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Legende: Video Albert Rösti bricht auf dem Rütli ein Tabu abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 25.07.2019.
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SVP sucht populäre Themen Röstis Rütli-Rapport

Eigentlich sind politische Veranstaltungen auf dem Rütli nicht erlaubt. SVP-Präsident Albert Rösti hat diese Regel grosszügig interpretiert und die Journalisten zu einem «Spaziergang» auf die geschichtsträchtigste Wiese der Schweiz eingeladen.

Und die Medienschaffenden sind zahlreich erschienen – die SVP wusste das innenpolitische Sommerloch schon immer geschickt auszunutzen. Während die anderen Parteipräsidenten Sommerferien machen, ist Rösti auffallend präsent. Er selbst allerdings verneint einen Zusammenhang mit dem Sommerloch. Er gebe Interviews, wenn er angefragt werde. Und er wolle einfach «Kraft schöpfen für den Wahlkampf» auf dem Rütli.

Ein grosser Wahlverlust droht

Vielleicht hat die Dauerpräsenz aber auch damit zu tun, dass seiner SVP die grössten Verluste aller Parteien vorausgesagt werden: Fast drei Prozentpunkte könnte die stärkste Partei der Schweiz im Herbst einbüssen.

Kein Wunder: Die SVP hat zurzeit kaum Themen, mit denen sie punkten kann. Laut dem Sorgenbarometer leiden die Leute hierzulande unter den hohen Krankenkassenprämien und machen sich Sorgen wegen des Klimawandels. Hierzu hat die Volkspartei keine klaren Antworten. Das Thema Gesundheitskosten umschifft die Partei häufig grosszügig.

Und die an sich geschickte Strategie, in der Klimapolitik gegen alle anderen Parteien zu wettern, geht auch nicht ganz auf, weil der Bauernflügel in der Volkspartei durchaus mehr Klimaschutz will.

Mit dem Rütli gegen die EU

So setzt Parteipräsident Rösti nun wieder aufs SVP-Kernthema Unabhängigkeit, insbesondere auf das Verhältnis der Schweiz zur EU. Am 25. Juli, vor genau 79 Jahren, hielt auf dem Rütli General Henri Guisan den berühmten Rütlirapport.

Nach dem Fall Frankreichs war die Schweiz von Achsenmächten umzingelt. Der damalige Bundespräsident Marcel Pilet-Golaz sprach am Radio von «Anpassung», was damals viele als Einknicken vor Nazi-Deutschland interpretierten. Guisan aber beschwor den Widerstand.

Die SVP-Symbolik ist klar: Der jetzige Bundesrat knicke beim Streit ums Rahmenabkommen vor der EU ein, wie Pilet-Golaz vor den Nazis. Nur die Volkspartei leiste – wie Guisan damals – Widerstand. Rösti gibt auf mehrmaliges Nachfragen aber zu, dass der Vergleich mit der damaligen Zeit vielleicht schon etwas vermessen sei.

Verhalten der EU entscheidend

Ob die Rütli-Symbolik im Zusammenhang mit dem Rahmenabkommen beim Wahlvolk verfängt? Das hängt im Wesentlichen davon ab, wie sich die EU bis zu den Schweizer Parlamentswahlen verhält. Sie müsste bis im Herbst wohl massiv mehr Sticheleien gegenüber der Schweiz lancieren, als nur die Aberkennung der Börsenäquivalenz, die bis jetzt ziemlich folgenlos geblieben ist.

Sonst bleibt es dabei: Im Klimajahr hat die SVP grösste Mühe, ihre eigenen Themen zu setzen. Doch selbst wenn die Volkspartei drei Prozentpunkte verlieren sollte: Die SVP würde immer noch die mit Abstand grösste Partei bleiben.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

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140 Kommentare

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  • Kommentar von Willy Brauen  (Willy Brauen)
    Es könnte sein, dass viele Schweizerinnen und Schweizer die Beharrlichkeit der SVP schätzen. Nach dem momentanen Wind zu politisieren, ist meiner Meinung nach unehrlich! Ob das viele WählerInnen zum Anlass nehmen werden, der SVP diesen Herbst einen Korb zu geben, werden wir sehen. Es sind ja fast ALLE gegen die SVP, die noch als EINZIGE Partei versucht, die Schweizerwerte zu bewahren! Ich hoffe, dass die Schweiz nicht schon bald Geschichte ist, wie sich das vielleicht Einige wünschen würden!
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    2.Teil/ Sie stellen jedem Bürger die Frage bist du für das Land dann wähle mich,bist du gegen mich bist du gegen das Land. Diese Strategie mag zwar vordergründig Erfolgreich sein, aber auf Zeit hinterlässt sie grossen Schaden, sie teilt das Land. Und man ließt es von deren Anhänger immer wieder, man sei ein Trump - Bolcher -oder SVP Hasser. Damit will man Menschen ausgrenzen und ihnen sagen das sie nicht dazu gehören. In der Schweiz heisst das, man ist kein Richtiger Schweizer!
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      D. Röthenmund Vielleicht ist es von Ihnen ein Irrtum, dass alles Anhänger einer Partei sein müssen. Wer die Kommentare neutral liesst, kann vielleicht schon ein wenig Hass gegen die SVP daraus lesen, vor allem gegen Ch.B. Ja er hat sicher die Partei geprägt, aber alles falsch war sicher auch nicht, was er sagte und machte. Persönlich respektiere ich alle Parteien, aber man nimmt mir dies oft nicht ab, also man Urteilt über mich zu unrecht. So geht es wahrscheinlich noch einigen leider.
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Jawohl, Frau Artho, alle wissen es, aus Sicht der SVP -Anhänger sind immer die Anderen Schuld.
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    3. Antwort von Hans König  (Hans König)
      Die Nettozuwanderung in die CH betrug 2018 noch 53'000 - im 1. Haljahr 2019 immer noch 26'000; d.h. Stadt Biel mit ca. 52'000 Einwohner. Wenn ich in der CH auf Reisen bin, muss man die Scheinflüchtlinge nicht suchen. Die Kosten für diesen Jahrhundertfehler bezahlt die Arbeiterschaft mit den Steuern; von der Umweltbelastung nicht zu reden. Um diese Einwanderung zu stopen, braucht es alle Parteien.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund  (Daniele Röthenmund)
    Sei es Blocher, Orban, Salvini, Erdogan oder auch Trump sie fahren alle die gleiche Schiene und teilen ihre Länder in 2 Gruppen mit einer ganz einfachen und Simplen Strategie. Sie Verkaufen sich als die Hüter ihrer Nation,, sie biken sich 2 bis 3 Werte Raus und definieren dies als die Werte ihres Landes. Dabei werden gewisse werte ignoriert und totgeschwiegen die ihrem Plan eine Mehrheit für ihre macht zu erlangen im Wege stehen. Folgt 2. Teil
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    1. Antwort von Roman Loser  (Jessica)
      Da kenne ich noch andere die das Land teilen können! Ich habe mal im Bekanntenkreis zitiert wie ein Buchautor die jetzige Situation Jahre voraus schon angekündigt hat. Die Antwort eines eingefleischten SPler : "Du liest die falschen Bücher!" Fertig Amen mit Freundschaft vom Toleranten!
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