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Weder die Grüne noch der Freisinnige ist ganz nach dem Geschmack der GLP
Aus SRF 4 News aktuell vom 01.11.2019.
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Grün oder liberal? «Es schlagen zwei Herzen in der Brust der Zürcher GLP»

Die Grüne zu links, der Freisinnige zu wenig grün: Die Zürcher Grünliberalen haben beim zweiten Wahlgang für den Ständerat Stimmfreigabe beschlossen. SRF-Regionalkorrespondent Christoph Brunner zur neuen Ausgangslage – und was den Wahlgang noch aufmischen könnte.

Christoph Brunner

Christoph Brunner

Zürich-Korrespondent, SRF

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Christoph Brunner Caffi ist seit 2012 für Radio SRF tätig – seit 2016 als Regionalkorrespondent in Zürich. Zuvor war er während zehn Jahren Moderator, Redaktor und Tagesleiter bei Radio 24.

SRF News: Warum konnten sich die Grünliberalen nicht auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin einigen?

Christoph Brunner: Es schlagen eben zwei Herzen in der Brust der Zürcher Grünliberalen – und Ruedi Noser und Marionna Schlatter repräsentieren jeweils eines dieser Herzen. Das grüne Herz der Zürcher GLP schlägt für Marionna Schlatter. Sie setze sich klar für mehr Umweltschutz und Massnahmen gegen den Klimawandel ein. Ausserdem ist für die GLP sehr wichtig, dass Marionna Schlatter eine Frau ist – und Frauen gebe es im Ständerat zu wenig.

Es kommt im Kanton Zürich höchst selten vor, dass ein Ständerat abgewählt wird.

Allerdings ist die Grüne ist aus Sicht der Zürcher GLP zu links, betreibe zum Beispiel eine Sozialpolitik mit dem Giesskannenprinzip. Und da kommt das liberale Herz der GLP ins Spiel, das für Ruedi Noser schlägt. Er repräsentiere den Wirtschaftsstandort Zürich und engagiere sich für eine aussenpolitische Öffnung. Auf der Negativseite gebe es verschiedene Differenzen bei umweltpolitischen Fragen, so die GLP. Unter dem Strich: Weder der Freisinnige noch die Grüne ist ganz nach dem Geschmack der GLP.

Die GLP beschliesst Stimmfreigabe – die anderen Parteien haben klar Stellung bezogen. Wie sehen die Lager jetzt aus?

Der amtierende Ständerat Noser kann neben seiner eigenen Partei noch die CVP hinter sich scharen. Auch die Zürcher SVP hat sich nach dem Rückzug ihres Kandidaten Roger Köppel für eine Unterstützung Ruedi Nosers ausgesprochen – wenn auch nur widerwillig: Gegenüber der grünen Kandidatin sei Noser einfach das kleinere Übel, war die Begründung.

Ruedi Noser, Daniel Jositsch, Marionna Schlatter
Legende: Die Sozialdemokraten können entspannt in den zweiten Wahlgang in Zürich gehen: Ihr Ständerat, Daniel Jositsch (Mitte) wurde bereits wiedergewählt. Keystone

Hinter Schlatter stehen natürlich die Grünen und die Sozialdemokraten. Diese können ganz entspannt in diesen zweiten Wahlgang gehen, weil ihr Ständerat Daniel Jositsch ja bereits im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde. Ausserdem bekommt Schlatter die Stimmen der Linkspartei Alternative Liste.

Und wer ist im Vorteil?

Rein rechnerisch ist es der FDP-Mann. Er hat im ersten Wahlgang das zweitbeste Resultat erzielt, mit einem komfortablen Vorsprung auf die grüne Kandidatin. Ausserdem kommt es im Kanton Zürich höchst selten vor, dass ein Ständerat abgewählt wird. Noser dürfte also auch einen gewissen Bisherigen-Bonus haben. Aber es gibt ein paar Faktoren, die diesen zweiten Wahlgang aufmischen könnten.

Was wären diese Faktoren?

Zum einen die SVP-Wählerinnen und Wähler: Es ist unsicher, wie viele von ihnen am 17. November wirklich wählen gehen. Denn Köppel hat im Wahlkampf Noser massiv angegriffen und ihn als Euro-Turbo und «Pöstchen-Jäger» verschrien – da dürfte es einigen SVP-Anhängern schwerfallen, nun Noser zu wählen.

Zweiter Faktor: Es ist schwierig abzuschätzen, wie sich die Stimmen der GLP auf Noser und Schlatter verteilen werden, da könnte es auch noch Überraschungen geben.

Und drittens: Die Grünen haben dank dem Klimathema im ersten Wahlgang vom 20. Oktober sehr gut mobilisiert. Wenn ihnen das am 17. November wieder gelingt, dann könnte es eng werden für Noser. Dann könnte ihm die Grüne Schlatter gefährlich nahe kommen.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Reto Albertini  (Reto Albertini)
    Herr Noser ist ein Mann der Wirtschaft und hat mit grün nichts am Hut. Hat sich noch schnell vor den Wahlen für die Gletscher-Initiative ausgesprochen um sich einen grünen Touch zu geben. Mann will ja unbedingt wieder gewählt werden und da stülpt man sich schon einmal ein grünes Mäntelchen über. Hat die FDP bei den Wahlen auch probiert und ist kläglich gescheitert, hoffe dies wird am 17. Nov. bei Herrn Noser auch der Fall sein. Solche Manöver gehören bestraft!
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  • Kommentar von Kurt Häfliger  (kurto1956)
    Grünliberal ist eben Programm, weder wischi noch waschi! Öko und liberale Wirtschaft geht grundsätzlich nicht zusammen! Zudem ist sie bei sozialen Massnahmen stets auf bürgerlichem Sparkurs was heutzutage ein No-go ist! Schön zu sehen bei den Transparenz-Berichten, dem Abstimmungsverhalten und im smartspider! Enthaltung müsste per se verboten sein - für was werden sie bezahlt - um in heiklen Fragen keine Meinung zu haben? Mit mir nicht!
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  • Kommentar von S. Borel  (Vidocq)
    „Marktwirtschaftliche Faktoren“... so ein Humbug... würden jene spielen, sähe unsere Umwelt bereits anders aus... tut mir leid, neo-liberale Wirtschaft und Ökologie schliessen sich aus, weil letzteres erstem im Wege steht... weiterhin neo-liberal Vollgas geben und sein „Gewissen“ beruhigen... die unnötigste Partei aller Zeiten...
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    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ S. Borel: Bitte definieren Sie "neo-liberal"! Ist das einfach alles, was Ihnen an der Marktwirtschaft missfällt. Es ist logisch, dass eine Marktwirtschaft Spielregeln braucht, welche der Staat, bzw. die Gesellschaft setzt. Auch eine gewisse Umverteilung muss der Staat übernehmen. Sind diese Regeln gut, gibt es kein erfolgreicheres Wirtschaftssystem um die Wohlfahrt der Bürger zu maximieren. In der Forschung unbestritten ist auch, dass man Umweltziele über den Markt am effizientesten erreicht.
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    2. Antwort von S. Borel  (Vidocq)
      @ Leu... ausschliesslich Profit- und Wachstumsorientiert... dass da der Markt auf Dauer alles andere denn spielt sieht man schon nur an den USA, die das ganze ja global „erfunden“ hatten. Protektionismus ist das üble Resultat. Für die Umwelt hat‘s erst recht null Platz. Wird bei uns genauso einschlagen... darum Weichen neu stellen... besser gestern wie morgen...
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    3. Antwort von Jörg Frey  (giogio)
      Herr Leu, die neo-liberale Wirtschaft will gar keine Regelung von niemandem, eben der ungebändigte Markt. Pinochet hat diese Wirtschaft in Chile eingeführt. Das Resultat sehen Sie heute auf den Strassen Chiles. Darum geht Neoliberalismus und Ökologie nicht zusammen.
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    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Jörg Frey: Danke Herr Frei. Ich ging davon aus, dass wir hier über die Schweiz diskutieren, nicht über Chile. Soviel ich weiss, gibt es in Chile keine grünliberale Partei, vermutlich nicht einmal Grüne. In der Schweiz haben wir eine soziale Marktwirtschaft. Deshalb sind eines der erfolgreichsten Länder und sehen das daran, dass wir eine permanente Nettoeinwanderung haben; übrigens hat auch die USA einen Wanderungsüberschuss. Länder ohne funktionierenden Markt sind typische Auswanderungsländer.
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