Kokain, Cannabis, Ecstasy, LSD – in der Schweiz sind diese Drogen alle verboten. Ob Cannabis bald legal sein soll, darüber berät in Kürze das Schweizer Parlament. Nun stellt die Westschweizer Arbeitsgruppe für Suchtforschung GREA eine andere Frage in den Raum: Sollen auch Stimulanzien wie Koks, Ecstasy oder MDMA reguliert und kontrolliert abgegeben werden? Frank Zobel, der Vizedirektor von Sucht Schweiz erklärt den Standpunkt seiner Organisation.
SRF News: Was sagt Sucht Schweiz dazu, dass Kokain und Co. legal abgegeben werden soll?
Wir kennen diesen Bericht. Die Idee ist, dass eine Debatte darüber beginnt, ob man diese Substanzen auch regulieren kann. Dieser Bericht gibt erste Ideen.
Man kann sagen, dass die Drogenpolitik ihre Ziele wirklich nicht erreicht hat.
Der Bericht begründet die Notwendigkeit der Debatte damit, dass die bisherige Drogenpolitik in der Schweiz gescheitert sei. Wie sehen Sie das?
Prohibition bei Drogen gilt nicht nur in der Schweizer Drogenpolitik, sie gilt international. Aber heute sehen wir, dass wir grössere Märkte denn je haben, besonders bei Stimulanzien. Kokain ist leicht zugänglich, wie auch andere Drogen. Deswegen kann man sagen, dass diese Drogenpolitik ihre Ziele wirklich nicht erreicht hat. Auch der Konsum der Substanzen steigt.
Von diesem Bericht ist die Rede:
Wie würde eine kontrollierte Abgabe von Stimulanzien wie Kokain in der Praxis aussehen?
Das ist die grosse Frage. Wir führen zurzeit diese Debatte beim Cannabis. Da haben wir erste Ansätze, wie man es machen kann und mit welchen Auswirkungen es in Zusammenhang steht. Bei Kokain hat es noch niemand gemacht. Es könnte zum Beispiel eine Abgabe in Apotheken sein oder über Anlaufstellen für die Schwerstssüchtigen. Das muss alles durchdacht werden und es wird wohl auch von der Gefährlichkeit jeder Substanz abhängen.
Was spricht aus der Sicht von Sucht Schweiz dafür, dass Stimulanzien wie Kokain oder MDMA kontrolliert legal verkauft würden?
Die Argumente sind die gleichen wie beim Cannabis. Heute haben wir keinen Zugang zu den Konsumierenden, jedenfalls nicht, bevor sie grosse Probleme haben. Durch legalen Verkauf könnte man ihnen sagen, wie sie besser auf ihre Gesundheit aufpassen könnten. Dazu kommt die Produktsicherheit. Heute kommt man leicht an Kokain oder an Ecstasy. Aber man weiss nicht, was man kauft. Das birgt grosse Gefahren. Und der letzte Punkt ist der Schwarzmarkt und die Gewalt am Schwarzmarkt. Das ist besonders der Fall bei Kokain. Würde man den Verkauf von Kokain in die Hände des Staats oder eines nicht gewinnorientierten Vereins übergeben, würde man den kriminellen Gruppen den Markt wegnehmen.
Ganz klar: Es geht nicht darum, dass man im Supermarkt solche gefährlichen Substanzen verkauft.
Gleichzeitig handelt es sich aber um Drogen, die teilweise stark abhängig machen können. Was spricht konkret dagegen?
Da gibt es viele Argumente. Ganz klar: Es geht nicht darum, dass man im Supermarkt solche gefährlichen Substanzen verkauft. Kokain zum Beispiel ist cardiotoxisch, und es ist auch für die psychische Gesundheit eine gefährliche Substanz. Würde man es einfach so auf den Markt bringen, dann hätten wir eine Gesundheitskatastrophe. Der Verkauf müsste sehr eingeschränkt konzipiert werden, damit die Ziele der öffentlichen Gesundheit wirklich erreicht werden können.
Was denken Sie persönlich, wird Kokain jemals in der Schweiz legal zu kaufen sein?
Ich weiss es nicht. Was ich weiss: Wenn man sich die aktuelle Situation ansieht und alle Indikatoren – zum Beispiel bei Kokain – einbezieht, dann sind wir in einer Sackgasse. Es gibt eine Kokainschwemme und wir müssen überlegen, was wir anders machen können.
Das Gespräch führte Martina Koch.