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Frauenhäuser sind besorgt
Aus SRF 4 News aktuell vom 19.03.2020.
abspielen. Laufzeit 04:14 Minuten.
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Wegen Corona-Massnahmen «Es wird vermehrt zu häuslicher Gewalt kommen»

Wer nicht muss, soll in der Schweiz das Haus derzeit nicht verlassen. Für Menschen in konfliktgeladenen Beziehungen bringt das zusätzliche Probleme mit sich. Besonders gefährdet sind Frauen, wenn häusliche Gewalt bereits vorgekommen ist. Silvia Vetsch über die Herausforderungen in den Schweizer Frauenhäusern.

Silvia Vetsch

Silvia Vetsch

Leiterin Frauenhaus

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Vetsch leitet das Frauenhaus St. Gallen, das Raum für neun Frauen und Kinder bietet.

SRF News: Was bedeuten das Coronavirus und die damit verbundenen Einschränkungen für Menschen in konfliktgeladenen Beziehungen?

Silvia Vetsch: Es ist eine schwierige Zeit, die auf diese Menschen zukommen wird. Wenn sie so eng aufeinander sind, ist das Konfliktpotenzial um einiges höher, als es ohnehin bereits ist. Wir gehen davon aus, dass es in den nächsten Wochen vermehrt zu häuslicher Gewalt kommen wird, weil die Menschen sich nicht auswärts betätigen können – beispielsweise beim Sport oder im Kino.

In der Schweiz haben wir sowieso zu wenig Betten.

Wie gehen Sie mit dieser Situation um, dass wahrscheinlich vermehrt Frauen mit ihren Kindern ihre Institutionen aufsuchen werden?

Wir können nicht mehr aufnehmen als wir Platz haben. Aktuell sind wir voll belegt.

Hier können Sie sich melden

Für Erwachsene:

Für Erwachsene und Jugendliche / Kinder:

Für Jugendliche und Kinder

Sie merken also bereits eine Zunahme?

Wir sind immer wieder voll belegt. In normalen Zeiten können wir auf andere Frauenhäuser ausweichen. Dann nehmen etwa andere Kantone Frauen aus dem Kanton St. Gallen auf oder umgekehrt. Die Situation mit den jetzigen Massnahmen müssen wir noch besprechen. Es stellen sich Fragen wie: Wie sehen das andere Häuser? Inwieweit können sie Frauen aufnehmen? Inwieweit sind die Mitarbeiterinnen gesund?

Die aktuellen Massnahmen sind für uns auch neu. Da müssen wir zuerst erst selber Strategien erarbeiten.

In der Schweiz haben wir sowieso zu wenig Betten. Das wissen wir bereits seit längerem – das Anliegen wurde auch schon mehrere Male beim Bund deponiert. Notfalls müssen wir auf Hotels ausweichen, solange diese noch geöffnet sind.

Da ist aber kein Schutz vorhanden, weil die Adresse bekannt werden könnte...

Genau.

Wie können sich betroffene Frauen und Kinder aktuell schützen?

Es gibt die üblichen ambulanten Beratungsstellen – die Opferhilfestellen –, welche in allen Kantonen vorhanden sein sollten. Ansonsten müssen die Betroffenen die Polizei einschalten. Die aktuellen Massnahmen sind für uns auch neu. Da müssen wir zuerst erst selber Strategien erarbeiten. Ich gehe davon aus, dass wir Mitarbeiterinnen uns zwischen Arbeitsort und unserem eigenen Zuhause bewegen werden und nicht unter Leute gehen. So können wir das Ganze eingrenzen.

Sie müssen also auch Ihren eigenen Schutz gewährleisten?

Genau. Wir müssen jetzt gesund bleiben. Denn wenn zu wenige Mitarbeiterinnen im Frauenhaus sind, können keine neuen Frauen mehr aufgenommen werden. Wir werden diese Woche in unserem Haus ein Quarantänezimmer einrichten, falls es so zu einem Infektionsfall kommen sollte.

Wenn eine Frau mit Anzeichen von Husten von Fieber zu Ihnen kommt: Würden Sie diese aufnehmen oder abweisen?

Wir müssten das vermutlich zuerst mit unserer Vertrauensärztin und dem Kantonsspital besprechen. Wenn wir das Quarantänezimmer haben, dann wäre das allenfalls möglich.

Das Gespräch führte Noëmi Gradwohl.

SRF 4 News, 19.3.2020, 06:45 Uhr; srf/hosb;snep

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Nussbaumer  (Angela N.)
    Meine Bitte: die Polizei benachrichtigen, wenn nebenan herumgeschrien wird. Selbst intervenieren kann gefährlich werden. 117 anrufen und so zur Deeskalation beitragen.
    Häusliche Gewalt traumatisiert. Kinder in dysfunktionalen Umfeld leiden ein Leben lang elterlicher Gewalttätigkeit. Auch wenn physische Gewalt "nur" zwischen den Eltern ausagiert wird. Helft bitte mit!

    Danke.
    Aufgrund der Corona-Pandemie müssen die Leute zuhause bleiben. Mit fatalen Folgen für manche Frauen, so eine Expertin.
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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Dabei... man hat sich doch mal geliebt... und was ist geblieben... und warum bleibt ihr dann zusammen...
    Trennt Euch, oder arrangiert Euch, so dass jeder/jedes sein Leben hat.. ohne Neid und Eifersucht... dann geht es..
    Ja und versucht, das primitive Verhalten zu mindern... OK ist wohl ein Wunschdenken...
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  • Kommentar von Armin Schweigler  (Armin)
    Wenn man du schon bedenkt wie das ist über Weihnachten und die Feiertags. Die meisten Eskalationen in der Familie die meisten Streitigkeiten unter der Verwandtschaft. Vermehrter Alkoholkonsum erhöhtes Aggressionspotential. Man kann noch lange sagen nehmt euch zusammen, das hat ungefähr dieselbe Wirkung wie bitte keine Ansammlungen von Menschen auf den Straße. Ja ist sie jetzt bestimmt in neun Monaten auch mehr Kinder geben aber die Scheidungsrate häusliche Gewalt wird hoch sein.
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