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Millionen Menschen im Jemen droht der Hungertod
Aus Tagesschau vom 01.03.2021.
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Weltgrösste humanitäre Krise Schweiz greift kriegsgeplagtem Jemen unter die Arme

  • Die Schweiz unterstützt die humanitäre Hilfe in Jemen mit 14 Millionen Franken. Das sagte Bundesrat Ignazio Cassis an einer virtuellen Geberkonferenz.
  • Die humanitäre Lage in dem kriegsgeplagten Land sei noch nie schlimmer gewesen, betonte UNO-Generalsekretär António Guterres. Der Krieg in Jemen verschlinge eine ganze Generation.
  • Der Beitrag der Schweiz ist ein Tropfen auf den heissen Stein: Rund 3.8 Milliarden US-Dollar werden gemäss der UNO für Nothilfe benötigt.

Zum Auftakt der Online-Geberkonferenz bat UNO-Generalsekretär António Guterres angesichts einer drohenden Hungersnot und Millionen Leidtragenden des Kriegs dringend um Spenden. Obschon die Lage in Jemen nie schlimmer war, seien die Spenden vergangenes Jahr zurückgegangen – mit «brutalen» Folgen. Organisationen, die Wasser, Lebensmittel und medizinische Hilfe lieferten, hätten ihre Arbeit einschränken oder ganz einstellen müssen.

Kindheit im Jemen ist eine besondere Art der Hölle.
Autor: António GuterresUNO-Generalsekretär

Guterres: Krieg verschlingt eine ganze Generation

Besonders schwer leiden Kinder unter dem Konflikt. «Kindheit im Jemen ist eine besondere Art der Hölle», sagte Guterres. Fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren drohe akute Unterernährung. Ohne rasche ärztliche Behandlung könnten 400'000 sterben. «Der Krieg verschlingt eine ganze Generation», sagte der UNO-Generalsekretär.

Das Geld aus der Schweiz geht an humanitären Organisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und an das Welternährungsprogramm, wie das Aussendepartement EDA mitteilte. Die Unterstützung der Schweiz konzentriert sich auf die Bereiche Wasser und sanitäre Anlagen, Ernährungssicherheit und Schutz von Zivilpersonen.

Wir müssen Ansätze für eine dauerhafte Lösung entwickeln, um den Menschen im Jemen eine Zukunftsperspektive zu geben.
Autor: Ignazio CassisSchweizer Aussenminister

Cassis rief die Konfliktparteien zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf. Zugleich sprach er sich für den Friedensprozess unter der Leitung der UNO aus. «Wir müssen Ansätze für eine dauerhafte Lösung entwickeln, um den Menschen im Jemen eine Zukunftsperspektive zu geben», sagte er. Dafür brauche es eine enge Verknüpfung der Massnahmen für humanitäre Hilfe, Entwicklung, Menschenrechte und Frieden.

Schweiz war Mitorganisatorin der Geberkonferenz

Vertreter von 53 Staaten nahmen an der Geberkonferenz teil, die von der Schweiz und von Schweden in Zusammenarbeit mit dem UNO-Nothilfebüro OCHA in Genf organisiert wurde.

Die Vereinten Nationen benötigen dieses Jahr 3.85 Milliarden Dollar für Nothilfe in Jemen. Bei einer Geberkonferenz im vergangenen Jahr kam mit 1.9 Milliarden Dollar nur etwa die Hälfte der benötigten Summe zusammen. «Wenn wir nicht genügend Geld zusammenbekommen, werden wir die schlimmste Hungersnot seit Jahrzehnten erleben. Wir müssen verhindern, dass Menschen langsam und qualvoll verhungern», betonte der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Mark Lowcock.

Ein Mann erhält einen Sack Getreide.
Legende: In Jemen, dem extrem armen Nachbarn des extremen reichen Saudi-Arabien, ist die Hungersnot vielleicht bald bittere Realität. Keystone

67 Prozent auf humanitäre Hilfe angewiesen

Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Herbst 2014 und namentlich seit der Intervention einer internationalen Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien im Frühling 2015 besteht in Jemen die grösste humanitäre Krise der Welt.

Es ist eine einzig von Menschen gemachte Hungersnot, eine Entscheidung von Mächtigen über Machtlose.
Autor: Mark LowcockUNO-Nothilfekoordinator

Bis dahin war Jemen arm, hatte aber eine einigermassen funktionierende Wirtschaft, eine nationale Infrastruktur und eine Exportbasis. Heute sei alles hinüber, sagt Lowcock. Die Felder zerbombt, die Fischerboote zerstört. «Es ist eine einzig von Menschen gemachte Hungersnot, eine Entscheidung von Mächtigen über Machtlose.»

20 Millionen Menschen, das sind 67 Prozent der jemenitischen Bevölkerung, sind derzeit unmittelbar auf humanitäre Hilfe angewiesen.

SRF 4 News, 01.03.2021, 17 Uhr;

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12 Kommentare

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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Es hätte mehr gebracht die USA und Saudi-Arabien zu boykottieren und vor den internationalen Gerichtshof zu bringen, anstatt im Nachhinein den Schaden zu flicken der nicht mehr zu flicken ist.
  • Kommentar von Andreas Diethelm  (Okapi)
    Ein Land, das gleichentags einmal mehr ein wirksames Gesetz gegen die Geldwäscherei, von der es so gut lebt, verhindert hat, und das 17 Milliarden an Covid-19-Überbrückungskrediten gewähren kann, "greift dem Jemen" in seiner grössten humanitären Katastrophe mit einer 14-Millionen-Spende an das IKRK "unter die Arme". Das Zupflastern der Sechseläutenwiese hat mehr gekostet. Schämt sich dafür gar niemand?
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Der Einsatz der Schweiz ist positiv. Abgesehen davon, dass der humanitäre Batzen ein Kleckerbetrag ist, muss man auch darauf hinweisen, dass in diesem Konflikt u.a. Saudi-Arabien beiteiligt ist und dass die CH Gesetze, die die Ausfuhr von dual-use Gütern regulieren, nicht über jeden Zweifel erhaben sind. Es ist nicht auszuschliessen, dass direkt oder indirekt CH Produkte auch im Jemenkrieg zum Einsatz kommen. Eine glaubwürdige Aussenpolitik würde ein Embargo gegen Saudi-Arabien verhängen.