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Waadtländer Finanzdirektion «Illegale Forderungen»: Bericht kritisiert Valérie Dittli scharf

  • Die Waadtländer Staatsrätin Valérie Dittli wird in einem Bericht des Grossen Rates scharf kritisiert.
  • Dittli habe ihre Kompetenzen überschritten und das Kollegialitätsprinzip gebrochen.
  • Offen bleibt weiterhin, warum die Steuerpraxis im Kanton Waadt geändert wurde.

Der Untersuchungsbericht des Waadtländer Grossen Rates fällt ein hartes Urteil über die frühere Finanzdirektorin. Der Bericht deckt «mangelhaftes Management, Misstrauen gegenüber der Verwaltung und unzureichend begründete Entscheidungen» auf. Die 32-Jährige soll Mitarbeitende wiederholt unter Druck gesetzt und Forderungen gestellt haben, die aus Sicht der Verwaltung nicht umsetzbar gewesen seien. Dennoch habe sie auf ihre Umsetzung bestanden.

Untersuchung nach kritischem Expertenbericht

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Die Delegation der Aufsichtsbehörden des Grossen Rates hat die Probleme innerhalb des Finanzdepartements untersucht, das früher von Dittli geleitet wurde. Die Delegation war im März eingesetzt worden, um Klarheit über einen anderen Bericht des unabhängigen Experten Jean Studer zu erhalten. Auch dieser hatte mehrere Missstände innerhalb der Waadtländer Steuerbehörde festgestellt.

Zudem wird Dittli vorgeworfen, Kader unbegründet entlassen und parallel Mandate an externe Spezialisten vergeben zu haben, teils für mehrere 10'000 Franken pro Mandat. Die Kommission spricht von dem Versuch, eine «Parallelverwaltung» aufzubauen.

Frau in heller Jacke vor grauer Wand.
Legende: Dittli war 2022 für die Mitte-Partei überraschend in die Waadtländer Regierung gewählt worden. Am 21. März 2025 wurde Dittli mit sofortiger Wirkung die Verantwortung für die Finanzen und Steuern entzogen, nachdem eine externe Untersuchung Missstände in ihrem Departement aufgezeigt hatte. Keystone/CYRIL ZINGARO (21.03.2025)

Diese Probleme hätten «die institutionelle Funktionsweise geschwächt und das Personal beeinträchtigt», so die Delegation der Aufsichtsbehörden, die die Untersuchung zu den Problemen innerhalb des Finanzdepartements durchgeführt hat. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien eingeschüchtert und verunsichert gewesen, es habe viele Krankheitsfälle sowie zahlreiche Zu- und Abgänge im Departement gegeben. Die Delegation schreibt von einer Staatsrätin, die für solche Aufgaben «unzureichend vorbereitet» war, sowie von Kommunikationsproblemen und «unangemessenen» oder sogar «illegalen Forderungen».

Drei Personen bei einer Pressekonferenz vor einem Bildschirm.
Legende: Die Delegation der Aufsichtsbehörden hat die Untersuchung zu den Problemen innerhalb des Finanzdepartements durchgeführt. Dieses wurde früher von Dittli geleitet. Keystone / Cyril Zingaro (12.01.2026)

Insgesamt habe dieses Vorgehen die Verwaltung destabilisiert. Die Delegation der Aufsichtsbehörden kommt zum Schluss, Valérie Dittli hätten sowohl Managementerfahrung als auch Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung gefehlt.

Dittli selbst wollte auf Anfrage von SRF aktuell keine Stellung nehmen.

Kein Rücktritt gefordert

Der Bericht enthält 24 Empfehlungen und wird am 20. Januar im Grossen Rat erörtert werden. Einen Rücktritt fordert der Bericht nicht. Allerdings betont die SVP-Vertreterin im Präsidium der Untersuchungskommission, dass die Ergebnisse bei den nächsten Erneuerungswahlen 2027 politische Konsequenzen haben können.

SRF-Westschweiz-Korrespondent Philippe Reichen weist darauf hin, dass bei aller Kritik auch erwähnt werden müsse, dass Valérie Dittli im Kanton Waadt eine widerrechtliche Steuerpraxis aufgedeckt habe. «Zudem wurde ihr mit dem Finanzdepartement das wichtigste Departement überlassen, obwohl sie keinerlei politische Erfahrung hatte und im Kantonsrat über keine eigene Fraktion verfügte.»

Steuerpraxis weiterhin ungeklärt

Noch nicht geklärt ist, warum die Steuerverwaltung ihre Praxis geändert hat. Vermögende Steuerzahlerinnen und Steuerzahler im Kanton haben früher deutlich tiefere, mit der Amtsübernahme Dittlis dann aber höhere Steuerrechnungen bekommen. Die Steuerverwaltung wollte dazu der eigenen Departementsvorsteherin offenbar keine Auskunft geben. Es hiess nun, dass definiert werden müsse, wie das Steuergeheimnis auszulegen sei, also in welchem Umfang die Departementschefin Anspruch auf Informationen aus der Steuerverwaltung habe.

Büro des Grossen Rates will keine PUK

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Eine Mehrheit der Mitglieder des Büros des Grossen Rates des Kantons Waadt lehnt die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum Thema Steuerrabatt für Reiche ab.

Der Abgeordnete Hadrien Buclin (Ensemble à Gauche) hatte im Mai, unterstützt von den linken Parteien und den Grünliberalen, einen Antrag auf eine parlamentarische Untersuchung gestellt, um Licht in das System der Steuerbegrenzung («bouclier fiscal») zu bringen. Diese Praxis wurde laut dem unabhängigen Experten François Paychère zwischen 2009 und 2021 im Kanton Waadt nicht gesetzeskonform angewandt. Mit diesem Steuerrabatt für Reiche wollte der Kanton verhindern, dass Steuerzahlende abwandern.

Die Waadtländer Regierung hat sich bereits gegen eine solche PUK ausgesprochen. Das letzte Wort wird das Kantonsparlament haben.

Rendez-vous, 12.1.2026, 12:30 Uhr ; 

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