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90 Minuten in 9 Minuten: Die besten Momente am grossen Ständeratspodium
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Podium Ständeratswahlen Aargau Showdown mit politischem Streit und persönlichen Spässen

Noch sind nicht alle Köpfe im Aargauer Ständeratswahlkampf überall bekannt. «Ich würde gerne die zweite Dame von links fragen», sagt ein junger Mann aus Oftringen am Donnerstagabend in der Badener Trafohalle, nachdem er eine Frage ans Podium gestellt hat. Die zweite Dame von links ist in diesem Fall Ruth Müri, Ständeratskandidatin der Grünen. Das weiss wohl inzwischen auch der junge Besucher aus Oftringen.

Genau darum ging es an dieser Veranstaltung in Baden: Das Wahlvolk sollte die Kandidierenden näher kennenlernen. Dass die Ausgangslage spannend ist – zehn Kandidierende für zwei Sitze – zeigte auch der Publikumsaufmarsch: Die Halle war bis auf den letzten Platz besetzt, rund 200 Personen verfolgten das Podium von Radio SRF, Aargauer Zeitung und Radio Argovia.

Pius Lischer und Jean-Pierre Leutwyler

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Die Veranstalter haben acht der zehn Kandidierenden auf das Podium in Baden eingeladen. Eingeladen waren alle Kandidierenden der im Parlament vertretenen Parteien. Aus praktischen Gründen wurde auf eine weitere Vergrösserung des Podiums verzichtet, weshalb die Kandidaten Pius Lischer (Neue Bundesverfassung) und Jean-Pierre Leutwyler (Freie Wähler) nicht auf dem Podium waren. Pius Lischer war allerdings anwesend und konnte sich in einer Publikumsfragerunde ebenfalls zu seinem politischen Programm äussern.

Die Klima-Debatte

Im Saal und auf dem Podium war es heiss. Auch deshalb, weil zum Start eine Klima-Debatte auf dem Programm stand. «Die Idee, dass nur Engel Klimapolitik machen dürfen, wäre falsch», erklärte SP-Kandidat Cédric Wermuth auf die Frage, weshalb er im letzten Jahr mit dem Flugzeug in die Ferien sei. Auch er habe aber noch viel Potential, um ökologischer zu leben.

«Wahlkampf darf auch Spass machen», meinte FDP-Kandidat Thierry Burkart, angesprochen auf seinen alten VW-Bus, mit dem er von Stadt zu Stadt zieht. «Der Verbrennungsmotor hat auch weiterhin seine Berechtigung», ergänzte EVP-Kandidat Roland Frauchiger. Allerdings werde künftig wohl Wasserstoff oder synthetisches Methan als Antrieb genutzt.

Die Europa-Debatte

«Viele Zuwanderer landen in der Sozialhilfe, wir haben jetzt schon zu viele davon», warnte SVP-Kandidat Hansjörg Knecht. Er will deshalb den Rahmenvertrag mit der EU nicht unterzeichnen und setzt sich für die Kündigung der Personenfreizügigkeit ein. Auch die Linke wehrte sich gegen das Rahmenabkommen, aus Angst vor Lohndumping.

Ausländische Arbeiter, die die Regeln nicht einhalten, gebe es schon heute, sagte der Grünliberale Beat Flach an die Adresse der Skeptiker. «Das können wir nur gemeinsam mit der EU lösen. Dazu brauchen wir den Rahmenvertrag. Sonst diskutieren die Linken am Schluss über den Lohnschutz für Jobs, die es gar nicht mehr gibt, weil sie abgewandert sind.»

Auch Zuwanderer aus ferneren Ländern waren ein Thema. Man müsse auch Asylsuchende integrieren, die nicht für immer bleiben dürfen, fand BDP-Kandidatin Maya Bally. «50 bis 70 Prozent dieser Leute hätten das Potential bei uns zu arbeiten. Deshalb müssen wir sie in die Arbeitswelt integrieren, damit sie uns nichts kosten.»

Alle Teilnehmenden auf dem Podium
Legende: Der Andrang ist gross, im Saal und auf der Bühne: Acht Kandidierende debattierten auf dem Podium in baden. Michael Würtenberg/Aargauer Zeitung

Die AHV-Debatte

Auch Marianne Binder von der CVP sprach über das Geld. Zur Sicherung der AHV müsse man das Rentenalter erhören. «Das heutige Rentenalter 65 stammt aus Bismarcks Zeiten. Das hatte er damals festgesetzt im Wissen, dass gar niemand so alt wird.» Inzwischen sei die Lebenserwartung massiv angestiegen, was Rentenalter 67 rechtfertige.

Auch das Frauen-Rentenalter müsse natürlich angepasst werden, so die Meinung der bürgerlichen Parteienvertreter auf dem Podium. Ruth Müri (Grüne) wehrte sich: «Die Frauen verdienen immer noch acht Prozent weniger im Durchschnitt. Wir brauchen zuerst gleichen Lohn für gleiche Arbeit, bevor wir das Rentenalter angleichen.»

Gewisse Gemeinsamkeiten

Natürlich wurde gestritten am Donnerstagabend in der Trafohalle, es wurde aber auch gelacht. Zum Beispiel, als ein Moderator darauf hinwies, dass sich FDP-Mann Burkart und SP-Mann Wermuth doch sehr ähnlich sehen – beide trugen eine beige Hose, ein hellblaues Hemd und einen dunklen Blazer. «Er hat mich kopiert», meinte Wermuth. «Cédric Wermuth hat sich als Thierry Burkart verkleidet», erklärte Burkart.

Gemeinsam haben die Kandidierenden auch, dass sie die politischen Positionen ihrer Gegner natürlich bereits sehr gut kennen. «Er wird jetzt gleich sagen, dass das unsozial sei», meinte Wermuth mit Blick auf Hansjörg Knecht in der Debatte zum Klimaschutz. «Das ist klar unsozial», kam kurze Zeit später über die Lippen von Knecht, was vom Publikum mit Lachen quittiert wurde. «Er ist sowieso dagegen», sagt Marianne Binder in einer anderen Fragerunde mit Blick auf Knecht, der dies ebenfalls kurze Zeit später bestätigte.

Gut 90 Minuten lang haben die acht Kandidierenden am Donnerstagabend gestritten. 90 kurzweilige Minuten, wie die Reaktionen aus dem Publikum im Anschluss an die Veranstaltung zeigen. In einem Monat zeigt sich dann, welche Positionen das Wahlvolk am meisten überzeugen konnten. Am 20. Oktober findet der erste Wahlgang zum Ständerat statt.

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