt hat oder ihm Macht angedeihen liess. Damit konnte man rechtfertigen (provozieren), dass er gewalttätig ist. Nun, wir wissen keine Details darüber, ob es auch anders versucht wurde. Sicher ist, dass es eine Störung gibt. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit seiner Herkunft, Geschichte, Veranlagung. Es ist traurig, wenn man sehen muss, dass jemand nicht "einlenkt".
    1. Antwort von Franz NANNI  (Aetti)
      David Neuhaus
      Haette Sie das auch gesagt wenn er Sie per Messer attakiert haette...
      Haben Sie schon einmal ein ausrastendes "Kraftbuendel" erlebt...? Was waere auf die Aerzte zugekommen wenn er nicht fixiert gewesen waere und zB einen Pfleger erschlagen haette... Mitleid mit dieser Person ist mE nicht angebracht.. ausser vielleicht wei er sein Leben nicht unter Kontrolle bringt..