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Der Gesundheitsminister zu den ab Samstag gültigen Lockerungen
Aus Tagesschau am Vorabend vom 05.06.2020.
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Weitere Corona-Lockerungen Dürfen wir nun nach Italien reisen, Herr Berset?

Abgesehen von den Grenzen steht in der Schweiz bereits am Samstag der nächste Lockerungsschritt an. Was erlaubt ist und was nicht, und wie gut unser Land die Coronakrise bisher bewältigt hat – all das erklärt Bundesrat Alain Berset.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 48-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er als Ständerat für den Kanton Freiburg tätig und übte dort 2008/2009 das Amt als Ständeratspräsident aus.

SRF News: Herr Bundesrat, am Samstag erfolgt ein grosser Lockerungsschritt. Fast alles wird wieder möglich. Jetzt gibt es dazu auch neue, blaue Plakate. Warum blau?

Alain Berset: Blau ist eine Weiterentwicklung der Informationskampagne. Ich bin sehr froh, dass wir am Samstag diesen Schritt machen können. Das Plakat erklärt auch, dass nun neue Regeln gelten.

Kann ich mich so schnell wie möglich testen lassen, wenn ich nur die geringsten Symptome habe?

Ja, unbedingt. Die Ärztinnen und Ärzte haben seit mehreren Wochen die Anweisung, das zu tun.

Wenn ich mit einer Gruppe Leute draussen bin und den Abstand von zwei Metern nicht einhalte: Kann ich dann immer noch eine Busse bekommen?

Nein. Aber es ist natürlich nach wie vor in der Eigenverantwortung von allen, aufzupassen. Aber eine Busse gibt es dafür nicht.

So soll die Pandemie eingedämmt werden

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Die neuen Regeln sind: Testen, Tracing – also Nachverfolgen – und Isolieren. Die Wissenschaftler in der Taskforce des Bundes fordern genau das schon seit Wochen und Monaten. Für Bundesrat Berset ist man trotzdem nicht zu spät dran. «Weil wir jetzt so tiefe Ansteckungszahlen haben, können wir eine neue Strategie fahren – übrigens schon seit Anfang Mai, die sogenannte Eindämmungsstrategie.»

Man versuche damit die Epidemie unter dem Deckel zu behalten, erklärt Berset. Voraussetzung sei allerdings, dass man alle Personen, auch mit leichten Symptomen, testen, finden und isolieren müsse: «Und man muss Kontaktpersonen, die auch krank sein könnten, ebenfalls unter Quarantäne stellen. Das würde uns erlauben, ein normales Leben zu führen mit der Epidemie, die nach wie vor da ist.»

Wenn ich nach Italien reisen will: Darf ich das?

Rein technisch können Sie, aber wir raten dringend davon ab.

Wenn ich als Veranstalter eine Demonstration mit 200 Leuten organisiere, ich aber kein Schutzkonzept dafür erarbeitet habe: Mache ich mich strafbar?

Ja, das geht nicht. Es ist vor allem auch gefährlich. Es braucht ein Schutzkonzept, Distanzhalten ist wichtig. Wenn das nicht möglich ist, sollen Masken getragen werden. So oder so muss man eine Liste der Personen machen, damit man Leute finden kann, wenn eine Person erkrankt ist.

Verzichten Sie bitte aufs Händeschütteln!

Aber bei Demonstrationen ist es ja nicht möglich, eine Liste der Personen zu machen?

Ja gut, das stimmt. Es ist eine Gratwanderung zwischen der Wahrung der politischen Rechte und dem Bestreben, keine unnötigen Risiken für die Gesellschaft einzugehen.

Gibt es etwas, das ältere Leute und weitere Angehörige der Risikogruppe immer noch nicht tun dürfen?

Nein, es ist eine Rückkehr zur neuen Normalität. Das heisst: Aufpassen, Distanz halten und wenn das nicht möglich ist, eine Maske tragen. Auch Händewaschen bleibt eine sehr wichtige Massnahme. Und verzichten Sie bitte aufs Händeschütteln! Man muss weiterhin zu nahe Kontakte vermeiden. Das ist nicht lustig und nicht einfach. Aber es hilft uns sehr, die Epidemie unter Kontrolle zu halten.

Das heisst also, die Älteren dürfen jetzt alles wieder machen, was die anderen auch dürfen?

Ja. Man muss situativ handeln. Die Situation ist heute viel besser als im März, damals mussten wir die älteren Leute schützen. Wir wussten nicht, was das Virus macht. Heute können wir anders vorgehen.

Wir waren mehr als eine Gesellschaft, wir waren eine Gemeinschaft, die die Krise zusammen gemeistert hat.

Der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat einmal gesagt: «In der Krise beweist sich der Charakter.» Was haben Sie in der Krise über den Charakter der Schweizerinnen und Schweizer gelernt?

Eigenverantwortung! Das bedeutet aber nicht, nur für sich zu schauen, sondern auch für die anderen, das hat mit Solidarität zu tun. Wir waren als Gesellschaft in der Schweiz in den letzten Monaten sehr gut unterwegs. Es war eindrücklich für mich zu sehen, wie gut es funktioniert hat. Wir waren mehr als eine Gesellschaft, wir waren eine Gemeinschaft, die die Krise zusammen gemeistert hat.

Und was haben Sie über Ihren eigenen Charakter gelernt?

Es ist schon eine spezielle Situation, man weiss vorher nie, wie man reagiert. Es war mir wichtig, meinen Job mit vollem Engagement machen zu können mit meinem Team, und ich bin nach wie vor da, ich habe es überlebt in meiner Funktion. Das weiss man vorher nie.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

G_200619_Bundesrat_Ausstiegsfahrplan_ysoWeiterhin giltAb 15. JuniAb 20. JuniAb 22. JuniDeutschland, Frankreich und ÖsterreichPräsenzunterrichtan Mittel-, Berufs-und HochschulenZoos,botanische GärtenTheater, KinosVeranstaltungenmit bis zu300 PersonenBergbahnenTrainings füralle SportartenGrössere Gruppenin RestaurantsCampingplätzeFerienlager(max. 300 Personen)Schwimmbäderund WellnessDiscotheken,Nachtclubs undErotikbetriebeSpontaneVersammlungen bis max. 30 PersonenGottesdienste und Feiern allerReligionenMuseen, BibliothekenobligatorischeSchulen(Kantone entscheiden)kompletterDetailhandelGastronomier 4er-GruppenöffentlicherVerkehrSporttrainings imBreiten- undLeistungssportReisebürosschrittweiseLockerung derEinreisebeschränkungCoiffeure, Kosmetik-und Massagesalonsambulante BehandlungenSpitäler, Arztpraxen,PhysiotherapieBeerdigungenim grösserenKreisGartenbedarf,Blumenläden &BaumärkteQuelle: Bundesrat, 19.06.20Ausstiegsfahrplan des Bundesrats

Tagesschau, 05.06.2020, 18:00 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Könnte mir endlich jemand erklären, warum Hände waschen eine so wichtige Massnahme sein soll? Es ist nicht nur erwiesen, dass Schmierinfektionen höchstens eine sehr untergeordnete Rolle spielen, sondern mir ist kein einziger nachgewiesener Fall bekannt. In Haushalten mit Infizierten wurde auf sämtlichen Oberflächen, Türklinken usw. kein einziges aktivierbares Virus gefunden. Wundert sich eigentlich niemand über die Prominenz dieser Anweisung? Weil sie so leicht zu befolgen ist und nicht schadet?
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    1. Antwort von Vreni Neukom  (vreni parteilos)
      Die Hände kommen häufig mit Keimen in Kontakt und können diese auf alles übertragen, was anschließend angefasst wird. Beim Händeschüt-teln oder über gemeinsam benutzte Gegenstände können auch Krank-heitserreger leicht von Hand zu Hand gelangen. Berührt man mit den Händen das Gesicht, können die Erreger über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen. Händewaschen unterbricht diesen Übertragungsweg. Bleiben Sie Gesund.
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    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Danke, Frau Neukom, ist mir alles klar. Ich bin nur irritiert, weil sämtliche Informationen, die ich habe, dafür sprechen, dass diese Krankheit so gut wie gar nicht auf diesem Weg übertragen wird, sondern durch Tröpfcheninfektion (deshalb bemühte ich die Untersuchung von Prof. Streeck, die diesbzgl. doch eine denkbar deutliche Sprache spricht). Trotzdem hebt hier sogar der Bundesrat die besondere Bedeutsamkeit dieser Hygieneregel hervor. Verstehen Sie die kognitive Dissonanz?
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  • Kommentar von Ulrich Jermann  (Nachdenkend...)
    Ich unterstütze die Massnahmen, insbesondere die Lockerungen voll und ganz.
    Ich erhoffe wir erhalten bald die Tracing App und sie ist nicht so stark „datengeschützt“, dass sie nicht funktioniert.
    Einen Vorbehalt möchte ich machen: Wenn ich es richtig verstanden habe, werden nicht alle Kontakt-Personen von Infizierten automatisch getestet, sondern nur jene, welche schon Symptome haben.
    Ich halte das (bei diesen tiefen Fall zahlen
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  • Kommentar von Nisha Jeyaprakash  (NJ.)
    Die Einreisebeschränkungen werden vermehrt aufgehoben, aber vom Reisen wird dringend abgeraten. Was ist mit all den Pauschalreisen, die jetzt rechtlich möglich werden und man gezwungen wird, entweder mitzureisen oder eben die hohen Stornierungskosten zu zahlen? Die Öffnung kann ich sowieso nicht nachvollziehen. Wurde hier mal wieder zugunsten der Tourismusbranche gehandelt?
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