Die neue Regierung: In der Berner Kantonsregierung werden weiterhin SVP, FDP und Mitte den Ton angeben. Astrid Bärtschi (Mitte/bisher) ist das strahlende Gesicht der Berner Wahlen. Sie ist mit 138'672 Stimmen die Bestgewählte. Dass sie am meisten Stimmen geholt hat, sei sehr schön, quasi «die Kirsche auf der Torte». Aber: «Das Wesentliche ist, dass ich wiedergewählt wurde.» Auch die Bisherigen Philippe Müller (FDP), Pierre-Alain Schnegg (SVP) und Evi Allemann (SP) schafften die Wiederwahl problemlos. Neu in der Berner Regierung sind Raphael Lanz (SVP), Reto Müller (SP) und Aline Trede (Grüne). Die Freude bei den Gewählten ist gross. Aline Trede sagt zur ihrer Wahl: «Ich bin ich, die Menschen wussten, was sie von mir erwarten können und haben mich deshalb gewählt.»
Das Kopf-an-Kopf-Rennen: Wer holt den siebten Sitz? Ist es Daniel Bichsel (SVP) oder Reto Müller (SP)? Die Hochrechnungen zeigten am Wahlnachmittag ein extrem enges Rennen zwischen den beiden. Erst lag Reto Müller vorn, dann Daniel Bichsel. Die Abstände waren knapp. Nach Auszählung aller Stimmen konnte Reto Müller das Rennen für sich entscheiden. Er holte 6900 Stimmen mehr als Bichsel. «Ich bin erleichtert, insbesondere, dass es nicht so knapp ausgefallen ist, wie es die Hochrechnungen vorausgesagt haben», sagt der 47-Jährige.
Wahlziele nicht erreicht: Die Bürgerlichen wollten ihre Mehrheit in der Regierung ausbauen. Ziel war es, den fünften Sitz im 7-köpfigen Gremium zu holen. Das wurde nun verpasst. «Die Stimmbevölkerung will eine bürgerliche Mehrheit aber nicht eine allzu bürgerliche Mehrheit», analysiert Daniel Bichsel (SVP), der die Wahl verpasst hat. Auch das links-grüne Bündnis wollte einen Sitz dazu gewinnen und damit die Mehrheit in der Regierung holen. Dieses Ziel hat Rot-Grün allerdings deutlich verfehlt. Ihrem vierten Kandidaten Hervé Gullotti fehlten fast 12'000 Stimmen auf den Siebtplatzierten Reto Müller (SP).
Die Überraschung: Das Glanzresultat von SVP-Kandidat Raphael Lanz ist eine der Überraschungen des Berner Wahlsonntags. «Es ist überwältigend, ich habe nicht damit gerechnet», so Lanz. Dass der Thuner Stadtpräsident intakte Wahlchancen hat, war bereits vor dem Sonntag unbestritten. Sein innerparteiliches Duell mit Daniel Bichsel wurde allerdings mit grosser Spannung erwartet. Schliesslich entschied Raphael Lanz das Duell klar für sich mit fast 17'000 Stimmen mehr als Bichsel – und auch über 1000 Stimmen mehr als der amtierende SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg.